HSBC-Verlust und FSB-Warnung erschüttern den Private-Credit-Markt
Ein 400-Millionen-Dollar-Verlust bei HSBC und eine FSB-Warnung rücken die Risiken im globalen Private-Credit-Sektor ins Rampenlicht.

HSBC hat die Finanzmärkte in dieser Woche mit einem unerwarteten Verlust von 400 Millionen US-Dollar schockiert. Der Verlust steht im Zusammenhang mit einem Betrugsfall bei einem britischen Hypothekengeber und wirft erneut ein Schlaglicht auf die tiefen Verflechtungen zwischen Banken und dem Private-Credit-Sektor.
Konkret betrifft der Verlust ein Darlehen an die von Apollo unterstützte Einheit Atlas SP sowie die Finanzierung von Market Financial Solutions (MFS). Obwohl betrügerische Praktiken und nicht strukturelle Schwächen im Private-Credit-Markt die unmittelbare Ursache waren, verdeutlicht der Fall, warum Regulierungsbehörden weltweit das Engagement der Banken in der 3,5 Billionen US-Dollar schweren Branche mit wachsender Sorge beobachten. Besonders die oft indirekte und undurchsichtige Art der Kreditvergabe steht dabei im Fokus der Kritik.
FSB schlägt Alarm: Transparenz und Konzentration als Hauptrisiken
Der Finanzstabilitätsrat (FSB), die globale Finanzaufsichtsbehörde, hat in diesem Zusammenhang eine formelle Warnung herausgegeben. Der FSB nennt drei zentrale Risikobereiche: potenziell steigende Zahlungsausfälle, eine hohe Konzentration von Investitionen sowie einen allgemeinen Mangel an Transparenz innerhalb des Private-Credit-Sektors. Diese Bedenken sind nicht neu, gewinnen aber angesichts der jüngsten Entwicklungen an Dringlichkeit.
Parallel dazu zeichnet sich eine bemerkenswerte Verschiebung in der Kreditlandschaft ab. Eine Reuters-Analyse zeigt, dass sich einige US-Kreditnehmer zunehmend von Private Credit abwenden und stattdessen bankgeführte Konsortialkredite bevorzugen. Der Grund: Die Finanzierungskonditionen im Private-Credit-Markt werden weniger wettbewerbsfähig, während traditionelle Bankfinanzierungen für bestimmte Unternehmen deutlich günstiger werden.
Blackstone und BlackRock senken Bewertungen ihrer Private-Credit-Fonds
Auch die Ergebnisse börsennotierter Business Development Companies (BDCs) spiegeln die aktuellen Belastungen wider – insbesondere im Softwaresektor. Die führenden Vermögensverwalter Blackstone und BlackRock haben im ersten Quartal beide die Bewertungen ihrer Private-Credit-Fonds nach unten korrigiert. BlackRock senkte den Wert eines Fonds um 5 Prozent, während der Secured Lending Fund von Blackstone einen Rückgang des Nettoinventarwerts pro Aktie um 2,4 Prozent verzeichnete.
Der größte börsennotierte Private-Credit-Fonds von Blue Owl kündigte zudem an, sein Engagement im Softwaresektor reduzieren zu wollen. Als Gründe nannte das Unternehmen die Neubewertung von Bewertungen und Wachstumsaussichten in der Branche sowie den zunehmenden Wettbewerb bei der Kreditvergabe an Softwareunternehmen.
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Zur AktienanalyseFälligkeitswelle erst ab 2027 erwartet
Trotz der wachsenden Bedenken gibt es auch beruhigende Signale. Eine Reuters-Analyse, die auf Einreichungen bei der US-Börsenaufsichtsbehörde SEC von 74 Private-Credit-Fonds basiert, zeigt: Eine flächendeckende Fälligkeitswelle, die eine sofortige Refinanzierung erfordert, steht nicht unmittelbar bevor. Signifikante Fälligkeitstermine für Private-Credit-Kreditnehmer sind demnach erst für die Jahre 2027 und 2028 zu erwarten.
Für deutsche Privatanleger und institutionelle Investoren, die zunehmend in Private-Credit-Produkte investieren, liefern diese Entwicklungen wichtige Orientierungspunkte. Die Kombination aus regulatorischem Druck, sinkenden Bewertungen und einer sich verändernden Wettbewerbslandschaft dürfte den Sektor in den kommenden Monaten weiter unter Beobachtung halten.

