Indiens Opposition fordert Regierung zur Übernahme der Rohölkosten
Die Kongresspartei warnt: Steigende Kraftstoffpreise bremsen Wachstum und belasten Verbraucher massiv.

Indiens wichtigste Oppositionspartei, der Kongress, hat die Regierung von Premierminister Narendra Modi am Dienstag aufgefordert, die gestiegenen Rohölkosten selbst zu tragen und nicht an die Bevölkerung weiterzugeben. Die Partei warnte, dass wiederholte Preiserhöhungen bei Kraftstoffen und lebensnotwendigen Gütern die Nachfrage schwächen und das Wirtschaftswachstum bremsen würden.
Zur Untermauerung ihrer Kritik veröffentlichte die Kongresspartei einen umfangreichen 76-seitigen Bericht mit dem Titel „Versprechen vs. Realität: Jahr 2 von Modi 3.0". Darin analysiert die Opposition die wirtschaftliche Leistung der Regierung und kommt zu einem ernüchternden Ergebnis: Kapitalabflüsse, schwache private Investitionen, sinkendes Vertrauen und hohe Arbeitslosigkeit würden die wirtschaftlichen Behauptungen Modis untergraben.
Rajeev Gowda, ein hochrangiger Kongressführer und ehemaliges Vorstandsmitglied der indischen Zentralbank, erhob schwere Vorwürfe gegen die Regierung. Er erklärte, die Regierung habe jahrelang von niedrigen Rohölpreisen profitiert, sich jedoch entschieden, die Steuern zu erhöhen und Zufallsgewinne einzustreichen, anstatt die Entlastung an die Verbraucher weiterzugeben. „Bitte tun Sie das nicht. Schlucken Sie diese bittere Pille für eine Weile, denn Sie haben die Früchte genossen", sagte Gowda mit Blick auf die drohende Weitergabe höherer Rohölkosten an die Bevölkerung.
Indiens wirtschaftliche Lage unter Druck
Der Kongressbericht zeichnet ein besorgniserregendes Bild der indischen Wirtschaft. Demnach ist Indien im Jahr 2026 auf den sechsten Platz der weltweit größten Volkswirtschaften zurückgefallen – nachdem das Land im Vorjahr noch den vierten Rang belegt hatte. Dieser Rückfall verdeutlicht, wie stark der wirtschaftliche Gegenwind geworden ist.
Besonders alarmierend sind die Kapitalabflüsse: Ausländische Portfolioinvestoren zogen in den ersten fünf Monaten des Jahres 2026 rund 2,1 Billionen Rupien – umgerechnet etwa 22 Milliarden US-Dollar – aus Indien ab. Zudem waren die Netto-Auslandsdirektinvestitionen in den meisten Monaten des im März abgelaufenen Geschäftsjahres negativ. Die indische Rupie fiel im Mai auf ein Rekordtief von 95 gegenüber dem US-Dollar.
Regierung verteidigt ihren Kurs
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Zur AktienanalyseÖlminister Hardeep Singh Puri wies die Kritik zurück und verteidigte die Maßnahmen der Regierung. Er erklärte am Montag, Indien erwarte in den kommenden Monaten sinkende Öl- und Gaspreise. Trotz des Konflikts zwischen den USA, Israel und dem Iran, der die Energieversorgung einschränke, verfüge das Land über ausreichende Bestände.
Die Auseinandersetzung zwischen Regierung und Opposition spiegelt eine tiefere wirtschaftspolitische Debatte wider: Soll der Staat in Zeiten steigender Energiepreise als Puffer für die Bevölkerung einspringen oder die Marktpreise durchreichen? Für Indiens Verbraucher und die Konjunktur hat diese Entscheidung weitreichende Folgen – insbesondere angesichts der bereits angespannten wirtschaftlichen Lage des Landes.


