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Iran-Erleichterungsrally: Warum sich die Märkte diesmal anders verhalten

Die Erholung nach der Wiedereröffnung der Straße von Hormus hält nicht an – doch das Marktverhalten zeigt ungewöhnliche Muster.

Iran-Erleichterungsrally: Warum sich die Märkte diesmal anders verhalten

Die kurzlebige Erleichterungsrally an den Aktienmärkten nach der Wiedereröffnung der Straße von Hormus ist bereits wieder verpufft. Nach der Erholung am Freitag dürften die Börsen schwächer in die neue Woche starten, während die Ölpreise zumindest einen Teil ihrer Verluste wettmachen konnten. Die geopolitische Lage bleibt angespannt: Vizepräsident JD Vance reist nach Pakistan, und ob es überhaupt zu neuen Gesprächen über ein Ende des Krieges kommen wird, ist weiterhin offen.

Präsident Trump erhöht unterdessen den Druck und droht erneut mit Angriffen auf iranische Infrastruktur, sollten keine Verhandlungen stattfinden. Die Unsicherheit belastet die Stimmung an den Finanzmärkten spürbar. Anleger weltweit beobachten die Entwicklungen rund um den Iran mit großer Aufmerksamkeit.

Nasdaq verzeichnet historische Gewinnserie

Besonders auffällig ist das Verhalten des technologielastigen Nasdaq Composite Index: Am Freitag verzeichnete er seinen 13. Kursgewinn in Folge. Das ist nur eines von mehreren ungewöhnlichen Merkmalen der aktuellen Iran-Erholungsrally. Um eine vergleichbare Serie zu finden, müssen Marktbeobachter bis in die Amtszeit von George H. W. Bush zurückblicken – also Jahrzehnte in die Vergangenheit.

Die entscheidende Frage lautet jedoch: Handelt es sich dabei lediglich um eine statistische Seltenheit innerhalb bekannter Marktmuster – oder haben sich die Spielregeln grundlegend verändert? Marktexperten sind sich darüber nicht einig.

Strukturwandel seit der Covid-Pandemie

Seit dem Einbruch durch Covid-19 verhalten sich die Märkte auffällig anders als zuvor. Vor der Pandemie folgte auf eine Erholung nach einem starken Ausverkauf in der Regel ein erneutes Testen der vorherigen Tiefststände. Chris Watling, Chefmarktstratege bei Longview Economics, untersuchte Jahrzehnte zurückreichende Daten und analysierte 15 ähnliche Episoden außerhalb von Bärenmärkten. Sein Befund: In fast 80 Prozent der Fälle kam es tatsächlich zu einem solchen Rücktest.

Seit dem Jahr 2020 jedoch hat kein einziger starker Rücksetzer mehr diesem klassischen Muster entsprochen. Die Märkte scheinen sich nach heftigen Einbrüchen deutlich schneller und nachhaltiger zu erholen als in früheren Jahrzehnten. Das wirft die Frage auf, ob strukturelle Veränderungen im Marktgefüge dafür verantwortlich sind.

Eine der Theorien von Watling verweist auf die wachsende Bedeutung sogenannter „Multi-Strat Pod Shops". Dabei handelt es sich um riesige Hedgefonds, die mehrere kleinere Fonds unter einem Dach vereinen. Diese Konstrukte arbeiten mit Fremdkapital und werden von Risikomanagern streng kontrolliert. Ihr Einfluss auf das Marktgeschehen könnte dazu beitragen, dass klassische Muster wie der Rücktest von Tiefständen seltener auftreten als früher.

Für deutsche Privatanleger bedeutet das: Die bewährten Faustregeln der technischen Analyse und des Marktzyklusmodells könnten in der post-pandemischen Börsenwelt an Verlässlichkeit verloren haben. Wer auf einen klassischen Rücksetzer wartet, um günstig einzusteigen, könnte im aktuellen Umfeld leer ausgehen. Die geopolitischen Risiken rund um den Iran bleiben dabei ein zusätzlicher Unsicherheitsfaktor, der die Märkte kurzfristig weiter belasten dürfte.

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