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Infineon eröffnet Fab 4 in Dresden und setzt auf KI-Boom

Mit fünf Milliarden Euro Investition und Nvidia-Partnerschaft will Infineon zum globalen KI-Chip-Marktführer aufsteigen.

Infineon eröffnet Fab 4 in Dresden und setzt auf KI-Boom

Drei Fußballfelder groß, sauberer als ein Operationssaal und die größte Einzelinvestition in der Geschichte von Infineon: Die neue Fab 4 in Dresden steht kurz vor der Eröffnung. Konzernchef Jochen Hanebeck empfängt Bundeskanzler Friedrich Merz und Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer zur feierlichen Einweihung. Die Botschaft dahinter ist klar: Deutschland kann Hightech.

Rund 5 Milliarden Euro hat der Münchener Halbleiterkonzern in das neue Werk investiert – die größte Einzelinvestition seit der Abspaltung von Siemens im Jahr 1999. Mit der Fab 4 verdoppelt Infineon seine Produktionskapazität in Dresden. Nina Turner, Research-Direktorin für Halbleiter beim US-Marktforschungshaus IDC, erwartet, „dass die neue Fab Infineons Position als führender europäischer Anbieter von Leistungshalbleitern in den Bereichen Elektroautos, erneuerbare Energien und Rechenzentren deutlich stärken wird."

Bemerkenswert ist auch das Bautempo: Vom Spatenstich im Mai 2023 bis zur Eröffnung im Juli 2026 vergingen gerade einmal drei Jahre – und das drei Monate früher als geplant. Für deutsche Verhältnisse ist das ein außergewöhnliches Tempo.

KI-Chips als neues Wachstumsmotor

Die großen Hoffnungen, die Infineon mit dem neuen Werk verbindet, sind nicht unbegründet. Bei Vollauslastung soll die Fab 4 einen Jahresumsatz von fünf Milliarden Euro erwirtschaften. Zum Vergleich: Im Geschäftsjahr 2025 erzielte Infineon einen Gesamtumsatz von 14,7 Milliarden Euro. „Unser neues Werk kommt genau zur richtigen Zeit", sagt Hanebeck.

Der entscheidende Wachstumstreiber ist das KI-Geschäft. Infineon hat sich eine starke Position bei Chips für die Stromversorgung von KI-Servern erarbeitet. Die entsprechende Sparte erzielte im abgelaufenen Geschäftsjahr rund 700 Millionen Euro Umsatz – fast dreimal so viel wie 2024. Für das Geschäftsjahr 2026 peilt Infineon hier rund 1,5 Milliarden Euro an, bis 2027 sollen es 2,5 Milliarden Euro sein. „Damit würden wir unseren Umsatz in diesem Bereich in nur drei Jahren verzehnfachen", betont Hanebeck – und das trotz eines schwächeren US-Dollars.

Der Markt wächst rasant: Beinahe im Wochenrhythmus kündigen KI-Anbieter wie OpenAI, Anthropic oder Google sowie Cloud-Infrastruktur-Firmen wie Oracle neue Rechenzentren und Serverfarmen an. Analysten schätzen, dass KI-Rechenzentren im Jahr 2030 doppelt so viel Strom verbrauchen werden wie heute. Infineon schätzt, dass sich der Gesamtmarkt für KI-Stromversorgung bis 2030 auf acht bis zwölf Milliarden Euro summieren wird. Marketingvorstand Andreas Urschitz gibt das Ziel klar vor: „Unser Marktanteil liegt zwischen 30 und 40 Prozent – wir werden alles tun, um auch mittelfristig in dieser Spanne zu bleiben."

Partnerschaft mit Nvidia und neue Stromarchitektur

Um technologisch an der Spitze zu bleiben, hat Infineon seine Zusammenarbeit mit Nvidia vertieft. Gemeinsam entwickeln die beiden Konzerne einen neuen Industriestandard: eine Stromversorgungsarchitektur mit 800 Volt Hochspannungsgleichstrom für KI-Rechenzentren. Statt dezentraler Versorgung durch viele Netzteile sollen Serverschränke künftig zentral mit 800-Volt-Strom versorgt werden, die Umwandlung auf niedrigere Spannungen erfolgt direkt am Prozessor.

