Indiens Inflation steigt im Juli wegen höherer Lebensmittelpreise
Ungleichmäßige Regenfälle belasten die Ernte und treiben die Verbraucherpreise in Indien erneut über das RBI-Ziel.

Die indische Verbraucherpreisinflation ist im Juli voraussichtlich auf 4,50% gestiegen, nach 4,38% im Juni. Dies geht aus einer Reuters-Umfrage unter 40 Ökonomen hervor, die vom 5. bis 7. August durchgeführt wurde. Damit verzeichnet Indien den zweiten Monat in Folge eine Inflation oberhalb des mittelfristigen Ziels der Reserve Bank of India (RBI) von 4%.
Haupttreiber des Preisanstiegs sind die Lebensmittelkosten. Ungleichmäßige Regenfälle im ganzen Land haben in diesem Jahr die landwirtschaftliche Produktion beeinträchtigt und die Versorgungslage angespannt. Besonders bedeutsam: Indische Haushalte geben mehr als 40% ihres Budgets für Lebensmittel aus, weshalb steigende Nahrungsmittelpreise die Gesamtinflation spürbar beeinflussen.
„Die Lebensmittelinflation befindet sich weiterhin im Aufwärtstrend, auch wenn der zugrunde liegende Preisdruck verhalten bleibt", sagte Kanika Pasricha, Chefökonomin der Union Bank of India. „Die Verbesserung der Monsunaktivität im Juli hat zwar die Erntebedingungen begünstigt, trug jedoch kaum dazu bei, die kurzfristigen Versorgungsängste zu lindern."
RBI lässt Leitzinsen unverändert
Trotz des Anstiegs blieb die Inflation innerhalb der offiziellen Zielspanne der RBI von 2% bis 6%. Die Zentralbank ließ die Leitzinsen daher in dieser Woche erwartungsgemäß unverändert. Als Hauptrisiken für ihre Inflationsprognose nannte die RBI ungünstige wetterbedingte Ereignisse sowie die Unsicherheit an den globalen Energiemärkten.
Die Prognosen der befragten Ökonomen für die am 12. August anstehenden offiziellen Daten reichten von 3,96% bis 5,50% – eine breite Spanne, die die Unsicherheit über die aktuelle Preisentwicklung widerspiegelt. Die RBI erwartet für das laufende Geschäftsjahr eine durchschnittliche Inflation von 5,0%, was leicht unter ihrer früheren Schätzung von 5,1% liegt, jedoch über den in einer Reuters-Umfrage vom Juli prognostizierten 4,8%.
Kraftstoffpreise und Kerninflation im Blick
Auch die Energiepreise spielen eine Rolle. Indiens staatliche Kraftstoffhändler hoben die Benzin- und Dieselpreise im Mai viermal an – als Reaktion auf steigende Kosten infolge des Krieges der USA und Israels mit dem Iran. Zwar drückte eine kurze Konfliktpause die weltweiten Rohölpreise, doch lagen diese noch immer rund 20% über dem Niveau vor dem Krieg.
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Zur AktienanalysePasricha erklärte dazu: „Das Ausbleiben einer nennenswerten Anpassung der inländischen Kraftstoffpreise für Endverbraucher dürfte die Weitergabe an die Verbraucherinflation begrenzen." Der volatile Rohölpreis im Laufe des Monats schlug sich damit nicht vollständig in den Verbraucherpreisen nieder.
Die Kerninflation – die volatile Komponenten wie Lebensmittel und Kraftstoffe ausschließt und die zugrunde liegende Nachfrage besser widerspiegelt – lag im Juli voraussichtlich bei 4,08%. Indien veröffentlicht hierzu keine offiziellen Daten. Die auf dem Großhandelspreisindex basierende Inflation blieb im Juli mit voraussichtlich 9,95% auf erhöhtem Niveau und veränderte sich damit kaum gegenüber dem Juni-Wert.


