Infineon wird Schlüsselzulieferer für KI-Rechenzentren
Stromversorgungs-Chips treiben Wachstum des Münchner Halbleiterkonzerns bis 2030

Der Münchner Halbleiterkonzern Infineon hat sich im Umfeld des globalen KI-Booms eine starke Position in einem bislang wenig beachteten Segment erarbeitet. Während Europa bei Hochleistungsprozessoren für Künstliche Intelligenz gegenüber US-Konzernen wie Nvidia oder AMD kaum mithalten kann, profitiert Infineon vor allem von der stark steigenden Nachfrage nach Chips für die Stromversorgung von Rechenzentren. Diese Komponenten sind unverzichtbar, da der Betrieb von KI-Servern enorme und zugleich hochstabile Energiemengen erfordert.
Das abgelaufene Geschäftsjahr war für Infineon insgesamt herausfordernd. Der Umsatz ging leicht auf knapp 14,7 Milliarden Euro zurück, der Gewinn nach Steuern sank deutlicher. Belastend wirkten vor allem die schwache Automobilindustrie sowie ein rückläufiges Geschäft mit erneuerbaren Energien. Parallel dazu entwickelte sich jedoch ein Bereich ausgesprochen dynamisch: Chips für die Energieversorgung von KI-Servern erzielten 2025 einen Umsatz von rund 700 Millionen Euro und damit etwa das Dreifache des Vorjahreswerts.
Für das Geschäftsjahr 2026 erwartet Infineon in diesem Segment eine weitere Verdopplung auf rund 1,5 Milliarden Euro. Diese Entwicklung ist das Ergebnis langfristiger Investitionen. Seit zwei Jahrzehnten baut der Konzern seine Kompetenz bei sogenannten Leistungshalbleitern aus. Diese regeln, schalten und wandeln elektrische Energie in Servern und Industrieanlagen effizient und zuverlässig und sind damit ein zentraler Baustein moderner Rechenzentren.
Technologisch setzt Infineon dabei auf kontinuierliche Verbesserungen. Eine neue Generation extrem dünner Siliziumwafer reduziert den elektrischen Widerstand deutlich und senkt den Energieverlust in Rechenzentren spürbar. Ergänzt wird das Angebot durch Bauteile aus Siliziumkarbid und Galliumnitrid, die vor allem bei hohen Temperaturen und Spannungen Vorteile bieten. Kunden können je nach Anwendung zwischen den Materialien wählen.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseStrategisch positioniert sich Infineon als Anbieter, der die gesamte Wertschöpfungskette der Energieversorgung abdeckt – von der Einspeisung ins Netz bis zum einzelnen Server. Der Konzern schätzt den adressierbaren Markt bis zum Ende des Jahrzehnts auf acht bis zwölf Milliarden Euro und strebt an, einen Marktanteil von 30 bis 40 Prozent zu halten. Analysten sehen darin einen wichtigen Wachstumstreiber bis 2030, der Schwächen in anderen Geschäftsbereichen ausgleichen kann.

