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Indische Rupie auf Rekordtief: RBI kann weitere Abwertung tolerieren

Die indische Rupie gehört 2026 zu den schwächsten Schwellenländerwährungen – mit begrenzten makroökonomischen Folgen laut Experten.

Indische Rupie auf Rekordtief: RBI kann weitere Abwertung tolerieren

Die indische Rupie hat gegenüber dem US-Dollar ein historisches Rekordtief von 96,305 erreicht und sich anschließend leicht auf 95,700 erholt. Seit Jahresbeginn hat die Währung bereits 6,5 Prozent an Wert verloren und zählt damit zu den am schlechtesten abschneidenden Währungen der Schwellenländer. Belastet wird die Rupie durch mehrere Faktoren gleichzeitig: Indiens hohe Abhängigkeit von Ölimporten, massive Kapitalabflüsse ausländischer Investoren sowie ein anhaltend starker US-Dollar, der von der Nachfrage nach sicheren Häfen profitiert.

Verschärft wird die Lage durch den Nahostkonflikt, der zu historischen Versorgungsunterbrechungen geführt hat. Die Regierung von Premierminister Narendra Modi reagierte mit ungewöhnlichen Sparappellen an die Bevölkerung: Bürgerinnen und Bürger wurden aufgefordert, den Kraftstoffverbrauch durch Homeoffice und die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel zu senken sowie auf Goldkäufe zu verzichten. Ziel ist es, die sechstgrößte Volkswirtschaft der Welt vor den wirtschaftlichen Folgen des Iran-Krieges zu schützen.

RBI steuert den Verfall mit Termingeschäften

Die Reserve Bank of India (RBI) hat aktiv in den Devisenmarkt eingegriffen, um einen noch stärkeren Kursverfall zu verhindern. Händler sind überzeugt, dass die Rupie ohne diese Interventionen noch deutlich tiefer gefallen wäre. Bemerkenswert dabei: Die gesamten Devisenreserven Indiens wirken mit fast 700 Milliarden US-Dollar nach wie vor gesund und spiegeln den Umfang der Eingriffe nicht unmittelbar wider.

Das Instrument der Wahl ist das Termingeschäftsbuch der RBI, das inzwischen auf rund 100 Milliarden US-Dollar angewachsen ist – verglichen mit 68 Milliarden US-Dollar zu Jahresbeginn. „Die Abwertung der Rupie in diesem Jahr wäre ohne die Interventionen der RBI stärker ausgefallen. Das zeigt sich nicht unmittelbar in den gesamten Devisenreserven, die mit fast 700 Milliarden US-Dollar immer noch gesund aussehen. Stattdessen hat das wachsende Termingeschäftsbuch der RBI es ihr ermöglicht, den Verfall der Rupie zu steuern", erklärte Shilan Shah, stellvertretender Chefökonom für Schwellenländer bei Capital Economics, in einer Research-Note.

Makroökonomische Folgen einer weiteren Abwertung begrenzt

Capital Economics argumentiert, dass eine weitere Abwertung der Rupie durch die RBI nur begrenzte gesamtwirtschaftliche Konsequenzen hätte. Als zentrale Faustregel nennt Shah: Ein Rückgang der Rupie um 10 Prozent erhöht die Gesamtinflation in den folgenden drei bis vier Quartalen lediglich um etwa 0,5 Prozentpunkte. „Obwohl dies nicht hilfreich ist, ist die Auswirkung gering im Vergleich zu steigenden Kraftstoffpreisen an den Tankstellen, einer höheren Lebensmittelinflation und allgemeinen Unterbrechungen der Lieferketten", so Shah.

Der Analyst betonte zudem, dass Indiens geringe Verschuldung in Fremdwährungen das Land vor Ausfallrisiken bei Unternehmen und Staaten schütze – ein wichtiger Stabilitätsfaktor in einem turbulenten globalen Umfeld. Gleichzeitig könnte eine schwächere Rupie die indischen Exporte ankurbeln. Die RBI selbst schätzt laut Shah, dass eine Abwertung um 5 Prozent das Wirtschaftswachstum um rund 0,25 Prozent steigern könnte.

Sollte der Druck auf die Rupie anhalten, dürfte die RBI nach Einschätzung von Capital Economics die Zinsen anheben. Andere Schwellenländer haben diesen Schritt bereits vollzogen: Indonesien erhöhte die Zinsen bereits Anfang der Woche, und auch von Chile und Polen werden ähnliche Maßnahmen erwartet. Die Inflation in Indien dürfte derweil die Obergrenze des RBI-Zielkorridors von 2 bis 6 Prozent überschreiten – mit oder ohne weitere Währungsabwertung.

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