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Indien weitet Haushaltsdefizit auf 4,8 Prozent des BIP aus

Der Iran-Krieg treibt Indiens Kraftstoffsubventionen in die Höhe und zwingt die Regierung zur Aufgabe ihrer Sparziele.

Indien weitet Haushaltsdefizit auf 4,8 Prozent des BIP aus

Indien bereitet sich auf ein deutlich höheres Haushaltsdefizit als ursprünglich geplant vor. Laut einem Bericht von Bloomberg News, der sich auf einen mit der Angelegenheit vertrauten Beamten beruft, ist die Regierung bereit, eine Ausweitung der Haushaltslücke um bis zu 50 Basispunkte zu akzeptieren. Das Defizit könnte damit auf 4,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) steigen – gegenüber dem ursprünglichen Zielwert von 4,3 Prozent für das am 1. April begonnene Geschäftsjahr. Reuters konnte den Bericht zunächst nicht unabhängig verifizieren und hat das indische Finanzministerium um eine Stellungnahme gebeten.

Haupttreiber der fiskalischen Verschlechterung ist der Krieg im Iran, der die globalen Energiemärkte erheblich belastet. Die Schließung der Straße von Hormus hat zu Lieferunterbrechungen geführt und die Rohölpreise in die Höhe getrieben. Indien ist als weltweit drittgrößter Ölimporteur und -verbraucher besonders stark von diesen Entwicklungen betroffen. Das Land importiert rund 90 Prozent seines Erdöls und zählt damit zu den Volkswirtschaften, die am empfindlichsten auf kriegsbedingte Störungen der weltweiten Energieversorgung reagieren.

Kraftstoffpreise steigen, Subventionen unter Druck

Die gestiegenen Rohölpreise haben staatliche Einzelhändler dazu veranlasst, die Benzin- und Dieselpreise um etwa 8 Prozent anzuheben. Gleichzeitig hat die Regierung die Subventionen für Gasflaschen zum Kochen für private Haushalte gekürzt. Auch die staatlichen Subventionen für Düngemittel geraten unter Druck: Sie werden im laufenden Geschäftsjahr voraussichtlich um 20 Prozent steigen, wie ein Regierungsvertreter bereits zuvor erklärt hatte.

Die Kombination aus höheren Importkosten, steigenden Subventionsausgaben und sinkenden Spielräumen bei den Staatsfinanzen stellt Neu-Delhi vor eine erhebliche haushaltspolitische Herausforderung. Für deutsche Anleger und Beobachter ist dies relevant, da Indien als eine der am schnellsten wachsenden großen Volkswirtschaften der Welt gilt und fiskalische Stabilität ein zentrales Kriterium für internationale Investoren darstellt.

Regierung prüft Ausgabenkürzungen und bewertet Lage neu

Die indischen Behörden halten sich laut Bloomberg News derzeit alle Optionen offen. Sie planen, den fiskalischen Ausblick im weiteren Jahresverlauf neu zu bewerten, sobald mehr Klarheit über die Einnahmen außerhalb von Steuern sowie den tatsächlichen Subventionsbedarf besteht. Darüber hinaus prüft die Regierung mögliche Ausgabenkürzungen in verschiedenen Ministerien, um das Defizit so weit wie möglich zu begrenzen.

Eine Ausweitung des Haushaltsdefizits auf 4,8 Prozent des BIP würde Indien von seinem mittelfristigen Konsolidierungspfad abbringen. In den vergangenen Jahren hatte die Regierung unter Premierminister Narendra Modi schrittweise daran gearbeitet, das Defizit zu reduzieren und das Vertrauen der Finanzmärkte zu stärken. Die aktuellen geopolitischen Verwerfungen durch den Iran-Krieg machen diese Bemühungen nun zunichte und zwingen Neu-Delhi zu einem schwierigen Balanceakt zwischen sozialer Absicherung der Bevölkerung und fiskalischer Disziplin.

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