IG Metall setzt auf Kompromisse: Gewerkschaft sucht Dialog mit Wirtschaft
Die IG Metall zeigt sich in der Wirtschaftskrise kompromissbereit. Gewerkschaftschefin Christiane Benner kündigt neue Wege an, will aber beim Arbeitsschutz keine Abstriche machen.

Die größte Einzelgewerkschaft der Welt ändert ihren Kurs: Die IG Metall mit ihren gut zwei Millionen Mitgliedern setzt in der aktuellen Wirtschaftskrise auf Dialog statt Konfrontation. Bei der Jahrespressekonferenz in Frankfurt signalisierte die Gewerkschaftsführung deutliche Kompromissbereitschaft gegenüber Politik und Industrie.
Neue Strategie mit klaren Grenzen
"Wir sind bereit, mit Politik und Industrie jeden Stein umzudrehen und neue Wege zu gehen", erklärte Gewerkschaftsvorsitzende Christiane Benner. Die rote Linie zieht die IG Metall jedoch beim Arbeits- und Gesundheitsschutz. Hier will die Organisation keine Kompromisse eingehen.
Tarifvorständin Nadine Boguslawski warb für flexible, betriebsindividuelle Lösungen im Rahmen bestehender Tarifverträge. "Mit denen setzen wir uns gerne lösungsorientiert an den Tisch", so Boguslawski. Die Drohgebärden der Gewerkschaft fielen deutlich moderater aus als in der Vergangenheit.
Fokus auf Innovation und Investitionen
Die IG Metall fordert eine "gemeinsame Kraftanstrengung für Innovation und Investition". Benner warnte eindringlich vor weiterem Industrieabbau in Deutschland. Die Gewerkschaft plant regionale Initiativen gemeinsam mit den Ministerpräsidenten, um zukunftsfähige Unternehmen zu fördern.
"Wir wollen einen Beitrag leisten, dass wir den ökologischen Wandel in Arbeitsplätze ummünzen", erklärte die Vorsitzende. Sie räumte jedoch ein: "Da gibt es eine kleine Glaubenskrise bei unseren Leuten, weil die gerade sehen, dass sie ihre Arbeitsplätze verlieren."
Strengere Kontrolle von Subventionen gefordert
Bei der Vergabe staatlicher Fördergelder fordert die IG Metall schärfere Kontrollen. Es sei "schizophren", wenn mit Steuergeld Unternehmensverlagerungen in Billigländer finanziert würden, kritisierte Benner. Subventionen sollten künftig nur noch fließen, wenn Empfänger sich verpflichten, wesentlich zum Wohlstand beizutragen.
Diese Forderung deckt sich mit Überlegungen von Wirtschaftsverbänden und der Europäischen Kommission. Die Gewerkschaft positioniert sich damit als konstruktiver Partner in der Industriepolitik.
AfD-Thema wird zurückhaltend behandelt
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Zur AktienanalyseDas Thema AfD spielte bei der Pressekonferenz eine untergeordnete Rolle. Vorstandsmitglied Ralf Reinstädtler stellte klar: "Wir wollen keinen Klassenkampf innerhalb der Klasse." Er bestätigte zwar den Zuspruch zur AfD aus dem Arbeitermilieu, betonte aber: "Betriebsratswahlen sind kein Spielplatz für politische Brandstiftung."
Mitgliederschwund als Herausforderung
Die IG Metall kämpft mit einem deutlichen Mitgliederschwund. Im vergangenen Jahr verlor die Gewerkschaft netto 81.000 Mitglieder - ein Rückgang von 3,9 Prozent. Rund 175.000 Mitglieder traten aus oder verstarben, während nur 93.000 neu eintraten.
Die Mitgliedschaft kostet ein Prozent des Bruttogehalts. Mit 150 Büros bundesweit und professionellem Personal verfügt die Organisation über einen gut funktionierenden Apparat mit engen Kontakten zu Unternehmen, Wirtschaftsverbänden und Politik.


