Huawei fliegt aus Europas Solarverband
Korruptionsverdacht, Netzsicherheitsrisiken und Österreichs neue Subventionspolitik verschärfen den Druck

Der chinesische Technologiekonzern Huawei verliert weiter an Einfluss in Europa. Nach dem Bekanntwerden eines Korruptionsskandals hat der Lobbyverband Solar Power Europe die Zusammenarbeit mit Huawei beendet. Der Aufsichtsrat des Verbands habe am 28. April beschlossen, das Unternehmen auszuschließen, wie die Pressestelle mitteilte. Der Ausschluss laufe gemäß der Satzung. Die deutsche Pressestelle von Huawei erklärte, es lägen keine Informationen zu einer entsprechenden Mitgliedschaft vor.
Die Europäische Kommission hatte in den vergangenen Wochen den Druck auf Lobbyverbände erhöht. Gruppen, die für Huawei tätig sind, wurde der Zugang zur Kommission verwehrt. Betroffen sind insbesondere Verbände aus den Bereichen Telekommunikation, Energie und Automobil. Huawei ist derzeit in 22 verschiedenen europäischen Interessenverbänden registriert. Einige davon, darunter Digital Europe, BusinessEurope und das European Internet Forum, haben bereits auf die Vorwürfe reagiert und das Unternehmen ausgeschlossen.
Dem Ausschluss vorausgegangen war eine großangelegte Razzia Anfang März. Dabei wurden vier Personen in Untersuchungshaft genommen, acht weitere Personen, darunter ein ranghoher Huawei-Manager, wurden von der Brüsseler Staatsanwaltschaft angezeigt. Den Beschuldigten wird unter anderem Bestechung, Geldwäsche und die Bildung einer kriminellen Organisation vorgeworfen. In Frankreich und Portugal fanden ebenfalls Durchsuchungen statt. Insgesamt stehen 15 Mitglieder des Europäischen Parlaments im Verdacht, von Huawei bestochen worden zu sein.
Die Entscheidung des Solarverbands hat auch finanzielle Folgen. Huawei hatte dem Verband als Mitglied der höchsten Beitragsklasse jährlich 60.000 Euro gezahlt und war Sponsor wichtiger Veranstaltungen, darunter zuletzt das 40-jährige Jubiläum, bei dem das Huawei-Logo jedoch bereits entfernt worden war. Kritik an der Rolle des chinesischen Konzerns im Verband gab es schon zuvor. Mitglieder beklagten, dass die Einflussnahme chinesischer Hersteller eine offene Diskussion über Sicherheitsbedenken verhindert habe.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseWechselrichter, die auch von Huawei produziert werden, spielen eine zentrale Rolle in Photovoltaikanlagen. Sie regeln die Stromverteilung und könnten bei koordinierten Manipulationen ein gesamtes Stromnetz gefährden. Ein Stromausfall in Spanien und Portugal hat die Sorge vor solchen Szenarien zuletzt verstärkt. In Österreich reagiert die Regierung nun mit gezielten Subventionen, um europäische Hersteller zu stärken. Käufer von Solaranlagen mit europäischen Komponenten erhalten künftig einen Förderbonus von bis zu 20 Prozent.


