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Indonesiens Zentralbank-Unabhängigkeit wackelt nach Gouverneurs-Rücktritt

Der überraschende Abgang von Bank-Indonesia-Chef Perry Warjiyo schürt Anlegersorgen über politischen Einfluss auf die Geldpolitik.

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Indonesiens Zentralbank-Unabhängigkeit wackelt nach Gouverneurs-Rücktritt

Der abrupte Rücktritt von Perry Warjiyo als Gouverneur der Bank Indonesia (BI) hat die Märkte aufgeschreckt und grundlegende Fragen über die Unabhängigkeit der indonesischen Zentralbank aufgeworfen. Warjiyo trat am Montag nach acht Jahren im Amt aus persönlichen Gründen zurück. Als Interims-Gouverneurin wurde die stellvertretende Gouverneurin Destry Damayanti ernannt, die vorerst für ein gewisses Maß an Kontinuität sorgt.

Die Rupiah reagierte unmittelbar auf die Nachricht und fiel um 0,3 Prozent auf 17.990 pro US-Dollar – in die Nähe des im Juni erreichten Rekordtiefs von 18.190. Damit ist die indonesische Währung im Jahr 2026 bereits um mehr als 7 Prozent gefallen und die asiatische Währung mit der schlechtesten Performance in diesem Jahr. Dies, obwohl die Zentralbank die Zinsen in den vergangenen Monaten um 100 Basispunkte angehoben hat.

„Die wichtigste Frage ist die Unabhängigkeit der Zentralbank, da eine feste Amtszeit den Gouverneur abschirmen soll und ein vorzeitiges Ausscheiden dies auf die Probe stellt", sagte Rangga Cipta, Chefökonom bei Mandiri Securities. Er betonte, dass ein Rücktritt während der Amtszeit von Anlegern wahrscheinlich negativ gewertet werde, da er auf politische Unsicherheit hindeuten könnte. „Wir glauben, dass die Wahl des Nachfolgers für die indonesische Geldpolitik wichtiger sein wird als das Ausscheiden selbst."

Indonesien verliert zweiten wirtschaftlichen Stabilitätsanker

Mit dem Abgang Warjiyos hat Indonesien in weniger als einem Jahr zwei seiner vertrauenswürdigsten politischen Stützen verloren. Sri Mulyani Indrawati, international anerkannte Finanzministerin und Garant für Haushaltsdisziplin, wurde bereits im September im Zuge einer Kabinettsumbildung abgesetzt – ein Schritt, der die Anlegerstimmung damals erheblich erschütterte. Der nun folgende Rücktritt des Zentralbankchefs verstärkt diese Sorgen zusätzlich.

Die Ernennung eines neuen Gouverneurs erfordert die Beteiligung sowohl des Präsidenten als auch des Parlaments. Präsident Prabowo Subianto müsste seinen Kandidaten dem Parlament für eine Eignungsprüfung vorlegen. Bisher hat Prabowo noch keinen Namen vorgeschlagen. Der Kabinettssekretär forderte die Marktteilnehmer indes auf, während des Führungswechsels Ruhe zu bewahren, und versicherte, dass der Wechsel weder die Geldpolitik noch die wirtschaftliche Stabilität stören werde.

Die Unabhängigkeit der BI steht bereits seit Längerem unter Beobachtung. Im Januar wurde Prabowos Neffe Thomas Djiwandono zum stellvertretenden Gouverneur der BI ernannt. Im Juni verabschiedete das Parlament zudem umfassende Gesetze, die die Rolle der Zentralbank zur Unterstützung des Wirtschaftswachstums stärkten. „Jede Wahrnehmung unter Anlegern, dass die Geldpolitik der BI weniger unabhängig und weniger verantwortungsbewusst ist, würde die Rupiah und indonesische Vermögenswerte unter Druck setzen", warnte Daniel Tan, Portfoliomanager bei Grasshopper Asset Management.

Ratingagenturen und Märkte beobachten die Lage genau

Der Spread für fünfjährige indonesische Credit Default Swaps (CDS) – ein Maß für das Ausfallrisiko eines Anleiheemittenten – stieg am Montag auf 94 Basispunkte, verglichen mit 70,57 Ende August, kurz bevor Sri Mulyani abgesetzt wurde. George Xu, Direktor im Team für Staatsanleihen bei Fitch Ratings, erklärte, sein Unternehmen verfolge die Entwicklungen genau. „Wir sehen Risiken für weiteren externen Druck, der aus der fragilen Anlegerstimmung inmitten der Ungewissheit über den künftigen Kurs der Geldpolitik und der Wahrnehmung der Unabhängigkeit der Zentralbank resultiert", so Xu.

Indonesische Vermögenswerte hatten Anfang Juli noch Auftrieb erhalten, als S&P sein Rating für das Land mit stabilem Ausblick bestätigte – im Gegensatz zu Moody's und Fitch, die beide ihre Ausblicke Anfang des Jahres auf negativ gesenkt hatten. „Wir hatten seit Anfang des Jahres viele negative Nachrichten, aber zumindest in letzter Zeit gab es eine gewisse Stabilisierung", sagte Khoon Goh, Leiter der Asien-Forschung bei ANZ. „Diese jüngste Entwicklung hat bei den Anlegern erneut für Unsicherheit gesorgt."

Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht nun die Frage, wen Prabowo als nächsten BI-Gouverneur nominieren wird. Beobachter wollen daran ablesen, ob die Zentralbank ihre Unabhängigkeit bewahrt oder sich dem erklärten Ziel des Präsidenten unterordnet, bis 2029 ein Wirtschaftswachstum von 8 Prozent zu erreichen. Aninda Mitra, Leiterin für Asien-Makro- und Investmentstrategie bei BNY Investments, fasste die Lage treffend zusammen: „Der nun eingeleitete Übergang unterstreicht den Ansatz ‚Personal ist Politik' bei der Transformation der makroökonomischen Institutionen Indonesiens." Solange die geldpolitischen Unsicherheiten nicht ausgeräumt seien, würden die Risikoprämien für die indonesische Rupiah erhöht bleiben.

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