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Honeywell Aerospace: Abstufung nach katastrophalem Quartalsdebüt als Einzelunternehmen

Lieferkettenprobleme und drastisch gesenkte Prognose schicken die Aktie auf ein neues Allzeittief als eigenständiges Unternehmen.

Honeywell Aerospace: Abstufung nach katastrophalem Quartalsdebüt als Einzelunternehmen

Die Aktie von Honeywell Aerospace brach am Mittwochabend um 11% ein – zusätzlich zu einem Minus von 6% während der regulären Handelssitzung. Auslöser waren schwache Quartalsergebnisse und eine drastisch gesenkte Jahresprognose. Der Kurs fiel damit auf rund 182 US-Dollar und markierte damit ein neues Tief seit der Abspaltung des Unternehmens von Honeywell Technologies Ende Juni 2026.

Im zweiten Quartal, das am 27. Juni endete, erzielte Honeywell Aerospace einen Umsatz von 4,52 Milliarden US-Dollar – ein Plus von 5,4% im Jahresvergleich, aber deutlich unter der Konsensschätzung von 4,6 Milliarden US-Dollar. Noch schmerzhafter war der bereinigte Gewinn je Aktie (EPS): Er sank um 32% gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 1,87 US-Dollar und verfehlte damit die Analystenerwartung von 2,11 US-Dollar erheblich.

Honeywell Aerospace stellt Cockpit- und Energiesysteme, Triebwerke für Geschäftsreiseflugzeuge sowie Komponenten wie Sensoren her. Das Unternehmen hatte sich erst Ende Juni von Honeywell Technologies abgespalten und legte nun seinen ersten eigenständigen Quartalsbericht vor – mit einem ernüchternden Ergebnis.

Lieferkette als zentrales Problem

CEO Jim Currier räumte in der Ergebniskonferenz offen ein, dass Engpässe in der Lieferkette die Produktion belasten. „Nach einigen Jahren mit zweistelligem Produktionswachstum sahen wir uns im ersten Quartal mit Engpässen in der Lieferkette konfrontiert, die zu einem Produktionsvolumen unter den Erwartungen führten", sagte Currier. Er gestand zudem ein, die Dauer der Korrekturmaßnahmen unterschätzt zu haben: „Ehrlich gesagt habe ich unterschätzt, wie lange es dauern würde, die von uns ergriffenen Korrekturmaßnahmen umzusetzen und deren Wirkung zu sehen."

Das Unternehmen arbeitet mit über 3.000 Zulieferern zusammen. Laut Management erbringen 98% davon „hervorragende Leistungen" – doch die verbleibenden 2% verursachen den entscheidenden Engpass. Die Behebung dieser Probleme wird erhöhte Investitionen erfordern, was die Margen vorübergehend belasten dürfte.

Bemerkenswert: Die Nachfrageseite ist intakt. Das Unternehmen verzeichnete ein Auftragswachstum von 8% im Jahresvergleich und Neuaufträge im Wert von 15 Milliarden US-Dollar – gemessen am Lifetime Value – seit Jahresbeginn. Das Problem liegt also ausschließlich auf der Angebotsseite.

Prognose für 2026 deutlich gesenkt

Das Management korrigierte seine Jahresprognose bei mehreren Kennzahlen nach unten. Beim organischen Umsatzwachstum rechnet das Unternehmen nun mit 4% bis 5% statt der zuvor angekündigten 7% bis 9%. Das bereinigte Pro-forma-EBIT wird nun bei 4,35 bis 4,45 Milliarden US-Dollar erwartet, gegenüber der früheren Spanne von 4,65 bis 4,75 Milliarden US-Dollar.

Beim bereinigten Pro-forma-Gewinn je Aktie erwartet das Unternehmen nun 7,60 bis 7,90 US-Dollar – deutlich unter dem Marktkonsens von 8,90 US-Dollar. Es war das erste Mal, dass Honeywell Aerospace eine eigenständige EPS-Prognose für das Gesamtjahr abgab. CFO Josh Kepsen betonte, man habe bewusst konservativ geplant: „Wir halten es für klug, eine kurzfristige Finanzprognose festzulegen, die ohne dramatische Verbesserungen in der Lieferkette erreichbar ist."

Segmentergebnisse im Überblick

Auf Segmentebene zeigte sich ein gemischtes Bild:

Electronic Solutions

(Avionik, Navigation, Sensoren, Verteidigung, Raumfahrt): Umsatz +8% im Jahresvergleich, bereinigtes EBIT jedoch -3% wegen ungünstigem Mix und höheren Kosten.

Engines and Power Systems

(Hilfstriebwerke, Klimaanlagen am Boden): Umsatz +1% im Jahresvergleich; Segmentgewinne -32%, da höhere Preise die steigenden Kosten nicht ausgleichen konnten.

Control Systems

(Luft- und Wärmeregelungslösungen): Umsatz +7% im Jahresvergleich; bereinigtes EBIT +8%, da höhere Preise die gestiegenen Kosten ausglichen.

Abstufung und Konsequenzen für Anleger

Die Analyse kommt zu einem klaren Urteil: Das Ergebnis war „schlichtweg katastrophal". Besonders kritisch wird bewertet, dass Honeywell Aerospace mehrere Gelegenheiten hatte, die Wall Street frühzeitig auf zu hohe Erwartungen hinzuweisen – etwa beim Investorentag Anfang Juni oder bei der Abspaltung Ende Juni. Stattdessen kam die drastische Prognosesenkung überraschend und erschüttert die Glaubwürdigkeit des Managements erheblich.

Das Management hält zwar weiterhin an den langfristigen Zielen für 2030 fest, doch die frühe Senkung der 2026er-Prognose macht es schwer, diesen Zielen großes Vertrauen entgegenzubringen. Die Aktie dürfte für mehrere Quartale unter Druck bleiben, während das Management daran arbeitet, das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen. Das Rating wurde auf 3 herabgestuft.

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