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Hongkongs IPO-Boom kämpft mit massivem Performance-Problem

Hongkong führt weltweit bei Börsengängen – doch rund die Hälfte der neuen Titel notiert bereits im Minus.

Hongkongs IPO-Boom kämpft mit massivem Performance-Problem

PEKING – Hongkong hat sich zur weltweiten Nummer eins bei Börsengängen entwickelt. Doch hinter dem glänzenden Volumen verbirgt sich ein wachsendes Problem: Viele der frisch notierten Aktien entwickeln sich schwach – und das fällt zunehmend auch den Behörden auf.

Die Hongkonger Börse belegte im vergangenen Jahr weltweit den ersten Platz nach dem durch IPOs aufgenommenen Kapital – noch vor der New York Stock Exchange und der Nasdaq, die den zweiten beziehungsweise dritten Platz belegten. Das geht aus Daten des Beratungsunternehmens KPMG hervor. Die starke Dynamik setzte sich laut KPMG auch im ersten Quartal 2025 fort. Mit Stand Donnerstag warten laut der Börsenwebsite mehr als 600 Unternehmen auf ihre Notierung in Hongkong.

Trotz dieser beeindruckenden Zahlen zeigt sich auf breiter Front eine Underperformance. Von 179 Notierungen seit Januar 2025 notierte etwa die Hälfte in den letzten drei Monaten niedriger, wie das chinesische Finanzdatenunternehmen Wind Information ermittelte. Zum Vergleich: Der Leitindex Hang Seng verzeichnete im gleichen Zeitraum nur einen leichten Rückgang, während der FTSE Renaissance Global IPO Index sogar um mehr als 10 Prozent zulegte.

Kursrallys und dramatische Einbrüche

Besonders auffällig ist die Entwicklung bei Aktien, die in den sogenannten „Stock Connect" aufgenommen wurden. Dieses Programm ermöglicht Anlegern vom chinesischen Festland Direktinvestitionen in Hongkonger Titel. Von 33 Aktien, die am 9. März in das Connect-Programm aufgenommen wurden, verdoppelte sich bei mehr als der Hälfte der Kurs zwischen dem Börsengang und dem letzten Handelstag vor der Aufnahme. Acht Titel, darunter das KI-Startup Deepexi, stiegen in diesem Zeitraum sogar um mehr als 300 Prozent.

Doch auf die Rallys folgten harte Korrekturen. Alle acht Unternehmen dieser Gruppe sind seither um mindestens 10 Prozent gefallen. Deepexi verzeichnete mit Stand vom 3. Juni sogar ein Minus von 51 Prozent. Die staatlich unterstützte „Securities Times" wies am 29. Mai als jüngstes Medium auf die Besorgnis über solche starken Kursrallys und anschließenden Einbrüche bei Hongkonger Börsengängen hin – ein Zeichen, dass Peking das Thema aufmerksam verfolgt.

Experten sehen einen klaren Mechanismus hinter dem Muster. Leonid Mironov, Portfoliomanager bei Gavekal, erklärte, dass viele Hongkonger H-Aktien bereits als A-Aktien auf dem chinesischen Festland gehandelt werden. Das Kapital ziehe sich in die oft günstigeren A-Aktien zurück, sobald die Titel in das Connect-Programm aufgenommen wurden. Ding Wenjie, Investmentstratege bei China Asset Management Co., bestätigte, sein Unternehmen habe beobachtet, dass einige Fonds in Hongkong die Connect-Aufnahme gezielt genutzt hätten, um zusätzliche Renditen zu erzielen.

Ausblick: Milliardenziele und neue Tests

Goldman Sachs prognostizierte in diesem Frühjahr, dass Unternehmen im laufenden Jahr bei Börsengängen in Hongkong rund 60 Milliarden US-Dollar aufnehmen werden – fast eine Verdoppelung gegenüber den 36 Milliarden US-Dollar aus dem Jahr 2025. Gleichzeitig stufte die US-Investmentbank am Mittwoch Hongkonger H-Aktien zugunsten von A-Aktien des chinesischen Festlands herab, um ein stärkeres Engagement im Bereich der Hardware für künstliche Intelligenz zu ermöglichen.

Benjamin Cavender, Geschäftsführer der China Market Research Group, sieht strukturelle Ursachen für die Probleme. Niedrige Gebühren, eine schwächere Kapitalbeschaffung und verschärfter Wettbewerb bedeuteten, dass „zweifellos Druck auf Teilen des chinesischen Finanzsektors lastet", sagte er gegenüber CNBC. „Dies hat den Fokus wahrscheinlich auf die kurzfristige Performance gelenkt."

Die nächsten Belastungstests für den Markt stehen bereits bevor. Knowledge Atlas Technology, das Unternehmen hinter dem KI-Modell Zhipu, soll voraussichtlich am Montag über das Connect-Programm den Handel in Shanghai aufnehmen. Das KI-Unternehmen MiniMax soll voraussichtlich im Laufe des Sommers folgen. Beide Unternehmen sind seit Januar in Hongkong börsennotiert. Die HKEX erklärte in einer Stellungnahme gegenüber CNBC lediglich, dass die Kursentwicklung von einer Reihe von Faktoren beeinflusst werde.

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