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Indien: Atomkraft, Biokraftstoff und FDI-Boom im Fokus

Indien treibt Energiewende und Auslandsinvestitionen voran – doch die E20-Biokraftstoffpolitik sorgt für erheblichen Gegenwind.

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Indien: Atomkraft, Biokraftstoff und FDI-Boom im Fokus

Indien befindet sich mitten in einem tiefgreifenden wirtschaftlichen und energiepolitischen Wandel. Unter Premierminister Narendra Modi verfolgt die Regierung gleichzeitig eine massive Ausweitung der Atomkraft, die Einführung eines neuen Biokraftstoffmandats und die Gewinnung ausländischer Direktinvestitionen in Rekordhöhe. Die Strategie ist ehrgeizig – doch nicht ohne Widersprüche.

Besonders auffällig ist der Kurs beim Thema Kernenergie: Indien plant, seine Atomkraftkapazität bis 2047 auf mehr als das Elffache zu steigern. Das staatlich kontrollierte Energieunternehmen NTPC soll dabei 30 GW Atomkapazität entwickeln – rund 30 Prozent des nationalen Ziels von 100 GW. Um die dafür notwendigen Uranreserven zu sichern, hat NTPC eine Ausschreibung für Berater gestartet, die Uranvorkommen im Ausland identifizieren und potenziell erwerben sollen – in Australien, Kanada, Kasachstan und Südafrika.

Australien als strategischer Uranlieferant

Ein wichtiger Meilenstein wurde kürzlich mit Australien erreicht. Nach direkten Gesprächen zwischen Modi und dem australischen Premierminister Anthony Albanese trat ein zivilnukleares Kooperationsabkommen in Kraft, das ursprünglich bereits 2014 unterzeichnet worden war. Es ermöglicht nun kommerzielle Uranexporte aus Australien – dem Land mit den weltweit größten bekannten Uranvorkommen – an Indiens ziviles Atomprogramm.

Die Reaktion der Märkte ließ nicht lange auf sich warten: Australische Uranminenaktien wie Paladin Energy, Deep Yellow, Boss Energy, Bannerman Energy und Lotus Energy verzeichneten nach der Ankündigung Kursgewinne zwischen 6 und 14 Prozent. Das unterstreicht, welche wirtschaftliche Bedeutung dieser diplomatische Durchbruch für die Branche hat.

E20-Biokraftstoff: Ambitioniertes Ziel, praktische Probleme

Weniger reibungslos verläuft hingegen die Einführung des sogenannten E20-Kraftstoffs – Benzin mit einem Ethanol-Anteil von 20 Prozent. Das Ziel der Regierung ist klar: weniger Abhängigkeit von Ölimporten, Unterstützung des Agrarsektors und geringere CO₂-Emissionen. Doch die Umsetzung erfolgt in einem Dreijahreszeitraum – deutlich schneller als etwa in Brasilien, das für eine vergleichbare Umstellung vier Jahrzehnte benötigte.

Das Problem: Mehr als 75 Prozent der in Indien zugelassenen Fahrzeuge sind nicht für E20 ausgelegt. Autofahrer berichten von Motorkorrosion, höheren Wartungskosten und einem Rückgang der Kraftstoffeffizienz um 3 bis 12 Prozent. Eine Umfrage der Plattform LocalCircles unter 44.000 Fahrzeugbesitzern mit Fahrzeugen aus der Zeit vor 2023 bestätigte eine wahrgenommene Zunahme von Reparaturbedarf.

Hinzu kommt: E20 wird häufig zum gleichen Preis wie ungemischtes Benzin verkauft, was preissensiblen Verbrauchern kaum einen Anreiz bietet. Die Regierung und sechs große Automobilhersteller wiesen die Beschwerden auf einer gemeinsamen Pressekonferenz als „irreführend" und „Social-Media-Fehlinformation" zurück. Unabhängige wissenschaftliche Studien, die den Streit beilegen könnten, fehlen jedoch bislang. Kurzzeitig verschärfte der Versicherer ICICI Lombard die Verunsicherung, indem er die Nutzung von E20 in nicht kompatiblen Fahrzeugen als mögliche „Fahrlässigkeit" einstufte – eine Aussage, die später zurückgezogen wurde.

FDI-Boom mit regionaler Konzentration

Auf der makroökonomischen Ebene verzeichnete Indien 2025 einen Anstieg der ausländischen Direktinvestitionen (FDI) um 44 Prozent auf insgesamt 39 Milliarden US-Dollar. Zwei Großprojekte dominierten dabei das Bild: ein 14,5-Milliarden-Dollar-Rechenzentrum von Alphabet Inc. sowie eine 4-Milliarden-Dollar-Investition in grünen Wasserstoff durch den polnischen Entwickler Hynfra. Beide Projekte sind im Bundesstaat Andhra Pradesh angesiedelt – regiert von einem engen politischen Verbündeten Modis.

Die UN-Handelsagentur UNCTAD wies jedoch auf einen gleichzeitigen Rückgang bei Greenfield-Investitionen hin, was auf eine vorsichtigere langfristige Haltung ausländischer Kapitalgeber hindeutet. Die Konzentration der Großprojekte in einem einzigen Bundesstaat wirft zudem Fragen über die Rolle regionaler politischer Allianzen im indischen Investitionsklima auf.

Indiens aktueller Kurs zeigt eine Regierung, die auf schnelle, großangelegte Industrie- und Energiereformen setzt. Der Erfolg dieser Initiativen wird maßgeblich davon abhängen, ob es gelingt, staatliche Vorgaben mit den technischen und wirtschaftlichen Realitäten der Bevölkerung in Einklang zu bringen.

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