Industrie streicht über 100.000 Stellen in einem Jahr
Vor allem Auto-, Metall- und Textilbranche von starkem Jobabbau betroffen

Die deutsche Industrie hat innerhalb eines Jahres über 100.000 Arbeitsplätze verloren. Besonders betroffen ist die Autobranche, in der allein rund 45.400 Stellen abgebaut wurden. Insgesamt beschäftigte die Industrie zum Ende des ersten Quartals dieses Jahres noch 5,46 Millionen Menschen – ein Rückgang von 1,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Seit dem Jahr 2019, also vor Beginn der Corona-Pandemie, ist die Zahl der Industriearbeitsplätze sogar um 217.000 gesunken, was einem Minus von 3,8 Prozent entspricht.
Die Analyse der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft EY zeigt, dass der Druck auf die Industrieunternehmen erheblich ist. Ursachen dafür sind unter anderem der internationale Wettbewerb, vor allem durch Anbieter aus China, sowie eine schwache Nachfrage in wichtigen Absatzmärkten. Auch in Europa stagniert der Markt, während die Lage in den USA ungewiss bleibt. Hinzu kommen steigende Kosten, etwa für Energie und Personal, die die Unternehmen zusätzlich belasten.
Der Stellenabbau betrifft vor allem die Branchen Maschinenbau und Fahrzeugbau, wo Unternehmen Sparprogramme aufgesetzt haben. Der Umsatz der Industrie ist nach dem deutlichen Einbruch im Jahr 2024 auch zu Jahresbeginn weiter leicht zurückgegangen. Experten wie Jan Brorhilker von EY gehen davon aus, dass bis zum Jahresende mindestens weitere 70.000 Industriearbeitsplätze wegfallen werden.
In der Automobilindustrie fiel die Zahl der Beschäftigten innerhalb eines Jahres um knapp sechs Prozent auf rund 734.000 Personen. Die Branche leidet unter der Umstellung auf Elektromobilität, sinkender Nachfrage und starkem Konkurrenzdruck aus Asien. Auch die Metallerzeugung und die Textilbranche verzeichneten Rückgänge bei den Beschäftigtenzahlen von jeweils über vier Prozent. In der Chemie- und Pharmabranche blieb die Beschäftigung dagegen weitgehend stabil, mit einem Rückgang von lediglich 0,3 Prozent.
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Zur AktienanalyseTrotz der aktuellen Krise ist die Beschäftigung in der Industrie im Vergleich zu 2014 gestiegen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts waren Ende 2024 rund 185.000 Menschen mehr in der Industrie tätig als zehn Jahre zuvor. Dennoch sehen Branchenvertreter und Analysten dringenden Reformbedarf, um die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland zu sichern. So fordert etwa der Verband der Automobilindustrie ein klares Bekenntnis der Politik zu Standortattraktivität und Investitionsanreizen.


