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Invesco bleibt optimistisch für indische Staatsanleihen trotz Zinserhöhungssorgen

Der Vermögensverwalter Invesco hält Zinserhöhungserwartungen der indischen Zentralbank für übertrieben und sieht Chancen bei mittleren Laufzeiten.

Invesco bleibt optimistisch für indische Staatsanleihen trotz Zinserhöhungssorgen

Invesco, einer der weltweit größten Vermögensverwalter mit einem verwalteten Vermögen von 2,1 Billionen US-Dollar, hält es für verfrüht, Zinserhöhungen der Reserve Bank of India (RBI) zu erwarten. Dies erklärte Norbert Ling, Leiter des Portfoliomanagements für festverzinsliche Wertpapiere im asiatisch-pazifischen Raum, in einem Interview. Trotz der durch den Krieg im Nahen Osten ausgelösten Marktturbulenzen sieht Invesco attraktive Einstiegsmöglichkeiten bei indischen Staatsanleihen.

Ling betonte, dass insbesondere das Segment der drei- bis siebenjährigen indischen Staatsanleihen auf der Renditekurve attraktiv bewertet sei. „Der ‚Bauch' wird zinssensitiver sein", sagte Ling mit Blick auf den mittleren Bereich der Renditekurve. Der Inflationsdruck werde wahrscheinlich nicht anhalten, und die Märkte könnten hinsichtlich des Ausmaßes möglicher Zinserhöhungen zu pessimistisch sein – was eine Gelegenheit biete, gegen den Ausverkauf zu setzen.

Renditen gestiegen – Invesco sieht Kaufgelegenheit

Die Renditen indischer Staatsanleihen sind seit Beginn des US-israelischen Krieges mit dem Iran am 28. Februar deutlich gestiegen. Die Rendite dreijähriger indischer Anleihen lag zuletzt bei 6,28 Prozent, während fünf- und siebenjährige Anleihen Renditen von 6,69 Prozent beziehungsweise 6,93 Prozent aufwiesen. In allen drei Laufzeiten stiegen die Renditen im genannten Zeitraum um 36 bis 41 Basispunkte.

Parallel dazu verteuerte sich Rohöl um rund 50 Prozent, was Sorgen über Inflationsrisiken in Indien schürte. Indien importiert den Großteil seines Ölbedarfs und ist damit besonders anfällig für steigende Energiepreise. Händler spekulieren seither, dass ein starker Anstieg der Inflation die indische Zentralbank zu Zinserhöhungen zwingen könnte – obwohl der Fokus noch vor wenigen Monaten aufgrund moderater lokaler Preisbedingungen eher auf möglichen Zinssenkungen lag.

Laut Ling hänge der geldpolitische Ausblick vom Ausmaß der Inflationsweitergabe durch höhere Kraftstoffpreise, der weiteren Entwicklung des Rohölpreises sowie potenziellen fiskalischen Reaktionen ab. All diese Faktoren machten es noch zu früh, auf Zinserhöhungen zu wetten. Invesco zeigt sich zudem konstruktiv gestimmt gegenüber den jüngsten Maßnahmen der RBI zur Stützung der indischen Rupie.

Ausländische Investoren als Nettoverkäufer – aber kein struktureller Rückzug

Ausländische Investoren haben seit Beginn des Konflikts indische Staatsanleihen im Wert von 160 Milliarden Rupien (rund 1,70 Milliarden US-Dollar) abgestoßen und sind damit als große Nettoverkäufer aufgetreten. Invesco bewertet diesen Abfluss jedoch gelassen. „Der Abfluss ist eher eine taktische Umschichtung und kein struktureller Rückzug von den Rentenmärkten, da die ausländischen Investoren vor dem Krieg positiv gestimmt waren", erklärte Ling.

Die geldpolitischen Maßnahmen der RBI zur Eindämmung von Spekulationen hätten das Vertrauen gestärkt, indem sie signalisierten, dass Währungsstabilität weiterhin hohe Priorität genieße, so Ling weiter. Indiens Onshore-Rentenmarkt bleibe für ausländische Investoren auf der Suche nach Investment-Grade-Krediten bedeutsam, da er Renditen von rund 7 Prozent mit einem robusten Wachstumshintergrund kombiniere.

Für deutsche Privatanleger, die in Schwellenländeranleihen investieren, liefert die Einschätzung von Invesco einen wichtigen Orientierungspunkt: Der weltgrößte Vermögensverwalter sieht die aktuellen Marktreaktionen als übertrieben an und nutzt den Ausverkauf als Einstiegsgelegenheit – ein Signal, das auch hierzulande aufmerksam verfolgt werden dürfte.

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