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Indiens Textilbranche: Zölle und Iran-Krieg gefährden 100-Milliarden-Ziel

US-Zölle und der Iran-Krieg treffen Indiens Textilindustrie hart und bedrohen das ambitionierte Exportziel von 100 Milliarden Dollar bis 2030.

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Indiens Textilbranche: Zölle und Iran-Krieg gefährden 100-Milliarden-Ziel

Indiens Textilindustrie steht unter massivem Druck. Kaum hatte sich die Branche von den US-Zöllen erholt, sorgte der Krieg der USA und Israels gegen den Iran für neue Turbulenzen. Branchenführer berichten, dass der Konflikt die Kosten in die Höhe getrieben, die Nachfrage beeinträchtigt und Wanderarbeiter zur Rückkehr in ihre Heimatstädte veranlasst hat.

Die Vorgeschichte ist dabei ebenso belastend: Im August des vergangenen Jahres belegte Washington indische Waren mit einem Zoll von 50 Prozent, was Exporte schlicht wettbewerbsunfähig machte. Eine Entlastung trat erst Monate später im Februar ein, als die Zollsätze gesenkt wurden. Doch diese Erleichterung hielt kaum einige Wochen an, bevor der Iran-Krieg neue Probleme schuf.

Straße von Hormus als Nadelöhr

Der Krieg, der am 28. Februar begann, hat den Warenverkehr durch die Straße von Hormus unterbrochen. Dies ließ die Energie- und Frachtkosten steigen und belastete die Lieferketten erheblich. Besonders hart trifft es die Polyesterpreise: Da Polyester vom Erdöl abhängt, sind die Preise seit Kriegsbeginn um mehr als 40 Prozent gestiegen – ein Kostenschub, den viele Hersteller kaum an ihre Kunden weitergeben können.

Unternehmen wie Filatex haben die Produktion bereits um 25 Prozent gedrosselt und warten auf eine Rückkehr der Nachfrage. Rohstoff- und Verpackungskosten sind ebenfalls gestiegen, was die Margen der Konfektionshersteller weiter unter Druck setzt. Experten warnen: Sollten die Unternehmen die höheren Kosten nicht weitergeben können, werden Produktionskürzungen folgen.

Besonders besorgniserregend ist die Lage für die Wanderarbeiter in der Branche. Einige bei Textilunternehmen beschäftigte Wanderarbeiter haben Schwierigkeiten, Flüssiggas (LPG) – den wichtigsten Brennstoff zum Kochen – zu beziehen. Dies hat einige dazu veranlasst, in ihre Heimatstädte zurückzukehren, was den Arbeitskräftemangel in der Branche verschärft.

Exportziel 2030 in Gefahr

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Zwischen April 2025 und Februar dieses Jahres exportierte Indien Baumwoll- und Kunstgarne, Stoffe sowie Konfektionskleidung im Wert von 29,5 Milliarden Dollar – verglichen mit 29,8 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum, wie Daten des indischen Handelsministeriums zeigen. Der Rückgang mag moderat erscheinen, ist jedoch für ein Land besorgniserregend, das bis 2030 jährlich Textilien im Wert von 100 Milliarden Dollar exportieren will.

Indien ist der weltweit sechstgrößte Textilexporteur und hatte nach der Unterzeichnung von Handelsabkommen mit Großbritannien sowie mit der EU und den USA Anfang dieses Jahres mit einer kräftigen Erholung gerechnet. Bisher scheint diese Erholung jedoch auszubleiben. Die Textilindustrie ist Indiens zweitgrößter Arbeitgeber und sichert mehr als 45 Millionen Arbeitsplätze – die sozialen Folgen einer anhaltenden Krise wären erheblich.

Als vorübergehende Erleichterung einigten sich die USA und der Iran am Mittwoch auf einen Waffenstillstand. Teheran erklärte, dass eine sichere Passage für Schiffe in den nächsten zwei Wochen „möglich" sein werde. Der fragile Waffenstillstand hat die Ölpreise auf unter 100 Dollar pro Barrel gedrückt – sie liegen jedoch weiterhin deutlich über dem Niveau vor dem Konflikt.

Vergleich mit Ukraine-Krieg mahnt zur Vorsicht

Experten ziehen Parallelen zum Ausbruch des Ukraine-Krieges im Jahr 2022. Jener Konflikt führte zu sinkenden Umsätzen im Einzelhandel, steigenden Lagerbeständen und erheblichen Herausforderungen für US-Einzelhändler. „Niemand möchte eine Wiederholung dessen", warnte ein Branchenvertreter. Die Sorge ist berechtigt: Sollten die Ölpreise in den USA weiter steigen, könnte sich die US-Konsumnachfrage nach Bekleidung spürbar verlangsamen.

Ohne einen dauerhaften Frieden und stabile Handelsbeziehungen steht den indischen Textilexporteuren ein weiteres Jahr des Überlebenskampfes statt des erhofften Wachstums bevor. Das ambitionierte 100-Milliarden-Dollar-Ziel für 2030 rückt damit in weite Ferne.

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