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Indiens Inflation überschreitet erstmals seit 16 Monaten das RBI-Ziel

Höhere Lebensmittel- und Kraftstoffpreise sowie ein schwacher Monsun treiben Indiens Verbraucherpreise über die 4%-Marke.

Indiens Inflation überschreitet erstmals seit 16 Monaten das RBI-Ziel

Indiens Verbraucherinflation hat im Juni wahrscheinlich zum ersten Mal seit 16 Monaten das mittelfristige Ziel der Reserve Bank of India (RBI) von 4% überschritten. Das geht aus einer Reuters-Umfrage unter 37 Ökonomen hervor, die vom 3. bis 9. Juli durchgeführt wurde. Demnach dürfte der Verbraucherpreisindex (CPI) im Jahresvergleich auf 4,3% gestiegen sein – nach 3,93% im Mai.

Die Schätzungen der befragten Ökonomen reichten dabei von 3,65% bis 5,50%, was die erhebliche Unsicherheit über das Ausmaß des Preisanstiegs verdeutlicht. Die offiziellen Daten sollen am 13. Juli veröffentlicht werden. Es wäre zudem der höchste Inflationswert seit der Einführung der überarbeiteten CPI-Reihe mit neuem Basisjahr und aktualisiertem Warenkorb im Januar.

Lebensmittel, Kraftstoffe und geopolitische Risiken als Treiber

Als wesentliche Ursachen für den Preisanstieg nennen Experten höhere Lebensmittel- und Kraftstoffpreise sowie den Konflikt zwischen den USA und dem Iran. Kunal Kundu, Indien-Ökonom bei Societe Generale, ordnet die Entwicklung ein: „Der erwartete Anstieg ist weniger Ausdruck eines breit angelegten Inflationsdrucks, sondern vielmehr die Folge einer schrittweisen Festigung in den Kategorien Lebensmittel, Kraftstoffe und ausgewählte Dienstleistungen in den letzten Monaten."

Kundu ergänzt, dass die Weitergabe von den Erzeugerpreisen an die Einzelhandelsinflation trotz einer wachsenden Divergenz zwischen Großhandels- und Verbraucherpreisen infolge des starken Anstiegs der weltweiten Rohstoff- und Energiekosten wahrscheinlich nur teilweise und verzögert erfolgen dürfte.

Die Kraftstoffpreise im Einzelhandel blieben auf erhöhtem Niveau, nachdem staatliche Kraftstoffhändler die Preise im Mai viermal angehoben hatten. Dies trieb die Transport- und Logistikkosten in die Höhe und wirkte sich damit auf ein breites Spektrum von Gütern und Dienstleistungen aus.

El Niño bedroht Erntesaison und Lebensmittelpreise

Ein weiteres Risiko für den Inflationsausblick ist das Wetterphänomen El Niño. Es geht in Indien typischerweise mit schwächeren Monsunregen einher und könnte die Ernteproduktion während der Saison von Juni bis September stören. Ein schlechter Monsun würde den Preisdruck bei Lebensmitteln weiter verschärfen und die Inflation zusätzlich antreiben.

Angesichts der Befürchtung, dass erneute Feindseligkeiten zwischen den USA und dem Iran die Ölpreise wieder sprunghaft ansteigen lassen könnten, sehen einige Ökonomen die Risiken für den Inflationsausblick weiterhin nach oben gerichtet. Für deutsche Anleger ist dies relevant, da Indien als einer der wichtigsten Schwellenmärkte gilt und die Geldpolitik der RBI globale Kapitalflüsse beeinflusst.

RBI hält Leitzins bei 5,25% – weitere Anhebung möglich

Die RBI beließ ihren Leitzins im vergangenen Monat erwartungsgemäß unverändert bei 5,25%. Dennoch hatte eine Mehrheit der Befragten in einer vor der Sitzung durchgeführten Umfrage mit mindestens einer Anhebung bis zum Jahresende gerechnet. Der nun zu erwartende Anstieg der Verbraucherinflation über das 4%-Ziel dürfte den Druck auf die Zentralbank erhöhen, geldpolitisch zu reagieren.

Die Großhandelspreisinflation dürfte sich im Juni laut der Reuters-Umfrage nur geringfügig auf 9,15% abgeschwächt haben, nach 9,68% im Mai. Die Großhandelsinflation, die Kraftstoffen ein deutlich höheres Gewicht beimisst als der CPI, blieb damit auf einem erhöht hohen Niveau. Die Kerninflation – also die Inflation ohne volatile Lebensmittel- und Kraftstoffpreise – wurde für Juni bei 3,95% erwartet. Offizielle Kerninflationsdaten veröffentlicht Indien nicht.

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