Irak und VAE planen 700-Millionen-Dollar-Datenkabel gegen Überlastung
WorldLink-Projekt soll Datenroute zwischen Asien und Europa verkürzen und KI-Anwendungen bedienen

Ein irakisch-emiratisches Konsortium plant den Bau eines 700 Millionen US-Dollar teuren Hochgeschwindigkeits-Datenkabelnetzes. Das Projekt namens WorldLink soll die wachsende Nachfrage nach Konnektivität im Nahen Osten bedienen und gleichzeitig überlastete Ost-West-Datenrouten entlasten. Die Bauzeit ist auf vier bis fünf Jahre angelegt.
Das Unterseekabel wird von Fudschaira in den Vereinigten Arabischen Emiraten zur irakischen Halbinsel Faw am Persischen Golf verlaufen. Von dort führt eine Landverbindung nordwärts bis zur türkischen Grenze. Ali El Ekabi, Leiter des irakischen Technologieunternehmens Tech 964 und einer der drei Konsortialpartner, bestätigte die Pläne gegenüber Reuters.
Das privat finanzierte Projekt richtet sich gezielt an "Hyperscaler, internationale Carrier und KI-Anwendungen", wie El Ekabi erklärte. Die neue Datenroute soll erheblich kürzere Transitzeiten im Vergleich zu bestehenden Verbindungen durch den Suezkanal ermöglichen. Damit positioniert sich der Irak als strategischer Knotenpunkt für den globalen Datenverkehr zwischen Asien und Europa.
Wettlauf um Datenkonnektivität am Golf
WorldLink ist das zweite große Infrastrukturprojekt dieser Art in der Region. Saudi-Arabien und Syrien kündigten am 7. Februar den Aufbau eines Glasfasernetzes als Teil eines umfassenden Investitionspakets von rund einer Billion US-Dollar an. Beide Golfstaaten wetteifern darum, Investitionen in Rechenzentren anzuziehen und sich als zentrale Datenrouten zu etablieren.
Die Golf-Nachbarn Saudi-Arabien und die VAE stehen in direkter Konkurrenz um die Vorherrschaft bei der digitalen Infrastruktur. Die wachsende Bedeutung von künstlicher Intelligenz und Cloud-Computing treibt die Nachfrage nach leistungsfähigen Datenverbindungen in die Höhe. Rechenzentren benötigen ultraschnelle Anbindungen, um globale Dienste effizient bereitstellen zu können.
Konsortium und Finanzierung
Zu den Sponsoren von WorldLink gehören neben Tech 964 auch die irakisch-kurdische DIL Technologies und die in den VAE ansässige Breeze Investments. Ali El Ekabi ist der Sohn des irakischen Immobilienmilliardärs Namir El Ekabi. Das Projekt wird vollständig aus privaten Mitteln finanziert, ohne staatliche Beteiligung.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseDer Irak versucht nach Jahrzehnten des Konflikts, sich als stabiler Transitkorridor zu vermarkten. Im Jahr 2023 startete das Land bereits die "Development Road" – einen 17 Milliarden US-Dollar schweren Schienen- und Straßenplan. Dieser soll die Halbinsel Faw mit der Türkei verbinden und den Irak als Logistikdrehscheibe etablieren.
Das WorldLink-Projekt fügt sich in diese Strategie ein und könnte dem Irak zusätzliche Einnahmen durch Transitgebühren bescheren. Ob das emiratische Außenministerium das Projekt offiziell unterstützt, blieb zunächst unklar. Anfragen von Reuters blieben unbeantwortet. Die Realisierung hängt auch von der politischen Stabilität in der Region ab.


