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Indien-Großbritannien-Freihandelsabkommen: Was sich für Wirtschaft und Anleger ändert

Das historische Freihandelsabkommen zwischen Indien und Großbritannien ist in Kraft – mit weitreichenden Folgen für Handel, Industrie und Verbraucher.

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Indien-Großbritannien-Freihandelsabkommen: Was sich für Wirtschaft und Anleger ändert

Das Freihandelsabkommen (FTA) zwischen Indien und Großbritannien ist am Mittwoch offiziell in Kraft getreten – und in den Büros von Welspun Living laufen die Vorbereitungen bereits auf Hochtouren. Das indische Unternehmen, das unter anderem die Meisterschaftshandtücher für Wimbledon herstellt, beliefert große britische Einzelhändler wie John Lewis und Tesco mit Bettwäsche und Handtüchern. Der Heimtextil-Riese gilt als eines der größten Unternehmen seiner Branche in Indien und sieht im neuen Abkommen eine historische Chance.

„Viele dieser Marken waren in den letzten Wochen in Indien, um einen Geschäftsplan für die nächsten Jahre zu entwerfen. Normalerweise haben wir eine gemeinsame Zukunftsplanung nur für unsere US-Kunden durchgeführt, aber jetzt, mit dem Abkommen, geschieht dies auch mit britischen Kunden", sagte Dipali Goenka, CEO von Welspun Living, gegenüber der BBC. Sie ergänzte: „Tatsächlich sitzt unser Supply-Chain-Team in London gerade im Büro von John Lewis."

Das Abkommen verbindet die fünft- und sechstgrößten Volkswirtschaften der Welt miteinander. Es beseitigt oder senkt die Zölle auf 99 Prozent der indischen Exporte nach Großbritannien sowie auf 90 Prozent der britischen Importe nach Indien. Die britische Regierung bezeichnete es als das „größte und wirtschaftlich bedeutendste bilaterale Handelsabkommen Großbritanniens" seit dem Brexit.

Milliardenschwere Wachstumseffekte erwartet

Die wirtschaftlichen Prognosen sind beachtlich: Das BIP Großbritanniens soll durch das Abkommen langfristig um 0,13 Prozent steigen, was einem Zuwachs von 4,8 Milliarden Pfund (rund 6,4 Milliarden US-Dollar) entspricht. Indiens Wirtschaft soll um 0,06 Prozent bzw. 5,1 Milliarden Pfund pro Jahr wachsen. Für beide Volkswirtschaften stellt das Abkommen damit einen bedeutenden Impuls dar – auch wenn die prozentualen Wachstumsraten auf den ersten Blick moderat wirken.

Besonders arbeitsintensive Sektoren setzen große Hoffnungen in das neue Regelwerk. Dazu zählen:

  • Textilien und Bekleidung
  • Schuhe
  • Automobile
  • Meeresprodukte

„Ich erwarte, dass unsere Exporte nach Großbritannien nun im zweistelligen Bereich wachsen werden", sagte Welspun-CEO Goenka. Sie verwies dabei auf einen entscheidenden Wettbewerbsnachteil, der bislang indische Exporteure belastete: Länder wie Bangladesch und Pakistan exportierten über das sogenannte Developing Countries Trading Scheme (DCTS) zollfrei nach Großbritannien, während Indien Zölle in Höhe von 12 Prozent zahlen musste. Dieses Ungleichgewicht wird durch das neue Abkommen nun korrigiert.

Indiens Aufholpotenzial im Textilhandel ist enorm

Die Zahlen verdeutlichen, wie groß der Nachholbedarf ist: Im Segment Heimtextilien hält Pakistan derzeit einen Anteil von rund 55 Prozent an den britischen Importen, während Indien lediglich auf 6 bis 7 Prozent kommt. „Das ist die Lücke, die wir endlich schließen können", so Goenka.

Auch für britische Unternehmen eröffnet das Abkommen neue Perspektiven. Besonders die Alkohol- und Spirituosenbranche blickt optimistisch in die Zukunft. Die Senkung der Zölle auf Scotch Whisky gilt als potenzieller Wendepunkt für britische Hersteller, die den indischen Markt bislang nur eingeschränkt erschließen konnten. Indien ist einer der weltweit größten Märkte für Spirituosen – entsprechend hoch sind die Erwartungen der Branche.

Das Inkrafttreten des Abkommens markiert einen wichtigen Meilenstein in den Handelsbeziehungen beider Länder. Für Investoren und Unternehmen auf beiden Seiten beginnt nun die Phase der konkreten Umsetzung – mit dem Ziel, die neu geschaffenen Möglichkeiten rasch in Wachstum umzumünzen.

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