Intel verdoppelt Gewinnerwartungen – Analysten bleiben gespalten
Starke Q2-Zahlen treiben Intel-Aktie an, doch Wall-Street-Analysten sind sich über die weitere Entwicklung uneinig.

Intel hat im zweiten Quartal 2026 die Erwartungen der Analysten deutlich übertroffen. Der Chiphersteller erzielte auf Non-GAAP-Basis einen Gewinn von 42 Cent pro Aktie – exakt doppelt so viel wie die von LSEG-Analysten prognostizierten 21 Cent. Der Umsatz stieg um 25% gegenüber dem Vorjahr auf 16,1 Milliarden US-Dollar und übertraf damit die Konsensschätzung von 14,42 Milliarden Dollar deutlich.
Die Märkte reagierten positiv: Im nachbörslichen Handel legte die Intel-Aktie um rund 4% zu, im vorbörslichen Handel am Freitag notierte sie noch etwa 3% im Plus. Damit setzt Intel seinen beeindruckenden Lauf fort – die Aktie ist im Jahr 2026 bereits um 172% gestiegen.
Starke CPU-Nachfrage und Foundry-Ambitionen als Treiber
Hinter dem Aufschwung stecken zwei wesentliche Faktoren. Zum einen profitiert Intel von der wachsenden Nachfrage nach Zentraleinheiten (CPUs), die durch den KI-Boom angetrieben wird. Zum anderen treibt CEO Lip-Bu Tan, der seit März 2025 an der Spitze des Unternehmens steht, den Ausbau des Foundry-Geschäfts voran. Ziel ist es, externe Kunden zu gewinnen, die Intels fortschrittliche Halbleiterfertigung und Packaging-Anlagen nutzen möchten.
Besonders hervorzuheben ist der Fortschritt bei den Fertigungsknoten: Intel bestätigte, dass der Ausstoß beim 18A-Node rund 25% über dem Zielwert liegt – eine Steigerung von mehr als 50% gegenüber dem Vorquartal. Auch die Produktion der 14A- und 18A-Nodes soll weiter vorangetrieben werden. Im Datencenter-Segment wuchs der Umsatz im Jahresvergleich um beeindruckende 59% – laut Bank of America Intels stärkste Wachstumsrate der vergangenen 15 Jahre.
Analysten uneins: Von „Underweight" bis „Buy"
Trotz der starken Zahlen zeigen sich die Analysten an der Wall Street gespalten. Wells Fargo behält sein „Equal Weight"-Rating bei, hob aber das Kursziel von 110 auf 120 US-Dollar an. Analyst Aaron Rakers begründet die verhaltene Einstufung mit drei Punkten: fehlende Gewissheit über die Technologieführerschaft in der Fertigung, Unsicherheit beim Erholungspfad der Bruttomarge – eine nachhaltige Bruttomarge von über 50% gilt als Schlüsselziel – sowie zunehmendem Wettbewerb durch AMD und Arm-basierte CPUs.
Goldman Sachs stuft die Aktie mit „Neutral" und einem Kursziel von 150 US-Dollar ein, was einem Aufwärtspotenzial von 46% gegenüber dem Schlusskurs vom Donnerstag entspricht. Analyst James Schneider sieht zwar Chancen durch steigende Server-Nachfrage und Intels Rolle als US-Fertigungschampion, bevorzugt jedoch Wettbewerber wie AMD, Nvidia und Broadcom aufgrund deren höherer Umsatzvisibilität.
Am pessimistischsten zeigt sich JPMorgan: Analyst Harlan Sur bewertet Intel weiterhin mit „Underweight" und setzt das Kursziel auf 85 US-Dollar – rund 17% unter dem Schlusskurs vom Donnerstag. Sur hebt zwar seine Prognosen an und verlängert den Zeithorizont für das Kursziel auf Dezember 2027, bleibt aber skeptisch, solange der Nachweis für externe Foundry-Kunden aussteht.
Bank of America und Bernstein mit positivem Ausblick
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Zur AktienanalyseDie optimistischste Einschätzung kommt von Bank of America. Analyst Vivek Arya bekräftigt seine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 160 US-Dollar – ein Aufwärtspotenzial von 60%. Er sieht zwei tragende Säulen: die zunehmend konkreten Gespräche mit externen Foundry-Kunden sowie die starke Beteiligung am agentischen KI-Zyklus im Server-Segment. Arya verweist zudem auf Intels in den USA ansässige Spitzenkapazitäten und die Unterstützung durch das Weiße Haus als langfristige Wettbewerbsvorteile.
Bernstein-Analyst Stacy Rasgon hält sein Kursziel bei 110 US-Dollar und bewertet die Aktie mit „Market-Perform". Er räumt ein, ein besseres Gefühl gegenüber Intel zu haben als seit Langem, warnt jedoch vor einer möglichen Bereinigung im PC-Markt und offenen Fragen rund um steigende Investitionsausgaben sowie eine potenzielle Kapitalerhöhung. Letztere hatte die Aktie während der Telefonkonferenz einen Teil ihrer nachbörslichen Gewinne wieder kosten lassen.
Insgesamt zeigt sich: Intel hat mit seinen Q2-Zahlen eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass die Trendwende unter CEO Lip-Bu Tan Fahrt aufnimmt. Ob die Kursrally der vergangenen Monate nachhaltig ist, bleibt jedoch unter Experten umstritten – die Bandbreite der Kursziele von 85 bis 160 US-Dollar spiegelt die hohe Unsicherheit wider, die den Chiphersteller weiterhin begleitet.


