IEA-Chef: Iran-Krieg löst größte Energiekrise der Geschichte aus
IEA-Direktor Birol warnt: Der Konflikt zwischen Iran, USA und Israel übertrifft alle bisherigen Energiekrisen der Geschichte.

Der Chef der Internationalen Energieagentur (IEA), Fatih Birol, hat den aktuellen Energiekonflikt als die schwerste Krise bezeichnet, die die Welt je erlebt hat. „Dies ist in der Tat die größte Krise der Geschichte", sagte Birol in einem am Dienstag ausgestrahlten Interview mit dem französischen Radiosender France Inter. Auslöser ist der Krieg zwischen dem Iran, den Vereinigten Staaten und Israel.
Birol betonte, dass die Krise durch das Zusammentreffen mehrerer Schocks entstanden sei. „Die Krise ist bereits gewaltig, wenn man die Auswirkungen der Benzinkrise und der Gaskrise im Zusammenhang mit Russland kombiniert", erklärte er. Damit verwies er auf die doppelte Belastung durch den Nahost-Konflikt und den anhaltenden russischen Krieg gegen die Ukraine.
Straße von Hormus als kritischer Engpass
Der Krieg im Nahen Osten hat den Schiffsverkehr in der Straße von Hormus blockiert – einer der wichtigsten Energierouten der Welt. Über diese Meerenge wird ein Fünftel der weltweiten Öl- und Flüssiggasströme transportiert. Eine Blockade dieser Route trifft damit nicht nur einzelne Länder, sondern die gesamte globale Energieversorgung unmittelbar.
Hinzu kommen die Folgen des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine, der bereits die russischen Gaslieferungen nach Europa massiv unterbrochen hatte. Europa hatte in den vergangenen Jahren erhebliche Anstrengungen unternommen, um seine Abhängigkeit von russischem Gas zu reduzieren – nun droht eine neue, noch umfassendere Versorgungskrise.
Historischer Vergleich: Schlimmer als 1973, 1979 und 2022
Birol hatte bereits Anfang April die Dimension der aktuellen Lage eingeordnet. Er erklärte, dass er die aktuelle Situation auf den globalen Energiemärkten als gravierender einschätze als die Ölkrisen von 1973 und 1979 sowie die Energiekrise des Jahres 2022 – zusammengenommen. Die Ölkrise von 1973 hatte damals in vielen westlichen Ländern zu Fahrverboten und Rezessionen geführt; die Krise von 1979 folgte auf die Iranische Revolution und ließ die Ölpreise weltweit explodieren.
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Zur AktienanalyseAls direkte Reaktion auf den aktuellen Preisanstieg hat die IEA im März eine Rekordmenge von 400 Millionen Barrel Öl aus den strategischen Reserven ihrer Mitgliedsländer zur Freigabe genehmigt. Dieser Schritt soll den durch den Krieg verursachten Anstieg der Ölpreise dämpfen und die Versorgungssicherheit kurzfristig stabilisieren.
Für deutsche Verbraucher und Unternehmen bedeutet die Eskalation im Nahen Osten erhebliche Unsicherheiten. Steigende Energiepreise belasten sowohl die Haushaltskassen als auch die energieintensive Industrie. Deutschland, das bereits stark von den Folgen des Ukraine-Krieges betroffen war, steht erneut vor der Herausforderung, seine Energieversorgung unter schwierigen geopolitischen Bedingungen zu sichern.


