Hybridautos boomen in den USA: Benzinpreise treiben Nachfrage
Steigende Spritpreise in den USA beflügeln den Hybridmarkt – Elektroautos hingegen enttäuschen trotz Vier-Jahres-Hochs beim Benzinpreis.

Der Absatz von Hybridfahrzeugen in den USA hat seit Beginn des Nahostkonflikts Ende Februar einen bemerkenswerten Sprung gemacht. Laut Daten des Marktforschungsunternehmens Motor Intelligence stiegen die Verkäufe in den zwei Monaten nach Kriegsbeginn um 37% – und übertrafen damit deutlich das Wachstum des gesamten US-Automobilmarkts, der im gleichen Zeitraum um 15% zulegte.
Treiber dieser Entwicklung sind die stark gestiegenen Benzinpreise in den USA. Die American Automobile Association verzeichnete Ende April einen Preis von über 4 US-Dollar pro Gallone – ein Vier-Jahres-Hoch. Verbraucher reagieren auf die höheren Spritkosten, indem sie vermehrt nach kraftstoffsparenden Alternativen suchen.
Elektroautos bleiben hinter den Erwartungen
Vollelektrische Fahrzeuge konnten von der gestiegenen Nachfrage nach „grünen" Autos hingegen kaum profitieren. Die US-Verkäufe von Elektroautos legten in den zwei Monaten seit Kriegsbeginn lediglich um 11% zu – ein Wert, der deutlich unter dem allgemeinen Markttempo liegt. Erschwerend kommt hinzu, dass der Absatz von Elektrofahrzeugen nach dem Auslaufen einer staatlichen Steuergutschrift in Höhe von 7.500 US-Dollar im vergangenen Herbst weiterhin gedrückt bleibt.
Damit weicht das US-Kaufverhalten deutlich vom europäischen Trend ab. In Europa boomt der Elektroautomarkt angesichts höherer Kraftstoffpreise und strengerer Abgasvorschriften. Im Vereinigten Königreich sprangen die Verkäufe von Elektroautos in den zwei Monaten nach Beginn des Iran-Konflikts um 79% nach oben – ein stärkerer Anstieg als im Gesamtmarkt. Auch in Deutschland übertraf der Absatz von vollelektrischen Autos mit einem Plus von 39% in diesem Zeitraum die gesamte Branche. Ein wesentlicher Faktor: In Europa sind deutlich mehr erschwingliche Elektromodelle verfügbar, da die Emissionsvorschriften dort weitaus strenger sind als in den USA.
Warum Hybride bei US-Käufern punkten
Analysten und Händler nennen mehrere Gründe für die Beliebtheit von Hybridfahrzeugen auf dem US-Markt. Hybride – die eine Lithium-Ionen-Batterie und einen Elektromotor zur Unterstützung des Benzinmotors nutzen – sind in der Regel kostengünstiger als reine Elektroautos. Zudem steht eine größere Modellvielfalt zur Auswahl, und die Besitzer müssen sich nicht auf eine völlig neue Technologie einlassen, die Änderungen im Alltag erfordert, wie etwa das nächtliche Aufladen des Fahrzeugs.
„Die Menschen interessierten sich bereits für Hybride, bevor die Benzinpreise zu steigen begannen", sagte Kevin Roberts, Direktor für Wirtschafts- und Marktanalysen beim Online-Marktplatz CarGurus. „Höhere Benzinpreise haben dieses Interesse nur noch weiter verstärkt."
Daten aus dem Online-Handel bestätigen das wachsende Interesse. Von allen Fahrzeugsuchen auf der CarGurus-Website im April entfielen 14% auf Hybride, gegenüber 12% im Vormonat. Suchen nach Elektroautos stiegen von 3,4% auf 5%. Auch Autohändler berichten von einer spürbaren Verschiebung: Brad Sowers, der Kia-, Stellantis- und General-Motors-Standorte im Raum St. Louis betreibt, verzeichnete in seinem Kia-Autohaus im April einen Hybridanteil von 35% am Gesamtabsatz – gegenüber rund 30% im März. „Die Kunden achten wirklich auf jeden Cent", so Sowers.
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Zur AktienanalyseToyota als großer Gewinner
Besonders profitiert von der Hybridwelle hat Toyota. Der japanische Automobilhersteller gilt als Pionier der Hybridtechnologie – er brachte den Prius Ende der 1990er Jahre auf den Markt und hat in den letzten Jahren seine meistverkauften Modelle, den SUV RAV4 und die Limousine Camry, ausschließlich als Hybridversionen angeboten. In den zwei Monaten seit Beginn des Nahostkonflikts stieg der Absatz elektrifizierter Fahrzeuge von Toyota in den USA um 34%, während der Gesamtabsatz des Konzerns in diesem Zeitraum um 23% wuchs.
Trotz der gestiegenen Spritpreise zeigt sich jedoch, dass nicht alle US-Käufer umdenken. Die Zahl der im März und April gekauften großen Pickups stieg gegenüber Februar um 20%, wie Daten von Catalyst IQ, einem Anbieter von Datendienstleistungen für Autohäuser, zeigen. Händler wie Todd Szott, der Toyota-, Ford- und Stellantis-Standorte in Michigan betreibt, erklärt dies damit, dass Kunden zwar auf Benzinpreise reagieren, sich aber stärker von den Angeboten der Hersteller leiten lassen – und die größten Rabatte gibt es oft auf benzinbetriebene Fahrzeuge. „Wir verkaufen immer noch viele Pickups", so Szott.


