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IATA warnt: Volatile Kerosinpreise bedrohen Fluggesellschaften weltweit

Explodierende Crack-Spreads und Treibstoffengpässe setzen Airlines unter Druck – Hedging schützt nur bedingt vor den Folgen.

IATA warnt: Volatile Kerosinpreise bedrohen Fluggesellschaften weltweit

Die internationale Luftfahrtbranche steht unter massivem Druck durch volatile Kerosinpreise. Die International Air Transport Association (IATA) warnte am Mittwoch, dass viele Fluggesellschaften nicht in der Lage seien, sich durch Hedging-Geschäfte ausreichend abzusichern. Daniel Chereau, Leiter der Treibstoffabteilung der IATA, machte diese Einschätzung auf der S&P Global Energy Middle East Petroleum and Gas Conference öffentlich.

Chereau betonte, dass Airlines mit komplexeren Hedging-Strategien zwar über einen gewissen Schutz verfügen. Viele Fluggesellschaften seien jedoch den Preisschwankungen weitgehend schutzlos ausgeliefert. Besonders die gestiegenen Gewinnmargen der Raffinerien für Kerosin – sogenannte Crack-Spreads – hätten der gesamten Luftfahrtindustrie erheblich geschadet.

Rekordhohe Crack-Spreads als Haupttreiber der Krise

Die Crack-Spreads für Kerosin in Nordwesteuropa erreichten im März laut LSEG-Daten ein Rekordhoch von über 121 US-Dollar pro Barrel. Zum Vergleich: Vor Beginn des Iran-Krieges Ende Februar lagen diese noch bei rund 30 US-Dollar pro Barrel. Damit hat sich die Raffineriemarge innerhalb weniger Wochen mehr als vervierfacht – ein historisch beispielloser Anstieg.

Der Crack-Spread bezeichnet die Differenz zwischen dem Preis für Rohöl und dem Verkaufspreis der daraus gewonnenen Produkte wie Kerosin. Je höher dieser Spread, desto teurer wird der Treibstoff für die Airlines – unabhängig vom eigentlichen Rohölpreis. Für Fluggesellschaften, die Kerosin als größten Einzelkostenfaktor haben, sind solche Ausschläge existenzbedrohend.

Naher Osten als kritischer Engpass im globalen Kerosinmarkt

Ein wesentlicher Grund für den Preisanstieg liegt in der geopolitischen Lage im Nahen Osten. Die Region liefert einen großen Teil des weltweiten Kerosinangebots. Durch die Schließung der Straße von Hormus sowie Angriffe auf Energieanlagen wurden die Produktions- und Exportkapazitäten der Region drastisch reduziert. Dies hat die globalen Versorgungsketten für Flugkraftstoff erheblich gestört.

Einige Flughäfen in bestimmten Regionen seien laut IATA sogar von vorübergehenden Treibstoffengpässen betroffen gewesen. Das zeigt, wie direkt sich die geopolitischen Verwerfungen auf den operativen Betrieb der Luftfahrt auswirken.

Nachfragerückgang und gestrichene Flüge

Die Folgen für den Luftverkehr sind bereits spürbar. Chereau sprach von einer Nachfragezerstörung im Luftfahrtsektor, auch wenn diese nicht ausschließlich auf die Kerosinpreise zurückzuführen sei. Fluggesellschaften hätten Flüge gestrichen, was den Rückgang der Passagiernachfrage weiter verstärke.

Für deutsche Privatanleger, die in Luftfahrtaktien oder entsprechende ETFs investiert sind, verdeutlicht die aktuelle Lage das erhebliche Rohstoffpreisrisiko der Branche. Airlines sind strukturell stark von Energiepreisen abhängig und können Kostensteigerungen nur begrenzt und zeitverzögert an Passagiere weitergeben. Die Kombination aus geopolitischer Unsicherheit, eingeschränkten Hedging-Möglichkeiten und sinkender Nachfrage stellt die Branche vor eine der schwierigsten Phasen seit der Corona-Pandemie.

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