IEA-Chef fordert bedingungslose Wiedereröffnung der Straße von Hormus
Fatih Birol begrüßt das Iran-Friedensabkommen und mahnt zur Wiederherstellung des Vertrauens auf globalen Energiemärkten.

Fatih Birol, der Leiter der Internationalen Energieagentur (IEA), hat am Donnerstag das Interimsabkommen zur Beendigung des Iran-Krieges ausdrücklich begrüßt. Auf einer Veranstaltung in Istanbul forderte er gleichzeitig die bedingungslose Wiedereröffnung der Straße von Hormus. Die strategisch bedeutende Meerenge war während des Krieges vom Iran geschlossen worden und hatte damit die größte Ölversorgungsunterbrechung der Geschichte ausgelöst.
Birol betonte, dass „Vertrauen" auf den globalen Energiemärkten von entscheidender Bedeutung sei. Seit dem Friedensabkommen sind die Energiepreise bereits gesunken – ein Zeichen dafür, wie stark die Märkte auf die geopolitische Entspannung reagieren. Die Meerenge müsse „ohne Bedingungen" wiedereröffnet werden, damit alle Parteien „darauf vertrauen können, dass sie sicher ist", so der IEA-Chef.
Historische Zäsur für die globale Energieversorgung
Das Friedensabkommen sieht vor, dass Teheran die Meerenge wieder öffnet und die USA im Gegenzug ihre Seeblockade gegen den Iran aufheben. Laut IEA-Schätzungen blockierte der Iran-Krieg, der am 28. Februar mit US-israelischen Angriffen begann, mehr als 14 Millionen Barrel der täglichen Ölförderung im Nahen Osten. Das entspricht einem erheblichen Anteil der weltweiten Ölversorgung und verdeutlicht die immense strategische Bedeutung der Straße von Hormus.
Birol warnte jedoch trotz der positiven Entwicklung vor übertriebener Sorglosigkeit. „Die Vase ist zerbrochen", sagte er. „Jetzt wissen alle Akteure, dass die Straße von Hormus einmal geschlossen war und sie jederzeit wieder gesperrt werden kann." Diese Aussage macht deutlich, dass das Abkommen zwar Erleichterung bringt, das strukturelle Risiko für die globale Energieversorgung aber langfristig bestehen bleibt.
Energiepolitik weltweit wird neu bewertet
Die Krise hat nach Birols Worten die globale Energiekarte neu gezeichnet. Mehrere Länder würden nun ihre Energiepolitik überprüfen, da offensichtlich sei, dass die Wasserstraße potenziell erneut gesperrt werden könnte. Die IEA werde mit verschiedenen Ländern neue Strategien erörtern, um auf künftige Versorgungsunterbrechungen besser vorbereitet zu sein.
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Zur AktienanalyseFür deutsche und europäische Verbraucher ist die Entwicklung von besonderer Relevanz. Deutschland ist als Industrienation stark von stabilen Energieimporten abhängig, und Verwerfungen am globalen Ölmarkt wirken sich direkt auf Kraftstoff- und Energiepreise aus. Die Wiedereröffnung der Straße von Hormus könnte daher auch hierzulande für eine spürbare Entspannung an den Energiemärkten sorgen.
Birol schloss mit dem Hinweis, dass die IEA nun „die Details des Abkommens und des Verhandlungsprozesses sowie den weiteren Verlauf beobachten" werde. Die internationale Gemeinschaft blickt gespannt darauf, ob das Interimsabkommen in ein dauerhaftes Friedensarrangement mündet und die Stabilität der globalen Energieversorgung langfristig gesichert werden kann.


