Indian Oil kauft erstmals kolumbianisches Rohöl
Optionaler Ecopetrol-Vertrag wird vor sinkenden Russlandimporten aktiviert

Indian Oil Corporation hat erstmals Rohöl aus Kolumbien im Rahmen eines optionalen Liefervertrags mit dem staatlichen Energiekonzern Ecopetrol erworben. Zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen erklärten, dass der Kauf Teil der Bemühungen des indischen Raffineriekonzerns ist, seine Bezugsquellen zu diversifizieren. Hintergrund sind strengere Sanktionen der Vereinigten Staaten und der Europäischen Union gegen russische Produzenten und Schiffe, die den Import russischen Öls zunehmend beeinträchtigen.
Indische Raffinerien suchen verstärkt nach alternativen Rohölquellen, da Lieferungen aus Russland durch regulatorische Einschränkungen und logistische Hürden unter Druck geraten. Nach Angaben des Schiffsdatendienstes Kpler werden Indiens Importe russischen Rohöls im Dezember auf rund 1,2 Millionen Barrel pro Tag sinken und damit den niedrigsten Stand seit drei Jahren erreichen. Im November hatten die Einfuhren noch bei 1,84 Millionen Barrel pro Tag gelegen.
Im Zuge dieser Entwicklung hat Indian Oil Corporation nach Angaben der Quellen zwei Millionen Barrel der kolumbianischen Sorte Castilla gekauft. Die Lieferung ist für Ende Februar vorgesehen. Der Raffineriekonzern verfügt über einen optionalen Vertrag zum Bezug von insgesamt rund zwölf Millionen Barrel, was der Ladekapazität von sechs Very Large Crude Carriers entspricht. Ein einzelner VLCC kann etwa zwei Millionen Barrel Rohöl transportieren.
Der zugrunde liegende Liefervertrag wurde Ende 2021 abgeschlossen und seitdem jährlich verlängert. Die konkreten Konditionen, einschließlich der Preisgestaltung, müssen nach Angaben der Quellen jeweils von Käufer und Verkäufer gemeinsam festgelegt werden. Südamerikanische Rohölsorten waren dabei in der Vergangenheit häufig weniger wettbewerbsfähig als Lieferungen aus Russland oder dem Nahen Osten, was erklärt, warum indische Raffinerien nur selten auf diese Optionen zurückgegriffen haben.
Indian Oil deckt den Großteil seines Rohölbedarfs traditionell über Russland und den Nahen Osten. Obwohl das Unternehmen optionale Kaufverträge mit Lieferanten aus Mexiko, Brasilien und Kolumbien hält, wurden diese bislang nur vereinzelt genutzt. Der aktuelle Kauf aus Kolumbien markiert daher eine Ausnahme und spiegelt die veränderten Marktbedingungen wider.
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Zur AktienanalyseSowohl Indian Oil als auch Ecopetrol reagierten nicht auf Anfragen zu dem Geschäft. Die Entwicklung zeigt jedoch, dass indische Raffinerien angesichts geopolitischer und regulatorischer Veränderungen verstärkt prüfen, bestehende Vertragsoptionen zu aktivieren, um ihre Versorgungssicherheit zu gewährleisten.

