Indien reduziert LPG-Bezug aus dem Nahen Osten
Staatliche Raffinerien planen ab 2026 größere Einkäufe von US-Flüssiggas

Indien will seine Abhängigkeit von Flüssiggasimporten aus dem Nahen Osten verringern und künftig stärker auf Lieferungen aus den Vereinigten Staaten setzen. Nach Angaben von mit den Vorgängen vertrauten Personen haben die staatlichen Raffinerien bereits ihre traditionellen Lieferanten in Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Kuwait und Katar über eine geplante Kürzung der Abnahmemengen informiert. Das Vorhaben ist Teil der Bemühungen Neu-Delhis, die Energiebeziehungen mit den USA auszubauen und eine breitere Handelsvereinbarung mit Washington zu erreichen.
Noch ist unklar, in welchem Umfang die Importe aus dem Nahen Osten reduziert werden. Bereits im Juli war jedoch bekannt geworden, dass Indien ab 2026 rund zehn Prozent seiner Flüssiggasimporte aus den USA beziehen will. Während des Besuchs von Premierminister Narendra Modi in Washington im Februar hatte Indien zugesagt, seine Energieimporte aus den Vereinigten Staaten von derzeit rund zehn Milliarden auf 25 Milliarden US-Dollar zu erhöhen. Beide Länder streben bis 2030 ein bilaterales Handelsvolumen von 500 Milliarden US-Dollar an.
Indische Regierungsvertreter befinden sich derzeit in Washington zu weiteren Gesprächen über die Handelsbeziehungen. Das Handelsbilanzplus Indiens gegenüber den USA gilt als Reizthema für Präsident Donald Trump, der einen Einfuhrzoll von 50 Prozent auf indische Waren verhängt hat. Davon entfallen 25 Prozentpunkte speziell auf eine Strafmaßnahme wegen indischer Käufe von russischem Öl. Washington argumentiert, Russland nutze seine Öleinnahmen zur Finanzierung des Krieges gegen die Ukraine. Trump erklärte am Mittwoch, Modi habe ihm zugesichert, dass Indien künftig kein russisches Öl mehr beziehen werde.
Zu den staatlichen Unternehmen, die Flüssiggas importieren, gehören Indian Oil Corp, Bharat Petroleum Corp und Hindustan Petroleum Corp. Sie verkaufen das Gas im Inland zu subventionierten Preisen an Haushalte. Für 2026 planen die staatlichen Raffinerien, gemeinsam rund zwei Millionen Tonnen US-LPG über Ausschreibungen zu beschaffen. Die Lieferungen sollen auf sogenannter „delivered“-Basis erfolgen, also direkt an indische Häfen geliefert werden.
Nach Regierungsangaben deckte Indien im Jahr 2024 etwa 65 Prozent seines Flüssiggasverbrauchs von insgesamt 31 Millionen Tonnen durch Importe. Rund 90 Prozent der 20,4 Millionen Tonnen stammten dabei aus langfristigen Verträgen mit Lieferanten aus den Golfstaaten. Im Jahr 2024 importierte Indien 8,1 Millionen Tonnen LPG aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, 5 Millionen Tonnen aus Katar, 3,4 Millionen Tonnen aus Kuwait und 3,3 Millionen Tonnen aus Saudi-Arabien. Kleinere Mengen kamen aus Bahrain und Oman.
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Zur AktienanalyseIndien hatte in diesem Jahr bereits einige Lieferungen von US-Flüssiggas erworben, um von günstigen Preisunterschieden zu profitieren, nachdem China wegen seiner Handelsstreitigkeiten mit Washington seine Käufe aus den USA reduziert hatte. Bereits im April wurde bekannt, dass Neu-Delhi beabsichtigt, die Einfuhrsteuer auf bestimmte US-Produkte, darunter auch Flüssiggas, im Rahmen eines umfassenderen Handelsabkommens abzuschaffen.


