Indiens U-Bahn-Boom: 26 Milliarden Dollar, kaum Fahrgäste
Indien investierte massiv in sein Metronetz – doch die Passagierzahlen bleiben weit hinter den Prognosen zurück.

Indien hat seit 2014 über 26 Milliarden US-Dollar in den Ausbau seines Metronetzes investiert. Das Netzwerk wuchs von weniger als 300 Kilometern auf mehr als 1.000 Kilometer bis zum Jahr 2025 – eine Vervierfachung in gut einem Jahrzehnt. Doch trotz dieser gewaltigen Infrastrukturoffensive unter Premierminister Narendra Modi bleibt ein zentrales Problem ungelöst: Die Bahnen fahren vielerorts fast leer.
Besonders deutlich zeigt sich das Dilemma in Mumbai. Die sogenannte Aqua Line – die neue, vollständig unterirdisch verlaufende Metrolinie der indischen Finanzmetropole – verbindet das alte Geschäftsviertel Cuffe Parade mit neueren Wirtschaftszentren wie BKC sowie den Flughafenterminals in den nördlichen Vororten. Der 33,5 Kilometer lange Korridor wurde im vergangenen Jahr eröffnet und sollte die chronische Verkehrsüberlastung der Millionenstadt spürbar entlasten.
Die Prognosen waren ehrgeizig: Täglich sollten fast 1,5 Millionen Passagiere die Aqua Line nutzen. Die tatsächlichen Zahlen liegen verschiedenen Schätzungen zufolge bei etwa einem Zehntel davon – also rund 150.000 Fahrgäste pro Tag. An einem gewöhnlichen Wochentagabend leerte sich die südwärts fahrende Linie bereits mehrere Stationen vor der Endhaltestelle fast vollständig. Die Endstation selbst wirkte dabei eher wie ein verlassenes Bauwerk als wie ein Knotenpunkt in einer der bevölkerungsreichsten Städte der Welt.
Zu teuer für den Alltag
Ein Mitarbeiter des Ticketverkaufs an der Station Cuffe Parade brachte das Problem gegenüber der BBC auf den Punkt: „Es nutzen nicht viele Leute die Linie. Sie ist zu teuer." Damit benennt er einen der Kernkritikpunkte, der das ambitionierte Infrastrukturprojekt begleitet. In einer Stadt, in der Millionen Menschen täglich auf günstige Transportmittel angewiesen sind, können zu hohe Fahrpreise selbst modernste Verkehrsinfrastruktur wirkungslos machen.
Die schwachen Fahrgastzahlen auf der Aqua Line sind dabei kein Einzelfall. Sie stehen exemplarisch für einen übergreifenden Trend, der dem rasanten Ausbau des indischen Metronetzes entgegenwirkt. In fast zwei Dutzend indischen Städten wurden unter der Modi-Regierung neue Metrokorridore gebaut oder erweitert – doch die erhoffte Verlagerung des Verkehrs von der Straße auf die Schiene bleibt in vielen Fällen aus.
Milliarden investiert – Wirkung fraglich
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Zur AktienanalyseFür Indien ist das Metronetz ein nationales Prestigeprojekt. Die Regierung sieht den Ausbau als zentralen Baustein moderner Stadtentwicklung und als Mittel zur Reduzierung von Staus und Luftverschmutzung in den wachsenden Metropolen. Die Investitionssumme von über 26 Milliarden US-Dollar seit 2014 unterstreicht den politischen Willen hinter dem Vorhaben.
Doch Infrastruktur allein reicht offenbar nicht aus. Wenn Fahrpreise, Anbindung an bestehende Verkehrsnetze oder die Lage der Haltestellen nicht auf die Bedürfnisse der Bevölkerung abgestimmt sind, bleiben selbst modernste U-Bahnen ungenutzt. Das Beispiel Mumbai zeigt, wie groß die Lücke zwischen ambitionierten Planungsprognosen und der gelebten Realität der Pendler sein kann – und welche Fragen sich für die weitere Entwicklung des indischen Metronetzes stellen.