„Sie können sich das wie eine Stromautobahn vorstellen, die wir durch das ganze Rechenzentrum ziehen", erklärt Hanebeck. „Der Strom fließt ohne Umwege und mit weniger Wandlungsstufen über breite Spuren." Das Ergebnis: leistungsfähigere, zuverlässigere und energieeffizientere Serverfarmen.

Ein weiteres technologisches Alleinstellungsmerkmal der Fab 4 sind ultradünne Siliziumwafer mit nur 20 Mikrometern Stärke – etwa so dünn wie Haushaltsalufolie. Je dünner der Wafer, desto geringer der elektrische Widerstand, desto weniger Energieverlust. Konkret: Infineon kann den Energieverlust seiner Chips für die Stromversorgung von Rechenzentren um 15 Prozent senken.

Siliziumkarbid und Galliumnitrid als Zukunftsmaterialien

Neben klassischem Silizium produziert Infineon in Dresden auch Chips aus Siliziumkarbid und Galliumnitrid – Materialien, die dort punkten, wo herkömmliches Silizium an seine Grenzen stößt: bei hohen Temperaturen oder großen Spannungen. „Siliziumkarbid und Galliumnitrid sind essenziell für Anwendungsbereiche wie Elektrofahrzeuge, Netzinfrastruktur und KI-Rechenzentren", sagt Hanebeck.

Nando Kaminski, Professor für Leistungshalbleiterbauelemente an der Universität Bremen, sieht darin einen klaren Wettbewerbsvorteil: Die breite Materialpalette verschaffe Infineon „einen Vorteil gegenüber Chipherstellern, die nur einen oder zwei Werkstoffe bieten."

Erstmals will Infineon in der Fab 4 zwei sehr unterschiedliche Chiparten auf einer einzigen Fertigungslinie produzieren: Leistungshalbleiter für KI-Rechenzentren, Windkraftanlagen oder Straßenbahnen sowie sogenannte Analog Mixed Signal Chips für Elektroautos.

Automobilsparte schwächelt, KI kompensiert

Die Abhängigkeit vom Automobilmarkt bleibt Infineons größte Herausforderung. Die Automotivesparte schrumpfte 2025 um vier Prozent – doppelt so stark wie der Gesamtkonzern. „Die Elektromobilität befindet sich weiterhin in schwierigem Fahrwasser", räumt Hanebeck ein. Dennoch gibt es Lichtblicke: Im Mai sicherte sich Infineon einen Großauftrag mit dem chinesischen Automobilhersteller Geely. Geliefert werden Mikrocontroller und Analog-Halbleiter für Batteriemanagement-Systeme und zentrale Steuereinheiten. Für 2026 erwartet Hanebeck in der Automotivesparte immerhin wieder „ein leichtes Umsatzwachstum."

Um den Konzern schlagkräftiger aufzustellen, reorganisiert Hanebeck auch die Unternehmensstruktur. Ab dem 1. Juli operiert Infineon mit nur noch drei statt bisher vier Divisionen. Der Automobilbereich bleibt mit rund 50 Prozent Umsatzanteil die wichtigste Sparte, gefolgt von Energiesystemen mit 30 Prozent und Systemen am Netzwerkrand mit rund 20 Prozent. „Mit den drei Divisionen gewinnen wir an Geschwindigkeit, vereinfachen die Entscheidungsfindung und reduzieren den Abstimmungsaufwand", begründet Hanebeck den Schritt.

Aktie hat sich seit Jahresanfang mehr als verdoppelt

Insgesamt zeigt sich Infineon für das laufende Jahr optimistisch. Nach einem Umsatzrückgang von zwei Prozent im Vorjahr hat Hanebeck die Prognose im Mai angehoben: Der Konzern peilt nun einen Erlös von 16 Milliarden Euro an – bei gleichzeitig steigender Profitabilität. Die Börse hat die positive Entwicklung bereits honoriert: Der Infineon-Aktienkurs hat sich seit Jahresanfang mehr als verdoppelt.

Chief Operations Officer Alexander Gorski gibt beim Hochlauf der Fab 4 die Richtung vor: „In der neuen Fab können wir die Fertigungskapazitäten doppelt so schnell hochfahren wie in der Vergangenheit." Die Maschinen werden abhängig von der Kundennachfrage in den kommenden zwölf bis 24 Monaten installiert – derzeit sind rund 50 von mehr als 1.000 geplanten Anlagen in Betrieb. Je schneller sich die Halle füllt, desto schneller geht Hanebecks Plan auf.

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