Iran-Abkommen beflügelt Märkte: Öl fällt, Aktien steigen
Nach einer US-Iran-Einigung zur Öffnung der Straße von Hormus reagieren globale Märkte mit Kursgewinnen und fallendem Ölpreis.

Die Finanzmärkte haben am Montag im asiatischen Handel positiv auf ein Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran reagiert. Die Einigung sieht die Wiedereröffnung der Straße von Hormus sowie die Aufhebung einer US-Blockade gegen den Iran vor. US-Rohöl-Futures fielen daraufhin um mehr als 4 Prozent, während die S&P-500-Futures um rund 0,8 Prozent zulegten.
Der US-Dollar gab auf breiter Front nach. Der japanische Yen stieg auf 159,7 pro Dollar, der Euro kletterte auf 1,1616 Dollar. Anleihen legten ebenfalls zu, was auf eine wachsende Risikobereitschaft der Investoren hindeutet.
Analysten: Rahmenwerk, kein endgültiges Abkommen
Marktexperten aus aller Welt bewerten die Einigung grundsätzlich positiv, mahnen jedoch zur Vorsicht. Charu Chanana, Chief Investment Strategist bei Saxo in Singapur, betont: „Der Friedensrahmen ist das bisher deutlichste Zeichen dafür, dass sowohl Washington als auch der Iran einen Ausweg suchen – aber dies ist bisher nur ein Rahmenwerk, kein endgültiges Abkommen." Der eigentliche Test sei die geplante Unterzeichnung am Freitag, einschließlich der Details zu Sanktionen und nuklearen Zugeständnissen.
Auch die Frage, ob Israel den Aufruf von Trump zur Einstellung der Feindseligkeiten im Libanon respektiert, bleibt laut Chanana offen. Imre Speizer, Marktstratege bei Westpac in Auckland, sieht das Abkommen als „positiv für Risikoanlagen und risikobehaftete Währungen, negativ für den US-Dollar" – weist aber darauf hin, dass der Unterzeichnungstermin am Freitag in einem solchen Umfeld noch weit entfernt sei.
Ölpreise: Normalisierung dauert Monate, nicht Wochen
Mehrere Strategen warnen davor, eine schnelle Rückkehr zu niedrigen Energiepreisen zu erwarten. Nick Twidale, Chief Market Strategist bei ATFX Global in Sydney, erklärt: „Es wird sicherlich eher Monate als Wochen dauern. Ich glaube nicht, dass wir allzu schnell Öl für 70 Dollar sehen werden." Lieferketten ließen sich nicht von heute auf morgen reparieren, und die Verfügbarkeit von Öl sei nicht sofort wieder gegeben.
Kristina Clifton von der Commonwealth Bank of Australia ergänzt, dass die Energiepreise noch geraume Zeit nicht auf das Niveau von vor dem Konflikt zurückkehren werden. Auch strukturelle Schäden an Raffinerien und Logistikinfrastruktur rund um den Kanal müssten erst behoben werden, bevor der Frachtverkehr wieder normal fließen könne.
Mahjabeen Zaman, Head of FX Research bei ANZ in Sydney, weist darauf hin, dass ein Teil der positiven Marktstimmung bereits in den Kursen eingepreist sei: „Diese guten Nachrichten werden schon seit einiger Zeit erwartet, und die Märkte haben sich langsam herangetastet." Sie hält es für möglich, dass der Ölpreis aufgrund der Euphorie kurzfristig die Marke von 80 Dollar durchbricht – der Markt könnte dann jedoch realisieren, dass die Konditionen des Deals möglicherweise nicht so weitreichend sind.
Auswirkungen auf Fed und Zentralbanken
Für die US-Notenbank Federal Reserve könnte das Abkommen die geldpolitische Lage vereinfachen. Brian Jacobsen, Chief Economic Strategist bei Annex Wealth Management in Wisconsin, kommentiert: „Für die Federal Reserve dürfte dies die Arbeit erleichtern. Die Ölpreise fallen, und die Benzinpreise sollten folgen." Bei ihrer nächsten Sitzung werde die Fed wahrscheinlich die Formulierung über eine Lockerungstendenz streichen, aber zumindest werde sie keine Straffungstendenz signalisieren.
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Zur AktienanalyseIn Japan beobachten Analysten ebenfalls mögliche Auswirkungen auf die Geldpolitik. Masahito Sugawara von Daiwa Securities in Tokio erklärt, dass sinkende Ölpreise das Risiko einer sich beschleunigenden Inflation verringern könnten. Die Marktteilnehmer hätten sich auf eine restriktive Haltung der Bank of Japan (BOJ) eingestellt – die Kommentare von BOJ-Vize-Gouverneur Shinichi Uchida nach der Sitzung könnten jedoch weniger restriktiv ausfallen als erwartet, was den Yen nach der Pressekonferenz am Dienstag schwächen könnte.
Japanische Aktien: Short-Covering treibt Gewinne
Hiroyuki Ueno, Chief Strategist bei Sumitomo Mitsui Trust Asset Management in Tokio, ordnet die Kursgewinne bei japanischen Aktien differenziert ein. Die Bewertungen seien zwar nach wie vor niedrig, doch sei gegenüber dem aktuellen Niveau des Nikkei Vorsicht geboten. „Der heutige Zuwachs ist daher wahrscheinlich teilweise auf die Nachfrage nach Eindeckungen von Short-Positionen zurückzuführen", so Ueno. Langfristig positionierte Investoren würden Titel auf diesem hohen Niveau nicht einsammeln.
Chris Weston, Head of Research bei Pepperstone in Melbourne, sieht das Abkommen als glaubwürdig genug an, damit der Markt zur Tagesordnung übergehen kann. Er sieht den bevorzugten Trade in Short-Volatilität: „Das wird es ermöglichen, dass Risiko eingegangen wird." Ein weiterer Rückgang der Renditen am langen Ende der Anleihen wäre für das Aktienrisiko „sicherlich sehr willkommen".


