IG Metall protestiert bei Mercedes-Benz gegen verschärften Sparkurs
Kundgebungen in Sindelfingen und Stuttgart: Die Gewerkschaft wehrt sich gegen einseitige Sparmaßnahmen auf Kosten der Belegschaft.

Die IG Metall macht mobil gegen Mercedes-Benz. Die Gewerkschaft ruft die Beschäftigten des Stuttgarter Autobauers im Südwesten zu Protesten auf. An diesem Freitag finden Kundgebungen an den Standorten Sindelfingen und Untertürkheim statt. Zusätzlich ist eine nicht öffentliche, digitale Kundgebung geplant.
Auslöser ist eine erneute Verschärfung des Sparkurses bei Mercedes. „Aus Sicht der IG Metall richten sich diese Maßnahmen einseitig gegen die Beschäftigten und stellen zentrale tarifliche Errungenschaften infrage", erklärte die örtliche Gewerkschaftsvertretung in Stuttgart. Der Konflikt zwischen Unternehmensführung und Arbeitnehmerseite eskaliert damit spürbar.
Vorstand fordert mehr Arbeit für gleiches Geld
Ende vergangener Woche wandte sich der Mercedes-Vorstand in einem Schreiben direkt an die Belegschaft in Deutschland. Die Botschaft war unmissverständlich: Man müsse „weiterhin mit Hochdruck die Kosten senken", um bei den Produktpreisen wettbewerbsfähig zu bleiben. „Trotz all unserer Anstrengung ist die Situation heute in Deutschland dramatisch", hieß es darin.
Besonders brisant: Der Vorstand forderte die Beschäftigten auf, künftig für dasselbe Gehalt mehr zu leisten. „Der direkteste und in unseren Augen fairste Weg: Wir sollten in allen Bereichen für das gleiche Geld mehr arbeiten", so die Unternehmensführung wörtlich. Zudem kündigte der Vorstand an, Prozesse „radikal beschleunigen" und gewachsene Strukturen verschlanken zu wollen.
Als konkrete Sofortmaßnahme wird rund 90.000 der etwa 108.000 deutschen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die erwartete tarifliche Sonderzahlung im Juli gestrichen – zumindest vorerst. Die Zahlung wird auf das kommende Jahr verschoben. Dabei handelt es sich um den sogenannten „Transformationsbaustein", der 18,4 Prozent des regelmäßigen individuellen Monatsentgelts beträgt. Laut IG Metall ist eine solche Verschiebung in Betrieben mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten tarifvertraglich zwar möglich – aus Gewerkschaftssicht aber dennoch ein Angriff auf erkämpfte Errungenschaften.
Gewinneinbruch und wachsender Druck
Der Sparkurs kommt nicht von ungefähr. Mercedes kämpft seit geraumer Zeit mit erheblichem Gegenwind. Im ersten Quartal dieses Jahres sank das Konzernergebnis um 17,2 Prozent. Noch gravierender war die Entwicklung im Gesamtjahr 2025: Der Gewinn brach um knapp die Hälfte ein – von 10,4 Milliarden Euro auf nur noch 5,3 Milliarden Euro. Bereits 2024 hatte das Unternehmen schwächere Zahlen verbucht.
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Zur AktienanalyseAls Hauptbelastungsfaktoren nennt der Konzern US-Zölle, negative Wechselkurseffekte sowie den intensiven Wettbewerb auf dem chinesischen Markt. Auch Absatz und Umsatz entwickelten sich rückläufig. Für Privatanleger, die die Mercedes-Benz-Aktie im Depot halten, sind das keine ermutigenden Signale.
Vor etwas mehr als einem Jahr hatte Mercedes bereits ein erstes Sparprogramm aufgelegt, das intern unter dem Namen „Next Level Performance" firmiert. Die nun angekündigten Maßnahmen stellen eine weitere Verschärfung dieses Kurses dar. In den kommenden Wochen und Monaten will der Vorstand mit der Arbeitnehmervertretung über die langfristige Zukunftsfähigkeit des Unternehmens in Deutschland verhandeln – der Ausgang dieser Gespräche dürfte auch für die Börse von Bedeutung sein.


