Indien diversifiziert Ölimporte nach Störungen in der Straße von Hormus
Indische Raffinerien beziehen verstärkt Rohöl aus Lateinamerika und Afrika, um Ausfälle durch Spannungen am Persischen Golf auszugleichen.

Indien, der drittgrößte Ölimporteur und -verbraucher der Welt, hat seine Rohölbezugsquellen nach Störungen in der Straße von Hormus deutlich umstrukturiert. Vor dem Kriegsausbruch Ende Februar bezogen indische Raffinerien den Großteil ihres Rohöls aus dem nahe gelegenen Nahen Osten. Nun weichen sie verstärkt auf Lieferanten in Lateinamerika und Afrika aus.
Im April und Mai steigerten indische Raffinerien laut vorläufigen Daten des Analyseunternehmens Kpler die Importe aus Venezuela, Brasilien, Angola und Nigeria. Gleichzeitig hielten sie an russischen Öllieferungen fest, um die Versorgungslücken zu schließen. Diese Diversifizierungsstrategie zeigt, wie flexibel Indien auf geopolitische Verwerfungen reagiert.
Rückgang russischer Lieferungen und Rückkehr des Iran
Im April reduzierte Indien seine Importe aus Russland gegenüber März um rund 29,4 Prozent auf 1,6 Millionen Barrel pro Tag. Hauptgrund war die Schließung der Raffinerie von Nayara Energy mit einer Kapazität von 400.000 Barrel pro Tag wegen Wartungsarbeiten. Im Mai sollen die russischen Lieferungen laut Kpler-Daten jedoch wieder auf etwa 1,9 Millionen Barrel pro Tag ansteigen.
Bemerkenswert ist zudem die Rückkehr iranischen Öls nach Indien. Nach einer siebenjährigen Unterbrechung erhielt das Land wieder Lieferungen aus dem Iran – ermöglicht durch eine vorübergehende Ausnahmeregelung Washingtons, die zur Stabilisierung der weltweiten Ölpreise beitragen soll. Gleichzeitig verzichtete Indien auf Käufe aus dem Irak, da die irakischen Exporte vorübergehend gestoppt wurden. Für Mai werden jedoch wieder rund 41.000 Barrel pro Tag aus dem Irak erwartet.
Gesamtimporte stabil, aber deutlich unter Vorjahresniveau
Insgesamt importierte Indien im April 4,57 Millionen Barrel pro Tag – ein Wert, der gegenüber März unverändert blieb, aber einem Rückgang von 15,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Die Zahlen verdeutlichen, wie stark die geopolitischen Spannungen am Persischen Golf die indische Energieversorgung belasten.
Die Importe aus den Vereinigten Arabischen Emiraten erholten sich im April deutlich auf 669.700 Barrel pro Tag, nach nur 230.600 Barrel pro Tag im März. Saudi-Arabien lieferte stabil rund 619.500 Barrel pro Tag. Die VAE und Saudi-Arabien sind die einzigen Golfproduzenten, die über Pipelines verfügen, welche Rohölexporte unter Umgehung der strategisch wichtigen Straße von Hormus ermöglichen. Kuwait, Irak, Katar und Bahrain hingegen sind für ihre Verschiffungen vollständig auf diesen Seeweg angewiesen.
OPEC-Anteil steigt, Russland bleibt Spitzenreiter
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Zur AktienanalyseDer Anteil der OPEC an den indischen Importen stieg im April von rund 30 Prozent im März auf 45,2 Prozent – auch weil die VAE in diesem Monat noch OPEC-Mitglied waren. Im Mai traten die VAE aus der OPEC aus und sind damit nicht mehr an Förderquoten gebunden, was ihre Exportflexibilität erhöht.
Der Anteil russischen Öls an den indischen Importen sank von fast 50 Prozent auf etwa 35 Prozent, bleibt aber dominant. Russland ist weiterhin Indiens wichtigster Öllieferant, gefolgt von den VAE und Saudi-Arabien. Brasilien belegt Rang vier, Venezuela Rang fünf – und laut Kpler-Daten ist Venezuela auf dem besten Weg, im Mai zum viertgrößten Lieferanten aufzusteigen.
Die Entwicklung zeigt, wie Indien seine Energieversorgung strategisch absichert: durch geografische Diversifizierung, Nutzung von Ausnahmeregelungen und flexible Anpassung an Marktbedingungen. Für den globalen Ölmarkt ist Indiens Beschaffungsstrategie ein wichtiger Indikator, da das Land zu den größten Abnehmern weltweit zählt.


