Income Stacking: Warum Generation Z mehrere Jobs gleichzeitig jongliert
Immer mehr junge Amerikaner setzen auf mehrere Einkommensquellen – aus finanzieller Notwendigkeit und als Absicherung gegen einen unbeständigen Arbeitsmarkt.

Timeka Gomillion arbeitet gleichzeitig als Platzanweiserin in einem Veranstaltungszentrum und als Empfangsdame im Studentenzentrum – und das, während sie ihr Studium der Computertechnik an der University of the District of Columbia abschließt. Die 35-Jährige übt mehrere Jobs aus finanzieller Notwendigkeit aus. Angesichts steigender Lebenshaltungskosten plant sie, auch nach dem Einstieg in ihren eigentlichen Berufsbereich mehrere Tätigkeiten beizubehalten.
Gomillion steht stellvertretend für eine wachsende Zahl von Amerikanern, die sogenanntes „Income Stacking" betreiben – also mehrere Jobs gleichzeitig annehmen, um finanzielle Sicherheit aufzubauen. Das Konzept umfasst dabei verschiedene Modelle: ein Side Hustle oder eine freiberufliche Tätigkeit zusätzlich zu einem Vollzeitjob, aber auch die Kombination mehrerer Teilzeitstellen.
Nach einem Rückgang während der Coronavirus-Pandemie ist der Anteil der Mehrfachbeschäftigten in den USA zuletzt wieder gestiegen. Im April arbeiteten laut dem Bureau of Labor Statistics fast 8,4 Millionen US-Erwachsene in mehreren Jobs – das entspricht rund 5,2 Prozent der gesamten Erwerbsbevölkerung.
Digitale Plattformen als Treiber des Trends
Plattformen wie DoorDash und Uber für Lieferdienste, Fiverr und Upwork für freiberufliche Tätigkeiten sowie TaskRabbit für Gelegenheitsarbeiten haben den Einstieg ins Income Stacking erheblich erleichtert. Auch Tätigkeiten als Social-Media-Influencer zählen zu den neuen Wegen, zusätzliches Einkommen zu erzielen. Diese digitalen Marktplätze senken die Hürde, neben einem Hauptjob flexibel weitere Einnahmen zu generieren.
Einige Income Stacker nutzen die Mehrfachbeschäftigung auch gezielt zur Weiterbildung. Der 19-jährige Aidan Hoo arbeitet in drei Jobs als Audio-Video- und Rundfunktechniker, während er auf einen Abschluss in Informatik am Northern Virginia Community College hinarbeitet. „Die Annahme von Jobs hilft mir vor allem dabei, mein Studium zu finanzieren, aber es hilft mir auch, neue Fähigkeiten zu erlernen", sagte Hoo.
Generation Z setzt auf Diversifikation der Einkommensquellen
Eine Umfrage des Freelancer-Marktplatzes Fiverr aus dem Jahr 2025 unterstreicht, wie tief das Phänomen in der jüngeren Generation verwurzelt ist. 64 Prozent der befragten US-Amerikaner der Generation Z gaben an, dass mehrere Einkommensquellen für die finanzielle Sicherheit unerlässlich seien. Mehr als die Hälfte – 55 Prozent – glaubt zudem, dass traditionelle Beschäftigungsverhältnisse künftig obsolet werden. 39 Prozent der Befragten gaben an, bereits freiberuflich tätig zu sein oder dies zu planen. Für die Studie befragte Fiverr 5.001 Personen der Generation Z sowie 2.000 Personen der Generation Alpha in den USA.
Als Treiber des Trends gelten neben den steigenden Lebenshaltungskosten auch Sorgen über die Auswirkungen künstlicher Intelligenz auf Arbeitsplätze sowie eine Welle von Massenentlassungen in verschiedenen Branchen. Viele Arbeitnehmer suchen daher nach alternativen Einkommensquellen, um im Bedarfsfall schnell umschwenken zu können.
„Ich denke, das ist ein Symptom des Arbeitsmarktes. Er ist schon seit einiger Zeit unbeständig", sagte Paul Wolfe, ehemaliger Personalchef und Autor des Buches „Human Beings First". Wolfe betont, dass auch Unternehmen vom Income Stacking ihrer Mitarbeiter profitieren können – nämlich dann, wenn die zusätzlichen Jobs dazu beitragen, neue Fähigkeiten aufzubauen und vorhandene Talente breiter einzusetzen.
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Zur AktienanalyseOffene Kommunikation als Schlüssel für Arbeitgeber
Wolfe plädiert dafür, dass Arbeitgeber das Thema Nebentätigkeiten offen ansprechen, anstatt es zu reglementieren. „Wenn man es kontrolliert, verstecken die Leute es einfach", sagte er. Ein besserer Ansatz sei Transparenz: „Lassen Sie uns offenlegen, was Sie tun. Und wenn wir auf ein Problem stoßen, vereinbaren wir, dass wir darüber sprechen."
Für Aidan Hoo hat das Income Stacking bereits konkrete Früchte getragen: Er hat ein Stipendium erhalten, das nach seinem Abschluss in einer Vollzeitstelle beim US-Verteidigungsministerium münden wird. Dennoch möchte er seine Nebentätigkeiten im Audio-Video-Bereich nicht aufgeben. „Bei jedem einzelnen Auftrag lerne ich, wie eine bestimmte Software oder Hardware funktioniert", sagte er. Für viele junge Arbeitnehmer ist Income Stacking damit längst mehr als ein finanzielles Sicherheitsnetz – es ist eine Strategie zur persönlichen und beruflichen Weiterentwicklung.


