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IEA warnt vor Kerosinknappheit: Europas Airlines unter Druck

Drohende Treibstoffengpässe und explodierende Kerosinpreise zwingen europäische Fluggesellschaften zu drastischen Sparmaßnahmen.

IEA warnt vor Kerosinknappheit: Europas Airlines unter Druck

Die Internationale Energieagentur (IEA) schlägt Alarm: Bestimmten europäischen Ländern drohen in den nächsten sechs Wochen physische Kerosinengpässe, sollte der Zugang zur Straße von Hormus weiterhin eingeschränkt bleiben. Der Nahe Osten deckt laut IEA rund 75% des europäischen Kerosinverbrauchs ab – eine gefährliche Abhängigkeit, die nun in der sommerlichen Hauptreisezeit voll zum Tragen kommt.

Die Lage an den Energiemärkten hat sich seit dem Ausbruch des Krieges zwischen den USA und dem Iran Ende Februar dramatisch verschärft. Brent-Rohöl verteuerte sich gegenüber dem Januardurchschnitt um mehr als 50%. Kerosin an der US-Golfküste liegt sogar rund 90% über dem Januardurchschnitt – und übertrifft damit die ohnehin schon massiven Preissteigerungen beim Rohöl noch deutlich.

Lufthansa, EasyJet und KLM reagieren

Europas Fluggesellschaften ergreifen angesichts der Kostenlawine erste Gegenmaßnahmen. Lufthansa kündigte an, den Betrieb von CityLine einzustellen, wodurch 27 Regionaljets ausgemustert werden. Zusätzlich plant der Konzern, vier A340 und zwei Boeing 747 außer Dienst zu stellen sowie neun A350 an Discover Airlines zu übertragen. Laut Analysten von Jefferies unter der Leitung von Sheila Kahyaoglu sichern die Passagierfluggesellschaften der Lufthansa ihren Treibstoffbedarf zu etwa 80% ab, wobei der nicht abgesicherte Anteil um rund 10% reduziert werden soll.

EasyJet hat den Krieg und die gestiegenen Treibstoffkosten als Belastungsfaktor für längerfristige Buchungen identifiziert. Die Reservierungen für das spätere Jahr liegen nach Unternehmensangaben bereits 2% unter dem Vorjahresniveau. KLM wiederum reduzierte die Kapazitäten für den nächsten Monat um 80 europäische Hin- und Rückflüge – das entspricht weniger als 1% der europäischen Gesamtkapazität, signalisiert aber die Richtung, in die sich die Branche bewegt.

Branche fordert politische Entlastung

Der Branchenverband Airlines for Europe, dem unter anderem Lufthansa, Air France-KLM und EasyJet angehören, hat die Europäische Union zu konkreten Maßnahmen aufgefordert. Auf der Forderungsliste stehen eine EU-weite Überwachung der Kerosinvorräte, die vorübergehende Aussetzung des EU-Emissionshandels für den Luftverkehr sowie die Senkung von Luftverkehrssteuern.

Nicht alle europäischen Länder sind gleich stark betroffen. Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Spanien, die Türkei und Italien decken laut Jefferies zusammen 63% ihres Eigenbedarfs durch heimische Raffinerien. Das bietet einen relativen Schutz gegen Lieferunterbrechungen aus dem Nahen Osten. Gleichzeitig suchen europäische Länder bereits nach alternativen Bezugsquellen – Handelsdaten zeigen einen Anstieg der Kerosinimporte aus anderen Regionen, insbesondere aus den Vereinigten Staaten.

Ticketpreise könnten um über 30% steigen

Die Rechnung für Flugreisende könnte empfindlich ausfallen. Bei einem Kerosinpreis von 4,50 US-Dollar pro Gallone schätzt Jefferies, dass eine vollständige Wiederherstellung der Margen auf das Niveau, als Treibstoff noch 2,50 Dollar pro Gallone kostete, Preiserhöhungen bei Flugtickets von mehr als 30% erfordern würde. Für deutsche Urlauber, die in der Hauptreisesaison buchen, könnte das spürbare Mehrkosten bedeuten.

Die Kombination aus geopolitischer Unsicherheit, drohenden Versorgungsengpässen und explodierenden Treibstoffkosten stellt die europäische Luftfahrtbranche vor eine der größten Herausforderungen seit der Corona-Pandemie. Wie stark die Belastungen letztlich auf die Verbraucher durchschlagen, hängt maßgeblich davon ab, wie schnell alternative Versorgungswege erschlossen werden können und ob die Politik mit gezielten Entlastungsmaßnahmen eingreift.

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