Iran-Friedenshoffnung: DAX steigt 1,4% – Ölpreis bricht ein

Der US-amerikanische 15-Punkte-Plan zur Beendigung des Iran-Krieges hat an den Finanzmärkten für spürbare Erleichterung gesorgt – und besonders am Ölmarkt deutliche Spuren hinterlassen. Ein Barrel Rohöl der Sorte Brent verbilligte sich um 5,6 Prozent auf 98,57 Dollar, nachdem es im Verlauf des Konflikts zeitweise auf knapp 120 Dollar und damit den höchsten Stand seit 2022 geklettert war. US-Leichtöl fiel um 3,4 Prozent auf 89,24 Dollar – ein bemerkenswerter Rückgang, nachdem beide Sorten am Vortag noch um fast fünf Prozent zugelegt hatten.
Der DAX profitierte von der aufkeimenden Friedenshoffnung und schloss 1,4 Prozent höher bei 22.957 Punkten. Nach starken Gewinnen am Vormittag bröckelte der Anstieg am Nachmittag leicht ab, das Tagesplus blieb jedoch solide. "Die Hoffnung auf Frieden wächst. Und Hoffnung wird auf dem Börsenparkett immer gerne aufgenommen", kommentierte Portfoliomanager Thomas Altmann von QC Partners die Marktstimmung. Zum Vergleich: Am Montag war der DAX infolge eines US-Ultimatums noch auf 21.863 Punkte und damit den tiefsten Stand seit April 2025 abgesackt.
Hintergrund der Kursrally sind Berichte, wonach Washington dem Iran einen umfassenden Friedensplan übermittelt hat. Dieser soll unter anderem den Abbau des iranischen Atomprogramms, die Einstellung der Unterstützung von Stellvertretergruppen sowie die Wiedereröffnung der strategisch wichtigen Straße von Hormus umfassen. Dem israelischen Fernsehsender Channel 2 zufolge streben die USA zunächst eine einmonatige Waffenruhe an, um den Plan zu erörtern. US-Präsident Donald Trump hatte am Dienstag erklärt, die Verhandlungen machten Fortschritte.
Doch Experten mahnen zur Vorsicht. "Das aktuelle Umfeld ist ein einziges Wirrwarr aus Schlagzeilen, Gerüchten und schnellen Richtungswechseln", warnte Analyst Timo Emden von Emden Research. Ein Sprecher des iranischen Streitkräftekommandos reagierte ablehnend und erklärte, Trump verhandle offenbar mit sich selbst. Die Kampfhandlungen gingen auch heute weiter. "Für Anleger wird es zunehmend schwerer, zwischen Signal und Lärm zu unterscheiden", so Emden.
Auch an den US-Börsen sorgte die Entspannungshoffnung für Auftrieb. In der ersten Handelsstunde legte der Dow Jones Industrial um 0,7 Prozent auf 46.448 Punkte zu. Der marktbreite S&P 500 stieg um 0,8 Prozent auf 6.607 Punkte. Der technologielastige Nasdaq 100, der am Vortag besonders unter Druck gestanden hatte, erholte sich um 1,1 Prozent auf 24.268 Punkte.
Der Konflikt hat auch die Zinspolitik der Notenbanken in den Fokus gerückt. Der kriegsbedingte Ölpreisanstieg ließ die Inflationssorgen wieder aufleben und veränderte die Erwartungen an die US-Geldpolitik erheblich: Laut dem FedWatch Tool der CME Group rechnen die Märkte in diesem Jahr nun mit keiner einzigen Zinssenkung der Federal Reserve mehr – vor Ausbruch des Krieges waren noch zwei Lockerungsschritte eingepreist gewesen.
EZB-Präsidentin Christine Lagarde machte auf einer Konferenz in Frankfurt deutlich, dass die Europäische Zentralbank bei einem Überschreiten des Inflationsziels von zwei Prozent handlungsbereit sei. "Sollte der Schock zu einem zwar großen, aber nicht allzu anhaltenden Überschreiten unseres Ziels führen, könnte eine gewisse Anpassung der Geldpolitik gerechtfertigt sein", sagte Lagarde. Gleichzeitig betonte sie: "Wir werden nicht handeln, bevor wir ausreichend über Ausmaß, Dauer und Ausbreitung des Schocks informiert sind."
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Zur AktienanalyseIn der deutschen Realwirtschaft hinterlässt der Krieg bereits messbare Spuren. Der ifo-Geschäftsklimaindex fiel im März auf 86,4 Punkte, nach 88,4 Zählern im Februar – der tiefste Stand seit Februar 2025. ifo-Präsident Clemens Fuest kommentierte: "Der Krieg im Iran beendet vorerst die Hoffnung auf einen Aufschwung." Die Münchner Forscher führen den Rückgang auf deutlich pessimistischere Unternehmenserwartungen zurück.
Abseits der geopolitischen Lage rückte heute auch der Automobilsektor ins Blickfeld. Einer aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag der Targobank zufolge wollen 21 Prozent der Deutschen als nächstes ein reines Elektroauto kaufen – vier Prozentpunkte mehr als in den Vorjahren 2024 und 2025, als es jeweils 17 Prozent waren. Hybridfahrzeuge liegen unverändert bei 19 Prozent, Diesel bei 14 Prozent. Als Haupthindernisse für den Elektrokauf nennen Skeptiker weiterhin hohe Anschaffungskosten, begrenzte Reichweite, ein unzureichendes Ladesäulennetz sowie Bedenken zur Umweltbilanz bei Rohstoffgewinnung und Entsorgung.


