Indien: Defizitziel 2027 trotz Iran-Krise vorerst nicht gefährdet
Neu-Delhi priorisiert Investitionsausgaben und erwägt Sparmaßnahmen, sieht aber keine unmittelbaren Risiken für das Haushaltsziel.

Indien sieht sein Haushaltsdefizitziel für das am 1. April begonnene Geschäftsjahr 2026/27 vorerst nicht in Gefahr. Das geht aus Aussagen zweier Regierungsquellen hervor, die Reuters zitierten. Die Regierung in Neu-Delhi bewertet derzeit die wirtschaftlichen Auswirkungen des Iran-Krieges und prüft mögliche Sparmaßnahmen.
Das angestrebte Haushaltsdefizit liegt bei 4,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts – ein leichter Rückgang gegenüber 4,4 Prozent im Vorjahr. Trotz wachsender Belastungen durch steigende Rohstoffpreise soll dieses Ziel zunächst nicht revidiert werden. „Damit Indien seine Budgetprognosen revidiert, müsste die aktuelle Situation mindestens zwei bis drei Monate andauern", zitierte Reuters eine der Quellen.
Investitionsausgaben bleiben oberste Priorität
Die Regierung hält trotz der angespannten Haushaltslage an ihren Investitionsausgaben fest. Ausgaben für Straßen, Eisenbahnen und Flughäfen gelten als entscheidend für Wirtschaftswachstum und Beschäftigung. Laut dem Jahresbudget sollen die Investitionsausgaben des Bundes im laufenden Geschäftsjahr auf 12,22 Billionen Rupien (rund 131,45 Milliarden US-Dollar) steigen – das entspricht etwa 4,4 Prozent des BIP. Im Vorjahr lagen die revidierten Ausgaben bei 10,96 Billionen Rupien (rund 117,90 Milliarden US-Dollar).
Gleichzeitig erwägen Beamte Sparmaßnahmen in Ministerien, die ihre zugewiesenen Mittel erfahrungsgemäß nicht vollständig ausschöpfen. Diese gezielten Ausgabenbeschränkungen sollen helfen, den finanziellen Spielraum zu erhalten, ohne die Kerninfrastrukturprojekte zu gefährden. Die zweite Quelle betonte, dass Investitionsausgaben „die oberste Priorität der Regierung bleiben".
Iran-Krieg treibt Ölpreise und Subventionskosten
Der Iran-Krieg belastet die indischen Staatsfinanzen erheblich. Steigende Ölpreise zwingen die Regierung, die Verbrauchssteuern auf Kraftstoff zu senken, um eine direkte Weitergabe der höheren Kosten an die Verbraucher zu verhindern. Dadurch entgehen dem Staat wichtige Einnahmen.
Zusätzlich rechnen Beamte mit höheren Ausgaben für Düngemittel- und Erdölsubventionen. Für das Geschäftsjahr 2026/27 sind diese mit 1,83 Billionen Rupien (rund 19,69 Milliarden US-Dollar) veranschlagt – angesichts steigender Rohstoffpreise dürfte dieser Betrag jedoch überschritten werden. Eine vollständige Weitergabe der höheren Rohölpreise an die Kraftstoffverbraucher gilt als politisch kaum durchsetzbar.
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Zur AktienanalyseWahlen erschweren Preiserhöhungen an der Zapfsäule
Ein weiterer politischer Faktor hemmt Preisanpassungen: In vier großen indischen Bundesstaaten finden zwischen dem 9. und 29. April Wahlen statt. Drei dieser Bundesstaaten werden von Oppositionsparteien regiert, was das politische Risiko von Kraftstoffpreiserhöhungen für die Zentralregierung erhöht. Starke Preisanstiege an der Zapfsäule mitten im Wahlkampf gelten daher als unwahrscheinlich.
Ökonomen zeigen sich skeptisch, ob Indien seine Haushaltsziele einhalten kann. Standard Chartered prognostiziert eine Abweichung vom Defizitziel von 0,7 bis 0,9 Prozentpunkten des BIP. Die Regierung setzt dagegen auf eine Kombination aus gezielteren Subventionen und Einsparungen in einzelnen Ministerien, um die Mehrausgaben teilweise zu kompensieren. Das Finanzministerium äußerte sich auf eine Anfrage von Reuters zunächst nicht.


