Hollywood-Gewerkschaften kämpfen gegen 110-Milliarden-Dollar-Medienfusion
Gewerkschaften, Kreativschaffende und US-Bundesstaaten mobilisieren gegen die geplante Übernahme von Warner Bros. Discovery durch Paramount-Skydance.

Eine wachsende Koalition aus Hollywood-Arbeitern, Gewerkschaftsvertretern und staatlichen Regulierungsbehörden verschärft ihren Widerstand gegen die geplante 110-Milliarden-Dollar-Übernahme von Warner Bros. Discovery durch Paramount-Skydance. Den Auftakt bildete eine Kundgebung unter dem Motto „Main Street vs. The Merger" im Lumiere Music Hall in Los Angeles, die tief verwurzelte Ängste vor Branchenkonsolidierung, Jobverlust und dem Ende kreativer Vielfalt im US-Medienmarkt widerspiegelt.
Der Comedian und Medienkritiker Adam Conover wurde bei der Veranstaltung zur prominenten Stimme gegen den Deal. Er schilderte seine persönlichen Erfahrungen nach der Übernahme von Time Warner durch AT&T im Jahr 2018: Damals wurde seine Sendung „Adam Ruins Everything" abgesetzt und mehr als 100 Mitarbeiter und Auftragnehmer verloren ihre Stellen. Conover argumentierte, dass solche Fusionen Kostensenkungen über kulturelle Produktion und Beschäftigungsstabilität stellen.
Die Kundgebung, organisiert von Interessengruppen und der Writers Guild of America, ist der Auftakt einer Tournee durch drei Städte. Ziel ist es, auf die als existenziell wahrgenommene Bedrohung durch die Fusion aufmerksam zu machen.
Jobverluste und schrumpfende Branche
Die Zahlen, die den Widerstand befeuern, sind alarmierend. Laut dem Milken Institute verlor Kalifornien zwischen 2019 und 2023 insgesamt 17.234 Stellen im Unterhaltungsbereich. Ursachen sind stagnierendes Streaming-Wachstum, sinkende TV-Werbeeinnahmen und die Verlagerung von Produktionen in kostengünstigere Regionen.
Operative Daten von FilmLA unterstreichen den Abschwung: Die Auslastung der Filmstudios in Hollywood fiel im ersten Halbjahr 2025 auf 62 Prozent – ein drastischer Rückgang gegenüber der nahezu vollständigen Auslastung im Jahr 2016. Die Gewerkschaft IATSE (International Alliance of Theatrical Stage Employees) berichtet zudem, dass ihre 170.000 Mitglieder im Vergleich zu 2022 rund 36 Prozent weniger Arbeitsstunden verzeichnen.
Matt Radecki, Mitgründer der Postproduktionsfirma Different by Design in Los Angeles, warnte, die Fusion könnte wichtige Abnehmer für unabhängige Filme und Dokumentarfilme eliminieren. Er befürchtet, dass der Verlust spezialisierter Plattformen wie HBO und CNN Films für das kreative Ökosystem nicht zu ersetzen wäre.
Rechtliche Schritte und Kartellrecht
Auf der rechtlichen Ebene bereitet sich eine Koalition von US-Bundesstaaten, darunter Kalifornien und New York, auf eine Klage zur Blockierung der Transaktion vor. Rechtexperten sehen dabei einen arbeitsmarktorientierten Kartellrechtsansatz als vielversprechend an.
Der frühere FTC-Kommissar Alvaro Bedoya erklärte, dass Kaliforniens Generalstaatsanwalt Rob Bonta die Fusion mit dem Argument anfechten könnte, sie reduziere den Wettbewerb um kreative Arbeitskräfte. Als Präzedenzfall gilt der Kartellrechtsfall von 2022, in dem die geplante Übernahme von Simon & Schuster durch Penguin Random House erfolgreich blockiert wurde – mit dem Argument, die Fusion schade dem Wettbewerb um bestimmte Arbeitnehmergruppen.
Die Wirtschaftswissenschaftlerin Ioana Marinescu von der University of Pennsylvania betonte, dass für spezialisierte Kreativprofis der Verlust eines Großarbeitgebers wie Warner Bros. Discovery eine erhebliche Einschränkung der Karrieremöglichkeiten bedeute – ein Aspekt, den Kartellbehörden zunehmend berücksichtigen.
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Paramount-Skydance-CEO David Ellison hat versucht, Bedenken zu zerstreuen, indem er versprach, das fusionierte Unternehmen werde jährlich mindestens 30 Filme produzieren. Kritiker bezweifeln jedoch, dass diese Zusage die strukturellen Probleme des Marktes adressiert.
Während die „Main Street vs. The Merger"-Tournee fortgesetzt wird, bleibt die entscheidende Frage, ob die vereinten Argumente von Gewerkschaften und Staatsanwälten die Bundesbehörden überzeugen können. Das Ergebnis dieses Regulierungsstreits dürfte einen bedeutenden Präzedenzfall dafür setzen, wie künftige Medienfusionen bewertet werden – insbesondere im Hinblick auf ihre Auswirkungen auf Arbeitsmärkte und die kreative Wirtschaft.


