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Insider sollen 100 Millionen Dollar mit China-Broker-Wetten verdient haben

Susquehanna International Group klagt gegen unbekannte Händler, die Vorabwissen über chinesische Regulierungsmaßnahmen ausgenutzt haben sollen.

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Insider sollen 100 Millionen Dollar mit China-Broker-Wetten verdient haben

Mysteriöse Händler sollen mit gezielten Optionsgeschäften mehr als 100 Millionen US-Dollar Gewinn erzielt haben – und das auf Basis von Insiderwissen über ein behördliches Vorgehen in China. Das behauptet die Susquehanna International Group, eines der weltweit größten elektronischen Handelsunternehmen, in einer Klage, die am Montag bei einem Bundesgericht in New York eingereicht wurde.

Zwei Einheiten von Susquehanna nennen in der Klage bis zu 100 unbekannte Personen, sogenannte „John Does", als Beklagte. Das Unternehmen gibt an, selbst hohe Verluste erlitten zu haben, da es auf der falschen Seite der Transaktionen stand. Ziel der Klage ist es, die Identität der Händler aufzudecken und die beteiligten Handelsplattformen zur Sperrung der entsprechenden Konten zu zwingen.

Der Auslöser: Chinas Vorgehen gegen Online-Broker

Im Mittelpunkt des Falls stehen zwei an der Nasdaq notierte Unternehmen: Futu Holdings (Ticker: FUTU) und UP Fintech (Ticker: TIGR), die Muttergesellschaft von Tiger Brokers. Beide sind Online-Broker, die vor allem in Hongkong und anderen asiatischen Märkten weit verbreitet sind. Am 22. Mai erklärte die chinesische Wertpapieraufsichtsbehörde, dass die beiden Unternehmen Kunden auf dem chinesischen Festland ohne die erforderlichen Lizenzen bedient hätten. Diese Ankündigung löste einen starken Kurseinbruch der Aktien beider Unternehmen aus.

Genau dieser Kursrückgang war offenbar das Ziel der verdächtigen Händler. Laut Susquehanna kauften die unbekannten Akteure im Vorfeld der Behördenankündigung große Mengen an bärischen Put-Optionen auf die Aktien von Futu und UP Fintech. Put-Optionen sind Finanzinstrumente, die ihren Wert steigern, wenn der Kurs des zugrunde liegenden Wertpapiers fällt – eine klassische Wette auf sinkende Kurse.

Timing und Präzision als Indiz für Insiderhandel

Susquehanna argumentiert, dass der Zeitpunkt und die Art der Optionswetten stark darauf hindeuten, dass die unbekannten Händler vorab über die bevorstehenden Regulierungsmaßnahmen informiert waren. Nur so lasse sich die punktgenaue Platzierung der Geschäfte erklären, die letztlich Gewinne von über 100 Millionen Dollar einbrachten.

Insiderhandel – also das Ausnutzen nicht-öffentlicher, kursrelevanter Informationen für Börsengeschäfte – ist in den USA ebenso wie in Deutschland und der EU streng verboten. Für deutsche Anleger ist der Fall besonders relevant, da er zeigt, wie regulatorische Entscheidungen in China unmittelbare Auswirkungen auf an US-Börsen notierte Aktien haben können. Futu und UP Fintech sind zwar primär in Asien aktiv, ihre Aktien sind jedoch über die Nasdaq auch für internationale Investoren zugänglich.

Der Fall wirft grundlegende Fragen über die Transparenz und Integrität der Märkte auf, insbesondere im Zusammenhang mit chinesischen Regulierungsentscheidungen, die oft kurzfristig und ohne Vorwarnung getroffen werden. Susquehanna versucht nun über den US-Rechtsweg, Licht in die Angelegenheit zu bringen und die verantwortlichen Akteure zur Rechenschaft zu ziehen.

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