Ingenico startet Schuldenverhandlungen wegen untragbarer Zinslast
Der von Apollo Global Management unterstützte Zahlungsdienstleister kämpft mit der Bedienung seiner Schulden und sucht nun das Gespräch mit Gläubigern.

Der französische Zahlungsdienstleister Ingenico, der vom US-amerikanischen Private-Equity-Riesen Apollo Global Management unterstützt wird, hat formelle Schuldenverhandlungen mit seinen Gläubigern aufgenommen. Hintergrund ist die Schwierigkeit des Unternehmens, seine laufende Zinslast zu bedienen. Dies berichteten mit der Angelegenheit vertraute Personen, die aufgrund der Vertraulichkeit der Gespräche anonym bleiben wollten.
Ingenico arbeitet dabei mit dem renommierten Finanzberater Rothschild zusammen, um die Verhandlungen zu begleiten. Rothschild gilt als einer der erfahrensten Berater bei komplexen Restrukturierungsprozessen in Europa und ist in solchen Situationen eine häufig gewählte Adresse für Unternehmen in finanziellen Schwierigkeiten.
Gläubiger mit hochkarätiger Beratung
Im Mittelpunkt der Verhandlungen stehen die Inhaber von befristeten Darlehen im Wert von 1,1 Milliarden Euro (rund 1,3 Milliarden US-Dollar). Angeführt wird diese Gläubigergruppe von der Pacific Investment Management Co. (PIMCO), einem der weltweit größten Anleiheinvestoren. Die Kreditgeber haben sich ihrerseits professionell aufgestellt: Sie werden von der Investmentbank Houlihan Lokey sowie der internationalen Anwaltskanzlei Gibson Dunn beraten.
Die Tatsache, dass beide Seiten – sowohl Ingenico als auch die Gläubiger – spezialisierte Berater mandatiert haben, deutet auf eine ernsthafte und strukturierte Verhandlungssituation hin. Solche Konstellationen sind typisch für Restrukturierungsverfahren, bei denen es um eine grundlegende Neuordnung der Schuldenstruktur geht.
Hintergrund: Ingenico und Apollo
Ingenico ist ein weltweit bekannter Anbieter von Zahlungsterminals und Zahlungsinfrastruktur. Das Unternehmen mit französischen Wurzeln ist in zahlreichen Ländern aktiv und stellt die Hardware und Software bereit, die an Millionen von Kassensystemen und Point-of-Sale-Terminals zum Einsatz kommt. Apollo Global Management, einer der größten alternativen Vermögensverwalter der Welt mit Sitz in New York, hält eine bedeutende Beteiligung an dem Unternehmen.
Private-Equity-Beteiligungen wie jene von Apollo sind häufig mit einem erheblichen Fremdkapitaleinsatz verbunden – dem sogenannten Leveraged Buyout. Dabei wird ein Großteil des Kaufpreises durch Kredite finanziert, die das übernommene Unternehmen selbst zurückzahlen muss. Steigen die Zinsen oder entwickelt sich das operative Geschäft schwächer als erwartet, kann die Schuldenlast schnell untragbar werden.
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Zur AktienanalyseGenau diese Situation scheint bei Ingenico eingetreten zu sein. Das Unternehmen beschreibt seine Zinslast offenbar selbst als „untragbar" – ein deutliches Signal, dass ohne eine Einigung mit den Gläubigern eine nachhaltige Fortführung des Geschäftsbetriebs gefährdet sein könnte.
Für deutsche Anleger und Marktteilnehmer ist der Fall Ingenico ein weiteres Beispiel dafür, wie das gestiegene Zinsniveau der vergangenen Jahre stark fremdfinanzierte Unternehmen unter Druck setzt. Zahlreiche durch Private Equity gehaltene Firmen stehen europaweit vor ähnlichen Herausforderungen bei der Refinanzierung ihrer Schulden.


