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Indiens E-Commerce boomt: Amazon und Flipkart setzen auf Kleinstädte

Nur 30 Prozent der Inder kaufen online – doch der Markt wächst rasant, und US-Giganten investieren Milliarden in die Expansion.

Indiens E-Commerce boomt: Amazon und Flipkart setzen auf Kleinstädte

Amazon und die Walmart-Tochter Flipkart dominieren den indischen E-Commerce-Markt – und beide Konzerne setzen massiv auf weiteres Wachstum in dem südasiatischen Land. Dabei erscheint das Engagement auf den ersten Blick überraschend groß: Laut einem aktuellen Bericht von Bain & Co. kauften im Jahr 2025 lediglich 30 Prozent der Inder online ein. Zum Vergleich: In China liegt dieser Anteil bei 92 Prozent, in den USA bei 74 Prozent.

Auch der Anteil des E-Commerce am Bruttoinlandsprodukt ist in Indien noch vergleichsweise gering. Mit 1,6 Prozent des BIP liegt er deutlich hinter Indonesien (4 bis 4,5 Prozent) und China (13 bis 14 Prozent), wie Bain weiter ausführt. Dennoch gilt Indien als der am schnellsten wachsende E-Commerce-Markt der Welt – ein Umstand, der die strategischen Investitionen der US-Konzerne erklärt.

Amazons Milliardenwette auf Indien

Im Dezember vergangenen Jahres kündigte Amazon eine massive Investition von 35 Milliarden US-Dollar in Indien an. Das Kapital soll unter anderem in die Digitalisierung von über 12 Millionen kleinen Unternehmen sowie in den Ausbau der Logistikinfrastruktur fließen. Der Umfang dieses Engagements verdeutlicht, wie ernst Amazon das Wachstumspotenzial des indischen Marktes nimmt – trotz der aktuell noch niedrigen Online-Durchdringungsrate.

Der entscheidende Wachstumstreiber ist dabei die geografische Ausbreitung des Online-Shoppings: Das Phänomen weitet sich rasant von den großen Metropolen auf kleinere Städte und Gemeinden aus. Genau diese sogenannten Tier-2- und Tier-3-Städte gelten als das eigentliche Zukunftspotenzial des indischen E-Commerce.

Kleinstädte als Wachstumsmotor

Ein Beispiel dafür ist Evelyn Nazareth, eine Lehrerin in den Dreißigern aus Jaipur. Sie steht stellvertretend für eine wachsende Gruppe begeisterter Online-Shopper außerhalb der größten indischen Städte. Nazareth kauft drei- bis viermal im Monat auf großen E-Commerce-Plattformen ein und bestellt nahezu täglich über Apps für ultraschnelle Lieferungen.

Auch negative Erfahrungen schrecken diese neue Generation von Online-Käufern kaum ab. Als Nazareth einmal ein Smartphone bestellte und stattdessen ein einfaches Mobiltelefon erhielt – ihr jedoch der Preis für das Smartphone berechnet wurde –, wechselte sie schlicht die Plattform. Das Online-Shopping selbst gab sie nicht auf. „Ich kann jederzeit einkaufen, ohne meine aktuelle Tätigkeit unterbrechen zu müssen", erklärte sie und verwies auf die größere Auswahl im Internet, insbesondere bei Mode.

Für deutsche Anleger, die den indischen Markt im Blick haben, liefert diese Entwicklung wichtige Hinweise: Das strukturelle Wachstumspotenzial Indiens im E-Commerce ist enorm – die niedrige Ausgangsbasis kombiniert mit einer jungen, zunehmend digitalisierten Bevölkerung und wachsender Kaufkraft in der Fläche macht das Land zu einem der spannendsten Investitionsfelder der kommenden Dekade. Amazon und Walmart haben diese Chance längst erkannt und positionieren sich frühzeitig für den Wettbewerb um Hunderte Millionen künftiger Online-Käufer.

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