Indien und USA vor Interims-Handelsabkommen bis Mitte Juli
Handelsminister Goyal kündigt erste Tranche des Abkommens an – trotz neuer US-Zölle von 12,5 Prozent auf indische Waren.

Indien und die Vereinigten Staaten könnten bereits bis Mitte Juli ein erstes Interims-Handelsabkommen abschließen. Das erklärte Indiens Handels- und Industrieminister Piyush Goyal am Freitag gegenüber Reportern in Visakhapatnam. Die Länder sollten bereit sein, bis Mitte nächsten Monats „eine sehr dynamische erste Tranche" umzusetzen, so Goyal.
Der Minister betonte, das Abkommen würde Indien einen präferenziellen Marktzugang gegenüber seinen Wettbewerbern verschaffen. Dies wäre ein bedeutender wirtschaftlicher Vorteil für das bevölkerungsreichste Land der Welt, das sich in einem intensiven Wettbewerb mit anderen Schwellenländern um Exportanteile auf dem US-Markt befindet.
Bereits vom 1. bis 4. Juni hielt sich eine US-Handelsdelegation unter der Leitung von Chefunterhändler Brendan Lynch in Neu-Delhi auf, um die Verhandlungen voranzutreiben und Details eines Interimshandelsabkommens zu finalisieren. Goyals Äußerungen fielen zudem nur wenige Stunden, nachdem US-Präsident Donald Trump Reportern im Oval Office mitgeteilt hatte, dass Washington und Neu-Delhi nach Abschluss der Verhandlungen in dieser Woche ein lang erwartetes Handelsabkommen schließen werden.
Neue US-Zölle belasten das Verhältnis
Die Annäherung zwischen beiden Ländern findet vor einem angespannten handelspolitischen Hintergrund statt. Das Büro des US-Handelsbeauftragten schlug vor, Zölle von mindestens 10 Prozent auf Importe von 60 Handelspartnern zu erheben. Grundlage ist eine Untersuchung nach Section 301 zu Waren, die mutmaßlich mit Zwangsarbeit hergestellt wurden.
Für Produkte aus Nationen wie China, Indien, Japan, Südkorea und Brasilien wurde dabei eine Abgabe von 12,5 Prozent vorgeschlagen. Die Trump-Administration bezeichnete dies als ihren bisher größten Schritt zur Wiederbelebung einer protektionistischen Handelsagenda – nachdem Gegenzölle zuvor vom Obersten Gerichtshof der USA gekippt worden waren.
Neu-Delhi erklärte, man stehe bezüglich der Section-301-Untersuchungen mit Washington im Austausch. Die indische Regierung signalisiert damit, die Zollfrage aktiv in den laufenden Verhandlungen adressieren zu wollen, anstatt einseitige Maßnahmen hinzunehmen.
Hochrangige US-Delegation erwartet
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Zur AktienanalyseGoyal gab außerdem bekannt, dass die Länder zügig daran arbeiteten, alle verbleibenden offenen Fragen zu klären. Gegen Ende des laufenden Monats werde eine noch hochrangigere Delegation aus den USA in Indien erwartet, fügte der Minister hinzu.
Für deutsche Anleger und Unternehmen mit Indien-Exposure ist die Entwicklung relevant: Ein bilaterales Handelsabkommen zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt – den USA und dem aufstrebenden Wirtschaftsgiganten Indien – könnte die globalen Handelsströme spürbar verschieben. Indische Exporteure würden von präferenziellem Marktzugang profitieren, während US-Unternehmen ihrerseits bessere Bedingungen auf dem wachstumsstarken indischen Markt anstreben.


