Holcim kauft deutschen Baustoffhersteller Xella
Der Schweizer Konzern erweitert sein Angebot für nachhaltige Bau- und Dämmsysteme in Europa

Der Schweizer Baustoffkonzern Holcim übernimmt für 1,85 Milliarden Euro den deutschen Hersteller Xella und erweitert damit sein Angebot im Bereich Bau- und Dämmsysteme. Mit dem Kauf will Holcim seine Position im europäischen Markt für Gebäudesanierungen stärken und das Produktportfolio über das Kerngeschäft mit Zement hinaus diversifizieren. Ziel des Unternehmens ist es, künftig komplette Bau- und Sanierungslösungen anzubieten – vom Fundament über Wände bis hin zu Dächern. Konzernchef Miljan Gutovic erklärte, Kunden wollten zunehmend einen einzigen Lieferanten, der sämtliche Baustoffe aus einer Hand anbietet.
Xella mit Sitz in Duisburg beschäftigt rund 4000 Mitarbeiter und erwirtschaftet in diesem Jahr voraussichtlich einen Umsatz von etwa einer Milliarde Euro. Zum Portfolio gehören bekannte Marken wie Ytong, Silka, Hebel und Multipor, die in Europa insbesondere für Mauer- und Dämmsysteme eingesetzt werden. Gutovic betonte, dass im Zuge der Übernahme keine Arbeitsplätze abgebaut werden sollen. Stattdessen plane Holcim Investitionen in den Standort und die Weiterentwicklung der Produktpalette. Der Schweizer Konzern erzielt derzeit einen Jahresumsatz von rund 16 Milliarden Franken.
Mit dem Zukauf verfolgt Holcim die Strategie, den Anteil des klassischen Zementgeschäfts am Gesamtumsatz zu reduzieren und sich stärker auf klimafreundliche Bauprodukte zu konzentrieren. Der Konzern sieht darin einen wichtigen Schritt, um sich als führender Partner für nachhaltiges Bauen zu positionieren. Die Übernahme eröffnet zudem neue Chancen im wachsenden Markt für Renovierungen. Gutovic wies darauf hin, dass etwa 80 Prozent der heute genutzten Gebäude auch 2050 noch bestehen werden, was erhebliche Investitionen in Sanierung und Energieeffizienz erforderlich mache.
Nach Schätzungen der Europäischen Union dürfte sich die Renovierungsrate in den kommenden Jahren verdoppeln, um die Energieeffizienz älterer Gebäude zu verbessern. Holcim erwartet, dass der europäische Markt für Wandbaustoffe bis 2030 auf rund 16 Milliarden Euro anwachsen wird. Die steigenden Anforderungen an Energieeinsparung und der Bedarf an neuen Wohnungen treiben die Nachfrage nach modernen Bausystemen zusätzlich an.
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Zur AktienanalyseAn der Börse reagierten Anleger positiv auf die Nachricht: Die Holcim-Aktie legte um 2,4 Prozent zu. Analysten bezeichneten den Kaufpreis als attraktiv, da Xella zuletzt unter der schwachen Baukonjunktur in Deutschland und Europa gelitten hatte. Die Übernahme steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Wettbewerbsbehörden und soll im zweiten Halbjahr 2026 abgeschlossen werden. Holcim plant nach eigenen Angaben weitere größere Akquisitionen in den kommenden Monaten.


