Infosys von JPMorgan und HSBC nach Gewinnwarnung herabgestuft
Enttäuschende Q1-Zahlen, gesenkter Wachstumsausblick und ein CEO-Wechsel belasten den indischen IT-Riesen Infosys.

Infosys steht nach schwachen Erstquartalsergebnissen unter erheblichem Analystendrück. Gleich zwei renommierte Investmentbanken – JPMorgan und HSBC – haben den indischen IT-Dienstleister herabgestuft und ihre Kursziele deutlich gesenkt. Ausschlaggebend waren eine erneut gesenkte Wachstumsprognose sowie ein angekündigter Führungswechsel an der Unternehmensspitze.
JPMorgan stufte Infosys von „Overweight" auf „Neutral" herab und kürzte das Kursziel von 1.200 auf 1.050 Indische Rupien. HSBC reduzierte die Einstufung von „Buy" auf „Hold" und senkte das Kursziel von 1.340 auf 1.110 Indische Rupien. Beide Häuser begründeten ihre Entscheidung damit, dass sich die kurzfristigen Wachstumsaussichten des Unternehmens trotz einer vergleichsweise günstigen Bewertung spürbar verschlechtert hätten.
Wachstumsprognose erneut gesenkt
Besonders alarmierend für Investoren: Das Management von Infosys senkte die Prognose für das währungsbereinigte Umsatzwachstum im Geschäftsjahr 2027 bereits zum zweiten Mal in Folge – von bisher 1,5 % bis 3,5 % auf nun 1,5 % bis 3,0 %. Der Ausblick für das organische Wachstum wurde sogar auf -0,2 % bis 1,3 % zurückgenommen. JPMorgan bezeichnete die Kürzung als deutlicher als erwartet und geht davon aus, dass Infosys in diesem Jahr beim Wachstum hinter wichtigen Wettbewerbern zurückbleiben wird.
HSBC warnte darüber hinaus, dass die revidierte Prognose möglicherweise noch nicht konservativ genug sei. Das Management selbst habe signalisiert, dass sich die Schwäche bis in das zweite Quartal hineinziehen könnte – ein Signal, das Anleger aufhorchen lassen sollte.
Als konkrete Belastungsfaktoren nannten beide Brokerhäuser eine schwächere Nachfrage, eine KI-bedingte Preisdeflation sowie vertragsbedingten Gegenwind. Dazu zählen eine Kündigung im Segment Energie, Versorgungsunternehmen, Ressourcen und Dienstleistungen sowie ein reduziertes Auftragsvolumen eines Kunden aus dem Fertigungssektor. Hinzu kommt eine langsamere Umsatzumwandlung aus bereits abgeschlossenen Großaufträgen.
Margen stabil – Großaufträge weiterhin robust
Trotz der trüben Wachstumsperspektiven zeigt Infosys in einigen Bereichen Stärke. Die operativen Margen erwiesen sich als widerstandsfähig, und das Unternehmen bestätigte seine EBIT-Margenprognose für das Geschäftsjahr 2027 von 20 % bis 22 %. Auch beim Neugeschäft lieferte Infosys solide Zahlen: Der Gesamtauftragswert bei Großprojekten belief sich im ersten Quartal auf 3,6 Milliarden US-Dollar – ein Zeichen, dass die grundsätzliche Nachfrage nach den Dienstleistungen des Unternehmens trotz verzögerter Umsatzrealisierung intakt bleibt.
Laut JPMorgan blieb der Abschluss von Großaufträgen weiterhin robust, wenngleich die Wachstumsdynamik insgesamt durch die genannten Faktoren beeinträchtigt wurde. Das Umsatzwachstum im ersten Quartal blieb hinter den Erwartungen zurück – ein Befund, den beide Analysehäuser übereinstimmend feststellten.
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Zur AktienanalyseCEO-Wechsel ab April 2027
Zusätzlich zur schwachen Geschäftsentwicklung gab Infosys einen Führungswechsel bekannt. Ashiss Kumar Dash, derzeit Leiter des Bereichs Energie, Versorgungsunternehmen, Ressourcen und Dienstleistungen, wird im April 2027 die Nachfolge von Salil Parekh als Chief Executive Officer antreten. Sowohl JPMorgan als auch HSBC werteten die Ernennung eines internen Kandidaten grundsätzlich als positiv für einen reibungslosen Übergang. JPMorgan warnte jedoch, dass die Fluktuation in der Führungsebene kurzfristig anhalten könnte – ein weiterer Unsicherheitsfaktor für Investoren.
Für deutsche Anleger, die in indische IT-Werte investiert sind oder dies erwägen, verdeutlicht der Fall Infosys die aktuellen Herausforderungen der Branche: KI-getriebener Preisdruck, volatile Kundennachfrage und strukturelle Veränderungen im globalen IT-Outsourcing-Markt machen eine sorgfältige Einzeltitelauswahl unerlässlich.


