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Investor fordert Sparprogramm bei Gerresheimer

Active Ownership drängt auf Verkäufe und stellt Finanzvorstand infrage

Investor fordert Sparprogramm bei Gerresheimer

Der Verpackungshersteller Gerresheimer gerät zunehmend unter Druck durch den aktivistischen Investor Active Ownership Capital. Der neue Großaktionär verlangt ein umfassendes Sparprogramm sowie den Verkauf von Unternehmensteilen. Hintergrund ist der geplatzte Verkauf an Finanzinvestoren und der deutliche Verfall des Aktienkurses, der Gerresheimer in den vergangenen Monaten zugesetzt hat. AOC erklärte, man sehe bei dem Düsseldorfer Unternehmen erhebliches Wertsteigerungspotenzial und wolle Management und Aufsichtsrat konstruktiv begleiten, dieses zu heben.

Besonders kritisch äußert sich der Investor über den Finanzvorstand Bernd Metzner. Die Position des Managers müsse angesichts des Vertrauensverlusts am Kapitalmarkt auf den Prüfstand gestellt werden. Gerresheimer betonte hingegen, dass man seit Monaten mit AOC im Austausch stehe, wie auch mit anderen Investoren. Der Einstieg von AOC umfasst 5,3 Prozent der Anteile, hinzu kommen Optionen auf weitere 1,9 Prozent. Mit einem Paket im Wert von rund 80 Millionen Euro ist AOC damit der zweitgrößte Aktionär hinter der Goldman-Sachs-Tochter mit 8,9 Prozent. Auch der britische Investor Asset Value Investors hatte bereits im Juni mit einem Anteil von 3,5 Prozent seine Präsenz verdeutlicht.

Gerresheimer hatte seit Jahresbeginn mit mehreren Finanzinvestoren über eine mögliche Übernahme verhandelt. Anfangs stand ein Preis von 90 Euro je Aktie im Raum, inzwischen liegt der Kurs nur noch bei etwa der Hälfte. Am Donnerstag legte das Papier jedoch um 3,2 Prozent auf 45,52 Euro zu. Aufmerksamkeit erhielt das Unternehmen zuletzt auch durch seine Produktion von Pens, die für Medikamente zur Gewichtsreduktion wie Wegovy genutzt werden. Mitte Juli stoppte der Vorstand jedoch alle Verkaufsverhandlungen mit Investoren und kündigte stattdessen den geplanten Verkauf der Sparte Moulded Glass an, die etwa 30 Prozent des Umsatzes ausmacht. Ziel ist es, sich künftig ausschließlich auf Verpackungen für die Pharma- und Biotech-Branche zu konzentrieren.

AOC fordert nun einen schnellen Abschluss dieses Verkaufs, um die Verschuldung zu senken. Darüber hinaus seien zusätzliche Schritte nötig, darunter weitere Portfolioanpassungen sowie ein Effizienzprogramm mit Kostensenkungen in Verwaltung und Geschäftseinheiten. Laut der Beteiligungsgesellschaft könnte dadurch die Umsatzrendite um fünf Prozentpunkte verbessert werden. Aktivistische Investoren wie AOC nutzen häufig kleinere Beteiligungen, um Veränderungen bei börsennotierten Unternehmen zu erzwingen. Treffen sie auf Widerstand, suchen sie den Weg in die Öffentlichkeit, wodurch größere Fonds mitunter folgen und den Druck erhöhen.

Bekannt wurde AOC in Deutschland unter anderem durch den Einstieg beim Pharmakonzern Stada, der 2017 nach monatelangem Druck an Finanzinvestoren verkauft wurde. Hinter der Gesellschaft stehen die Manager Florian Schuhbauer und Klaus Röhrig. In Deutschland hält AOC außerdem Beteiligungen am Lebensmittel-Versender HelloFresh sowie am Personalvermittler Amadeus Fire.

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