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Innovationschampions 2026: Lenze und Uzin Utz führen Mittelstands-Ranking an

Das WirtschaftsWoche-Ranking kürt die innovativsten Mittelständler Deutschlands – mit klarem Fokus auf echten Kundennutzen statt Technologie um ihrer selbst willen.

Innovationschampions 2026: Lenze und Uzin Utz führen Mittelstands-Ranking an

Der Antriebstechnikhersteller Lenze aus dem niedersächsischen Aerzen hat das diesjährige WirtschaftsWoche-Ranking der Innovationschampions 2026 gewonnen. Die Beratungsgesellschaft Munich Strategy analysierte für die 16. Auflage der Rangliste Produkte, Dienstleistungen und Entwicklungskraft von insgesamt 4.000 Unternehmen. Auf Platz zwei landete der Ulmer Bauchemiehersteller Uzin Utz – ein börsennotierter Hidden Champion mit rund einer halben Milliarde Euro Umsatz.

Munich-Strategy-Chef Sebastian Theopold warnt angesichts der aktuellen Lage im deutschen Maschinenbau vor falschen Sparmaßnahmen: „Wer Forschung und Entwicklung zusammenstreicht, wird die Folgen in fünf Jahren spüren, weil er dann technisch und im Wettbewerb den Anschluss verliert." Maschinenbauer hätten Krisen bisher kaum gekannt und müssten Gegenmaßnahmen nun erstmals entwickeln und anwenden.

Lenze: Innovation trotz Umsatzeinbruch

Lenze-CEO Marc Wucherer übernahm das Unternehmen Anfang 2025 in einer schwierigen Phase. Der Umsatz brach im Geschäftsjahr 2024/25 um 18 Prozent auf 678 Millionen Euro ein, das Unternehmen schrieb rote Zahlen. Ursache war ein klassischer Lagerabbau-Effekt: Kunden hatten während der Corona-Lieferengpässe ihre Vorräte massiv aufgestockt und bestellten nach der Normalisierung zunächst keinen Nachschub. „Aber aus dem Gröbsten sind wir nun raus", sagt Wucherer.

Das Unternehmen reagierte mit einschneidenden Maßnahmen: Zwei Vorstandsmitglieder schieden aus, rund 400 Stellen wurden abgebaut. Die verbleibende Belegschaft umfasst noch 3.200 Mitarbeitende, davon 1.800 in Deutschland. Kurzarbeit und Gehaltsverzicht – auch Wucherer selbst verzichtete auf 15 Prozent seines Gehalts – dauern bis Jahresende an. Besonders hebt der CEO die konstruktive Zusammenarbeit mit den Betriebsräten hervor: „Die haben pragmatisch mit an diesem Strang gezogen, um das Unternehmen neu aufzustellen."

Trotz der Sparmaßnahmen hielt Lenze die Forschungs- und Entwicklungsausgaben bei 8,5 Prozent des Umsatzes – und plant, diese Quote im laufenden Geschäftsjahr 2025/26 sogar auf knapp zehn Prozent zu erhöhen. Wucherers Credo dabei: „Wir brauchen keine Innovationen um ihrer selbst willen, an denen sich Technikfans begeistern, sondern die Kunden echten Nutzen bringen und ihre Probleme lösen."

Sichtbares Ergebnis dieser Philosophie ist der Motor Driven Roller o450: ein getriebeloser Motor, der unsichtbar in eine Förderrolle integriert ist und sich einfach herausnehmen und warten lässt. Externe Motoren unter Transportanlagen werden damit überflüssig. Lenze verspricht leiseren Betrieb, besseren Materialfluss sowie schnellere Beschleunigungs- und Bremsvorgänge für Logistikzentren und Lagerhallen. Ergänzt wird das Portfolio durch den Servo-Umrichter i950 DC-Link, der mehrere Antriebe über ein gemeinsames Energiesystem verbindet und so Kabel, Platz, Zeit und Kosten spart.

Langfristig verfolgt Lenze das Transformationsprojekt P85: Zum 85-jährigen Bestehen im Jahr 2032 soll das Unternehmen effizienter aufgestellt sein und für das perfekte Zusammenspiel von Mechatronik, Elektronik, Software, KI und Services stehen. Auch Zukäufe zieht Wucherer in Betracht. Seit 2025 sind zudem zwei Mitglieder der Eigentümerfamilie Belling wieder im Unternehmen aktiv – nach 20 Jahren Abwesenheit aus dem Management.

Uzin Utz: Vom Bodenkleber zum Roboterhersteller

Der Zweitplatzierte Uzin Utz aus Ulm zeigt, wie ein Mittelständler durch konsequente Kundenorientierung in völlig neue Technologiefelder vordringen kann. Das börsennotierte Unternehmen wuchs 2025 mit rund einer halben Milliarde Euro Umsatz und 1.500 Beschäftigten um etwa acht Prozent – stärker als die Branche. Bislang bekannt für Kleber, Chemikalien und Pflegeprodukte für Böden, entwickelt Uzin Utz nun einen autonomen Schleifroboter für Parkettböden.

Das Gerät erinnert optisch an einen miniaturisierten Zamboni – das Reinigungsfahrzeug aus Eishockeystadien. Per Tablet markiert der Anwender den Arbeitsbereich, dann schleift der Roboter nahezu selbstständig über das Parkett. Radare sorgen für Orientierung, der Roboter ist modular zerlegbar, damit Handwerker ihn auch über Treppenhäuser transportieren können. Aktuell läuft die Testphase in Schulen und Sporthallen, die Markteinführung ist für das kommende Jahr geplant.

Die Führung liegt in den Händen von Drillingen: Philipp Utz verantwortet den Vertrieb, Julian die Produktion und Entwicklung, Schwester Amelie Klußmann sitzt im Aufsichtsrat. Die vierte Generation übernahm 2018 die Leitung. „Innovation beginnt mit dem Kundenbedürfnis", betont Julian Utz. Das größte Problem im Bau sei fehlendes Personal und geringe Produktivität – genau hier setzt der gemeinsam mit einem Berliner Tech-Start-up entwickelte Roboter an.

Sieben Marken, ein Systemgedanke

Uzin Utz verfolgt seit rund 30 Jahren einen Systemansatz: Das Unternehmen will alles liefern, was Handwerker, Großhändler und die Bodenverlegeindustrie benötigen. Dazu gründete es eigene Untermarken mit spezialisierten Teams – darunter den Spezialwerkzeuganbieter Wolff (2000), den Parkettkomplettanbieter Pallmann (2001) sowie Ableger für Kunstharzlösungen und Industriemaschinen. Insgesamt sieben Marken repräsentieren heute das Sortiment.

Für Forschung und Entwicklung gibt Uzin Utz jährlich rund 15 Millionen Euro aus – das entspricht drei Prozent des Umsatzes. Dem Schleifroboter gingen nach Angaben der Brüder „mindestens fünf Prototypen voraus, die durchs Raster gefallen waren". Mit dem Programm „Grow Bigger" wollen die Geschwister nun mehr Marktanteile in Europa und den USA gewinnen, neue Zielgruppen erschließen und die Technologievarianz ausbauen. „Die Anbieter von Baumaterialien konsolidieren sich. Wir müssen wachsen, damit wir den Anschluss an größere Player nicht verlieren", erklärt Philipp Utz.

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