Indiens Raffinerien stoppen Käufe von russischem Öl
Preisnachlässe schrumpfen – Trumps Drohungen setzen staatliche Einkäufer zusätzlich unter Druck

Indiens staatliche Raffinerien haben ihre Einkäufe von russischem Rohöl in der vergangenen Woche ausgesetzt. Nach Angaben von mit den Beschaffungsplänen vertrauten Brancheninsidern reagierten die Unternehmen damit auf gesunkene Preisnachlässe sowie jüngste Drohungen des US-Präsidenten Donald Trump gegen Länder, die weiterhin russisches Öl kaufen.
Als drittgrößter Ölimporteur der Welt hatte Indien nach Beginn des russischen Kriegs in der Ukraine 2022 seine Käufe von russischem Öl erheblich ausgeweitet. Seitdem zählt das Land zu den wichtigsten Abnehmern von russischem Rohöl, das für Moskau eine zentrale Einnahmequelle darstellt. Aktuell beziehen indische staatliche Raffinerien allerdings kein russisches Öl mehr und weichen stattdessen auf Spotmärkte aus. Dort beschaffen sie nun überwiegend Sorten aus dem Nahen Osten wie Abu Dhabis Murban-Öl oder westafrikanisches Rohöl.
Betroffen von dieser Entwicklung sind die vier staatlichen Unternehmen Indian Oil Corp, Hindustan Petroleum Corp, Bharat Petroleum Corp sowie Mangalore Refinery Petrochemical Ltd. Sie hatten russisches Öl üblicherweise auf Lieferbasis bezogen, verzichten derzeit jedoch auf entsprechende Ausschreibungen. Angaben von offizieller Seite lagen zunächst nicht vor; weder die Raffinerien noch das zuständige indische Ölministerium äußerten sich zu den aktuellen Vorgängen.
Unabhängige Unternehmen wie Reliance Industries und Nayara Energy – Letztere mehrheitlich im Besitz russischer Firmen, darunter der Ölkonzern Rosneft – halten weiterhin an langfristigen Lieferverträgen mit Moskau fest. Diese privaten Raffinerien übernahmen im ersten Halbjahr 2025 rund 60 Prozent der insgesamt 1,8 Millionen täglich importierten Barrel russischen Öls. Die staatlichen Unternehmen, die über mehr als 60 Prozent der indischen Raffineriekapazität verfügen, zeichneten für den verbleibenden Anteil verantwortlich.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseTrumps jüngste Drohungen, Strafzölle in Höhe von 100 Prozent gegen Länder zu verhängen, die weiterhin russisches Öl kaufen, haben bei vielen Abnehmern für Verunsicherung gesorgt. Zusätzlich kündigte der US-Präsident am Mittwoch einen 25-prozentigen Strafzoll auf Warenimporte aus Indien an. Zugleich kürzte er die Frist für sogenannte Sekundärsanktionen gegen Käufer russischer Exporte drastisch von 50 Tagen auf 10 bis 12 Tage – es sei denn, Moskau schließe ein weitreichendes Friedensabkommen mit der Ukraine. Indische Raffinerien fürchten, dass neue EU-Sanktionen den internationalen Handel zusätzlich erschweren könnten, selbst wenn der Preisdeckel eingehalten wird.


