Industriestrompreis: Entlastung fällt deutlich geringer aus als versprochen
Die angekündigte Strompreisbremse für die deutsche Industrie entpuppt sich als Enttäuschung. Statt der versprochenen fünf Cent pro Kilowattstunde erwarten Unternehmen nur marginale Entlastungen von wenigen Cent.

**Ernüchternde Realität statt großer Versprechen
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Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte im November vergangenen Jahres einen "Zielpreis" von fünf Cent pro Kilowattstunde für Industriestrom in Aussicht gestellt. Doch die Realität sieht für deutsche Unternehmen deutlich ernüchternder aus. Branchenverbände sprechen von einer "homöopathischen" Wirkung des Förderinstruments.
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Deutschland im internationalen Wettbewerbsnachteil
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Die Ausgangslage ist dramatisch: Deutsche Industriebetriebe zahlen etwa das Zwei- bis Dreifache im Vergleich zu ihren US-amerikanischen Konkurrenten. "Der Strompreis in Deutschland ist etwa zwei- bis dreimal so hoch wie in den USA und auch höher als in den meisten anderen europäischen Wettbewerbsländern", erklärt Oliver Holtemöller, Vizepräsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH).
Während industrielle Großverbraucher in Deutschland rund 13 Cent pro Kilowattstunde zahlen, liegt der Preis für mittelständische Betriebe bei etwa 18 Cent. In China und den USA kostet Industriestrom dagegen nur rund acht Cent pro Kilowattstunde – ein massiver Wettbewerbsnachteil für den Standort Deutschland.
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Warum die Entlastung so gering ausfällt
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Der Bundesverband der Deutschen Gießerei-Industrie (BDG) hat die tatsächliche Entlastungswirkung durchgerechnet – mit ernüchterndem Ergebnis. "Wir werden an die internationalen Strompreise, gerade der Konkurrenzländer Türkei, USA, China oder Indien, überhaupt nicht herankommen", warnt BDG-Jurist Christian Schimansky.
Das Problem: Der gedeckelte Preis von fünf Cent bezieht sich ausschließlich auf die Strombeschaffung. Netzentgelte, Umlagen, Abgaben und Steuern müssen weiterhin vollständig bezahlt werden. In einer Beispielrechnung sinkt der Strompreis für einen mittleren Industriebetrieb von 18 Cent lediglich auf 17,625 Cent pro Kilowattstunde.
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EU-Beihilferahmen als Bremsklotz
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Zusätzlich limitieren EU-Vorgaben die mögliche Entlastung erheblich. Der "Clean Industrial Deal State Aid Framework" (CISAF) erlaubt nur eine Förderung von 50 Prozent des durchschnittlichen Großhandelsstrompreises für 50 Prozent des Stromverbrauchs. Das Bundeswirtschaftsministerium bestätigt diese Einschränkungen auf Anfrage.
Auch der Verband der Chemischen Industrie (VCI) kommt in vorläufigen Berechnungen auf eine Entlastungswirkung von unter zehn Prozent – weit entfernt von den ursprünglichen Versprechen.
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Bürokratische Hürden schrecken Mittelstand ab
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Für mittelständische Unternehmen kommt erschwerend hinzu: Mindestens 50 Prozent der erhaltenen Fördersumme müssen in Dekarbonisierungs-Maßnahmen wie erneuerbare Energien oder Energiespeicher reinvestiert werden. Diese Gegenleistungen müssen von Behörden geprüft und zertifiziert werden.
"Der bürokratische Aufwand ist einfach viel zu groß", kritisiert Christian Ferber, Geschäftsführer der Porzellanfabrik Hermsdorf in Thüringen. Sein Unternehmen mit 80 Beschäftigten zahlt monatlich über 30.000 Euro für Strom. Die Abwicklung und Prüfung der Gegenleistungen könne jahrelange Rechtsunsicherheit bedeuten, warnt Wirtschaftsforscher Holtemöller.
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Fazit: Standortnachteil bleibt bestehen**
Die deutsche Industrie bleibt trotz des neuen Förderinstruments im internationalen Vergleich deutlich benachteiligt. Die marginale Entlastung von wenigen Cent pro Kilowattstunde wird den massiven Wettbewerbsnachteil gegenüber Konkurrenten in den USA, China oder der Türkei nicht ausgleichen können. Für energieintensive Branchen bleibt der Standort Deutschland damit eine Herausforderung.


