Huawei-Kabel sorgt für politischen Zündstoff
Brandschutzregeln und Abhängigkeit von China erschweren schnellen Netzausbau

Ein unscheinbares Stück Technik sorgt für politischen Gesprächsstoff: Huawei wirbt in Deutschland für ein neuartiges, transparentes Glasfaserkabel, das den stockenden Ausbau schneller Internetanschlüsse in Mehrfamilienhäusern beschleunigen soll. Der chinesische Technologiekonzern präsentierte das Produkt bei einem Treffen mit Digitalminister Karsten Wildberger in Berlin, das von Huaweis Cheflobbyisten Ingobert Veith arrangiert wurde. Der Termin galt als bemerkenswert, da Huawei derzeit in Brüssel mit einem Hausverbot belegt ist. EU-Kommission und EU-Parlament untersagen dem Konzern vorerst den Zugang, weil gegen Mitarbeiter wegen mutmaßlicher Bestechung ermittelt wird.
Im Mittelpunkt des Gesprächs stand die Frage der digitalen Souveränität. Für Huawei ist das ein sensibles Thema, da die EU langfristig erwägen könnte, Netzteile des Unternehmens auszutauschen und stärker auf europäische Hersteller wie Nokia und Ericsson zu setzen. Der Zeitpunkt des Treffens war nicht zufällig gewählt: Deutsche Netzbetreiber prüfen derzeit, ihre kommerziellen Netze auch für den Behördenfunk zu nutzen. Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste könnten künftig auf diese Infrastruktur zurückgreifen. Da jedoch etwa 60 Prozent der verbauten Komponenten von Huawei stammen, dürfte die Diskussion über die Vertrauenswürdigkeit des Konzerns wieder aufflammen.
Neben der politischen Dimension rückte Huawei ein technisches Detail in den Vordergrund. Das neu entwickelte Glasfaserkabel ist transparent und flexibel. Es lässt sich mit einer Heißklebepistole entlang von Decken in Treppenhäusern befestigen, ohne zu bohren oder sichtbare Kabelschächte anzulegen. Laut Huawei kann diese Technik den Ausbau von Glasfaseranschlüssen vereinfachen, beschleunigen und Kosten senken. Auch die Deutsche Telekom sieht darin einen potenziellen Wendepunkt. Der Konzern hat in vielen Städten bereits Glasfaser bis zur Straße verlegt, doch der Anschluss bis in die Wohnungen stockt. Ein transparentes Kabel könnte diese Lücke schließen.
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Zur AktienanalyseDerzeit verhindert jedoch das deutsche Baurecht den Einsatz. Das Huawei-Kabel erfüllt nicht die vorgeschriebenen Brandschutzklassen für Fluchtwege. Der transparente Kunststoff gilt als problematisch, da er nicht gleichzeitig durchsichtig, schwer entflammbar und bezahlbar herzustellen ist. Die Vorschriften gehen auf ein Brandunglück am Düsseldorfer Flughafen in den 1990er-Jahren zurück. Auch Großbritannien verschärfte nach dem Grenfell-Tower-Brand seine Vorgaben. Huawei verweist darauf, dass Hausverwaltungen und Netzbetreiber im Einzelfall über den Einsatz entscheiden müssten. Die Telekom plädiert dafür, die gesetzlichen Bestimmungen zu modernisieren, da die Brandlast dünner Glasfaserkabel gering sei. Digitalminister Wildberger steht nun vor der Entscheidung, ob er maximale Sicherheit oder mehr Flexibilität beim Netzausbau gewichtet.


