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ING kämpft mit sinkenden Gewinnen durch Zinssenkungen

Bank will Abhängigkeit vom Privatkundengeschäft mit Firmenkundenstrategie reduzieren

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ING kämpft mit sinkenden Gewinnen durch Zinssenkungen

Die niederländische Direktbank ING verzeichnete im ersten Halbjahr 2024 einen deutlichen Rückgang ihres Gewinns. Andrew Bester, Vorstandsmitglied und verantwortlich für das Geschäft mit Firmenkunden, erklärte, dass die Zinssenkungen das laufende Jahr zu einer größeren Herausforderung machen. In den letzten 1,5 Jahren profitierte die Bank stark von der Zinswende, was ihr im vergangenen Jahr in Deutschland zu einem Rekordgewinn verhalf. Auch der Mutterkonzern in Amsterdam konnte im selben Zeitraum sein Ergebnis fast verdoppeln. Doch nun sind die Auswirkungen der Zinssenkungen sowohl auf Gruppenebene als auch in Deutschland spürbar.

Im ersten Halbjahr 2024 sank der Gewinn der ING insgesamt um zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Besonders betroffen war die Deutschlandtochter, deren Vorsteuergewinn um fast 16 Prozent zurückging. Der Druck, der durch die veränderte Zinspolitik entstanden ist, macht es der Bank schwerer, profitabel zu bleiben. Aktuell erhalten Geschäftsbanken für Einlagen bei der Europäischen Zentralbank (EZB) 3,25 Prozent Zinsen, während dieser Wert noch bis Juni bei vier Prozent lag.

Ein wesentlicher Teil der Einnahmen der ING stammt nach wie vor aus dem Privatkundengeschäft. Im zweiten Quartal 2024 machten diese Einnahmen rund zwei Drittel des Gesamtgewinns aus, in Deutschland lag der Anteil bei 86 Prozent des Vorsteuergewinns. Um weniger abhängig von diesem Geschäftsfeld zu werden, hat die Bank bereits damit begonnen, ihr Angebot im Bereich Wholesale Banking auszubauen. Dabei richtet sie sich vor allem an große, international tätige Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 250 Millionen Euro.

Laut Bester sieht die ING große Chancen, als Partner für internationale Unternehmen zu agieren, die nach Europa expandieren wollen. Vor allem Unternehmen aus den USA und Asien, die ihre Wertschöpfungsketten aufgrund geopolitischer Herausforderungen anpassen, könnten von den Beratungsdienstleistungen der ING profitieren. Im vergangenen Jahr betreute die Bank weltweit rund 650 Unternehmenskunden, davon 265 in Deutschland. Firmenkundenvorstand Eddy Henning sieht in Deutschland weiteres Wachstumspotenzial, vor allem in den Bereichen Zahlungsverkehr und Kapitalmarktgeschäfte.

Um den Kundenkontakt zu intensivieren und die Zusammenarbeit zu verbessern, plant die ING Deutschland, in den nächsten ein bis zwei Jahren etwa 15 Senior-Banker einzustellen. Insgesamt beschäftigte die Bank Ende 2023 394 Banker im Firmenkundengeschäft. Trotz des schwierigen Umfelds, geprägt durch Inflation, Zinspolitik und geopolitische Unsicherheiten, gibt es auch positive Entwicklungen. Laut Bester haben sich die Sorgen vieler Unternehmen bezüglich ihrer Lieferketten verringert, da die Produktion nun näher an den Heimatmärkten stattfindet, was zu einer höheren Resilienz führt.

INGBankensektorFinanzenGewinneinbruch

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