Indien erhöht Eisenerzimporte trotz eigener Förderung
Wachsender Stahlbedarf übersteigt Kapazitäten von Minen und Infrastruktur deutlich

Indiens Stahlindustrie befindet sich im Ausbau, mit dem Ziel, die Produktionskapazität von derzeit rund 200 Millionen Tonnen pro Jahr bis 2030 auf 300 Millionen Tonnen zu steigern. Damit verbunden wächst auch der Bedarf an Eisenerz. Zwar ist Indien der weltweit viertgrößte Produzent dieses Rohstoffs und erreichte im Haushaltsjahr 2024/25 laut vorläufigen Regierungsdaten eine Rekordproduktion von 289 Millionen Tonnen, doch reicht diese Menge nicht aus, um den steigenden Stahlbedarf vollständig zu decken. Der Verbrauch von Eisenerz liegt je nach Qualität bei etwa 1,6 Tonnen pro Tonne Stahl, was bei einer Kapazität von 300 Millionen Tonnen Stahl etwa 460 Millionen Tonnen Eisenerz erfordern würde.
Zwar verfügt Indien über bedeutende Eisenerzreserven, doch erscheint eine Produktionssteigerung auf das erforderliche Niveau bis 2030 unrealistisch. Auch die notwendige Infrastruktur zum Transport des Erzes zu den Stahlwerken müsste erst aufgebaut werden. Der Vorsitzende der Vedanta Group, Anil Agarwal, betonte zwar kürzlich das Potenzial Indiens, langfristig Länder wie China und Brasilien bei der Erzförderung zu überholen, doch bleibt offen, ob eine derart starke Produktionsausweitung in nur wenigen Jahren möglich ist. Die Indian Steel Association rechnet jedenfalls mit einem Defizit von über 100 Millionen Tonnen Eisenerz in den kommenden Jahren.
Indien ist aktuell Nettoexporteur von Eisenerz. Dabei wird vor allem Erz mit geringem Eisengehalt nach China exportiert, während höherwertige Qualitäten zur Beimischung importiert werden. In den ersten fünf Monaten des Jahres 2025 beliefen sich die Exporte auf 13,67 Millionen Tonnen, wovon 11,11 Millionen nach China gingen. Dieser Wert liegt unter dem monatlichen Durchschnitt von 3,70 Millionen Tonnen im Jahr 2023 und 3,13 Millionen im Jahr 2024. Die durchschnittlichen Exporte in den ersten Monaten 2025 betrugen nur noch 2,73 Millionen Tonnen.
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Zur AktienanalyseGleichzeitig steigen die Importe. In den ersten fünf Monaten 2025 wurden 4,57 Millionen Tonnen eingeführt. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, könnten die Importe 2025 mehr als 10 Millionen Tonnen erreichen – deutlich mehr als in den beiden Vorjahren. Dennoch bleibt diese Menge weit entfernt von den potenziell benötigten 100 Millionen Tonnen bis zum Jahr 2030. Entscheidend wird sein, wie schnell die neuen Stahlwerke fertiggestellt werden und in welchem Maße die inländische Eisenerzproduktion ausgebaut werden kann. Derzeit befinden sich rund 20 Millionen Tonnen Stahlkapazität im Bau, weitere 155 Millionen Tonnen sind in Planung.

