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IATA-Chef warnt: Kerosinversorgung bleibt trotz Hormus-Waffenstillstand angespannt

Selbst bei dauerhafter Wiedereröffnung der Straße von Hormus könnte die Normalisierung der Kerosinversorgung noch Monate dauern.

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IATA-Chef warnt: Kerosinversorgung bleibt trotz Hormus-Waffenstillstand angespannt

Die Sperrung der Straße von Hormus durch den Iran hat die weltweite Kerosinversorgung massiv gestört und die Flugbranche unter erheblichen Druck gesetzt. Treibstoff ist nach den Personalkosten der zweitgrößte Ausgabenposten für Fluggesellschaften und macht laut der International Air Transport Association (IATA) in der Regel rund 27% der Betriebskosten aus. Die Kerosinpreise haben sich seit dem Iran-Konflikt mehr als verdoppelt und damit den Anstieg der Rohölpreise von rund 50% deutlich übertroffen.

US-Präsident Donald Trump erklärte, er habe einem zweiwöchigen Waffenstillstand mit dem Iran zugestimmt, der an die Bedingung einer sofortigen und sicheren Wiedereröffnung der Straße von Hormus geknüpft sei. Daraufhin fiel der Ölpreis unter 100 US-Dollar pro Barrel. Die Aussicht auf eine sichere Durchfahrt durch Hormus ließ Airline-Aktien weltweit kräftig steigen.

Airline-Aktien mit deutlichen Kursgewinnen

Die Nachrichten beflügelten insbesondere asiatische Fluggesellschaften an der Börse. Die australische Qantas Airways sprang um mehr als 9% nach oben, die indische IndiGo legte sogar um bis zu 10% zu. Air New Zealand stieg um über 4%, während Cathay Pacific aus Hongkong um 5% kletterte.

Trotz der positiven Marktsignale dämpfte IATA-Generaldirektor Willie Walsh die Erwartungen auf einer Pressekonferenz in Singapur. Er rechne zwar mit sinkenden Rohölpreisen, die Kosten für Kerosin würden jedoch aufgrund der Auswirkungen auf die Raffinerien wahrscheinlich leicht erhöht bleiben. „Sollte sie wieder geöffnet werden und offen bleiben, wird es meines Erachtens angesichts der Unterbrechungen der Raffineriekapazitäten im Nahen Osten noch Monate dauern, bis das Angebot wieder das erforderliche Niveau erreicht", so Walsh.

Fluggesellschaften in ganz Asien haben bereits auf die Versorgungsknappheit reagiert: Sie streichen Flüge, führen zusätzlichen Treibstoff von ihren Heimatflughäfen mit und legen Zwischenstopps zum Auftanken ein. All das erhöht die Betriebskosten und belastet die ohnehin durch gestiegene Kerosinpreise geforderte Branche zusätzlich.

Kein Vergleich mit der COVID-Pandemie

Walsh wies Vergleiche mit der COVID-19-Pandemie entschieden zurück. „Dies ist nicht mit COVID vergleichbar. Dies ist keine Krise, die auch nur annähernd an das heranreicht, was wir während COVID erlebt haben", sagte er. „Während COVID sank die Kapazität um 95%, weil die Grenzen geschlossen wurden. Davon sind wir weit entfernt."

Stattdessen zog Walsh Parallelen zu anderen historischen Schocks: Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 habe die Erholung der Branche etwa vier Monate gedauert, nach dem Abschwung von 2008 bis 2009 seien es 10 bis 12 Monate gewesen. Diese Einordnung gibt deutschen Anlegern und Beobachtern einen wichtigen Maßstab für die mögliche Dauer der aktuellen Störungen.

Die Golf-Airlines, die im vergangenen Jahr 14,6% der internationalen Flugkapazität stellten, sind besonders stark betroffen. Walsh betonte jedoch, dass die Kapazitätseinbußen vorübergehend seien. „Ich gehe fest davon aus, dass sich die Drehkreuze am Golf erholen werden, und zwar schnell", sagte er. Ein Teil der wegfallenden Kapazität könne durch Fluggesellschaften von außerhalb der Region ersetzt werden, jedoch nicht vollständig.

**Raffinerien brauchen Zeit zur Anpassung

Zur Frage der Raffineriekapazitäten erklärte Walsh, dass eine dauerhafte Wiedereröffnung der Meerenge nicht nur für Rohölströme, sondern auch für raffinierte Produkte wie Kerosin positiv wäre. „Es wird einige Zeit dauern, bis sich die Raffinerien außerhalb der Region angepasst und ihre Produktion gesteigert haben", sagte er. Als mögliche Ausweichproduzenten nannte er Indien und Nigeria, die in der Zwischenzeit die Produktion von raffinierten Produkten erhöhen könnten.

Walsh äußerte zudem die Erwartung, dass China und Südkorea den Export von raffinierten Produkten wieder aufnehmen, sobald die Rohölströme wieder fließen. Angesichts des derzeit hohen sogenannten Crack-Spreads – also der Raffineriemargen – sieht er einen starken wirtschaftlichen Anreiz für Raffinerien, die Kerosinproduktion zu steigern. Für die Flugbranche und ihre Aktionäre bleibt die Lage damit vorerst angespannt, auch wenn die Waffenstillstandsnachricht kurzfristig für Erleichterung gesorgt hat.

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